27.05.2013 08:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Weide
Die Kühe nur zum Fressen raus lassen
Bei nassem Wetter können Weideschäden entstehen. Die Kühe sollten hungrig und nur zum Fressen auf die Weide gelassen werden. Wenn möglich sind der Weideeingang und die Tränkestelle zu verschieben.

Das momentan sehr wechselhafte Wetter erschwert die Futterkonservierung. Aber auch das Weiden ist unter den nassen Bedingungen nicht einfach. Trittschäden schädigen den Bestand und die Bodenstruktur. Das verschmutzte Gras wird von den Kühen schlechter gefressen. Grundsätzlich sei die Kurzrasenweide etwas widerstandsfähiger als eine Umtriebsweide, erklärt Werner Hengartner, Futterbauberater am Strickhof.

Aber kurzfristig sollte das einmal gewählte Weidesystem nicht gewechselt werden. Kühe sind Gewohnheitstiere. Es gibt aber durchaus einige Tricks, wie die Weiden bei nassem Wetter geschont werden können.

Dichtere Kurzrasenweide

Bei nassen Bedingungen kann auf einer Kurzrasenweide noch länger geweidet werden als auf einer Umtriebsweide, weil die Grasnarbe dichter ist. Dies aber auch nur, wenn die botanische Zusammensetzung gut ist, also vor allem aus rasenbildenden Gräsern wie Englisch Raigras, Wiesenrispengras und Weissklee besteht. Zudem stehen auf der Kurzrasenweide weniger Tiere pro Fläche. In dieser Jahreszeit rechnet man etwa mit 20 Aren pro Kuh.

Im Gegensatz dazu stehe auf einer intensiven Portionenweide pro Are eine Kuh, so Hengartner. Auch die Grasnarbe sei meistens nicht so dicht. Dadurch entstehen bei nassen Bedingungen mehr Schäden.

Tränke versetzen hilft

Bei allen Weidesystemen kann man, falls möglich, durch versetzen des Weideeingangs oder des Tränkefasses die Trittschäden etwas minimieren. Die Kühe sollten zudem nur mit hungrigem Magen auf die Weide gelassen werden. Denn beim Fressen verursacht eine Kuh weniger Trittschäden, als wenn sie wartend am Zaunrand steht. Brünstige Tiere lässt man am besten auf eine separate Weide oder behält sie im Stall, damit die Herde ruhiger bleibt.

«Eventuell muss man auch die Weidezeit etwas einschränken und etwas mehr im Stall zufüttern, um den Weidedruck zu senken», meint der Experte. Bei vermehrter Zufütterung im Stall bestehe jedoch die Gefahr, dass die Bestände davonwachsen. Man hat einen grösseren Aufwand beim Weideputzen oder muss mehr konservieren, was die Gefahr mit sich bringt, dass dann bei guten Bedingungen plötzlich zu wenig Futter auf der Weide steht. «Aber es macht sicher keinen Sinn, die Kühe in eine Weide zu lassen, in der sie das Gras bereits am Bauch kitzelt», stellt Hengartner klar.

Ein rascherer Umtrieb beim Koppelsystem, um den Bestand zu schonen, sei auch keine gute Lösung. Die Kühe grasen das Futter nicht genügend ab. Diese stehen gelassenen Resten werden später nicht mehr gefressen. Besser ist in diesem Fall das Abzäunen einer Teilfläche, welche am nächsten Tag neu dazugegeben wird. Wenn möglich sollte aber auch da der Weideeingang in den neuen Teil verlegt werden, damit die Kühe nicht durch die ganze Parzelle laufen.

Später raus, früher rein

«Wenn die Weide einen guten Bestand aufweist, mag es mehr leiden, als man denkt», meint Michael Sutter, Landwirt mit Vollweidesystem aus Bretzwil BL. Ist es nass, lassen er und sein Vater die 44 Kühe etwas später auf die Weide und holen sie etwas früher rein. Die Tiere fressen so immer noch all ihr Futter auf der Weide. «Wir führen eine intensive Umtriebsweide», so Sutter.

Die Herde bleibt höchstens zwei Tage in einer der ein bis zwei Hektaren grossen Koppeln. Dadurch werden auch die Weideeingänge nicht zu stark strapaziert. Die Wartezeit beträgt etwa eine Woche, und die Bestände bleiben immer kurz. Ausserdem achten die Sutters darauf, dass die Weiden mit etwas schlechterem Weideeingang möglichst nur bei trockenem Wetter bestossen werden. Wenn es nass ist, werden die Parzellen mit befestigtem Weideeingang beweidet. Ein allgemeiner Tipp sei sicherlich der möglichst frühe Weidebeginn im Frühling, damit sich eine dichte Grasnarbe entwickle, rät der Landwirt.

Trittschäden sanieren

«Ein guter Bestand erholt sich nach Trittschäden erstaunlich schnell», betont auch Stefan Dubach, Berater am Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve FR. «Sind aber Unkräuter wie Blacken oder Hahnenfuss vorhanden, macht eine Übersaat oft Sinn.» Vor der Übersaat ist ein Säuberungsschnitt zu empfehlen, und danach sollte gewalzt werden. Eine Möglichkeit sei auch, ein bis zwei Tage vor Weidewechsel das Saatgut von den Kühen in den Boden eintreten zu lassen, meint Dubach.

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