10.02.2017 15:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Braunvieh
«Die Kuh, die zur heutigen Agrarpolitik passt»
Die Rasse Original Braunvieh (OB) ist im Aufwind. Felix Honegger, Präsident des Schweizer Original Braunviehzuchtverbandes, erklärt im Interview, warum der Bestand zunimmt und warum OB-Kühe nicht gestylt werden an Ausstellungen.

LID: Der Bestand an Original Braunvieh (OB) nimmt seit etwa 10 Jahren stetig zu, nachdem die Rasse fast verdrängt wurde. Was sind die Gründe für den Höhenflug?
Felix Honegger: Die Original Braunen stellen etwa 6 Prozent der Herdebuchkühe des Schweizer Braunviehs. Sie haben grosse Fortschritte sowohl betreffend Euterqualität als auch Milchleistung gemacht. Man kann sagen, die Kuh ist moderner geworden und findet vermehrt Anklang bei den Bauern. An der JOBA 2016, der Jubiläums Original Braunvieh Ausstellung in Zug zum 35-jährigen Bestehen des Verbandes, wurde der Zuchtfortschritt der letzten Jahrzehnte offensichtlich.

OB-Kühe geben weniger Milch. Ist die Rasse dennoch wirtschaftlich?
In der Milchleistung können die OB gesamthaft gesehen mit den eingekreuzten Kühen nicht mithalten, obwohl auch bei ihnen ein grosses Potential besteht. Es gibt OB-Kühe mit Milchleistungen über 10‘000 kg Milch. Die Original Braunen sind trotz tieferer Milchleistung wirtschaftlich, da sie mit betriebseigenem Futter zurechtkommen, das heisst, sie brauchen wenig Kraftfutter. Die Original Braune ist eine genügsame Kuh für Betriebe, die eher extensiv wirtschaften. Es ist genau die Kuh, die zur graslandbasierten Milchwirtschaft der heutigen Agrarpolitik passt.

Welche Vorzüge zeichnen die OB-Rasse aus?
Ein grosser Vorteil der Original Braunen gegenüber den mit Brown Swiss eingekreuzten Braunviehkühen ist, dass sie gut bemuskelt sind. Kommt die Kuh zur Schlachtung, liefert sie mehr Fleisch und erzielt einen höheren Preis als die eingekreuzte Braunviehkuh, welche die Energiereserven vor allem für die Milchproduktion einsetzt. Da auch die Kälber schnell und viel Fleisch ansetzen, sind OB Kühe auch als Mutterkühe gesucht. Ob reinrassig oder gekreuzt sind OB-Mastkälber denjenigen der typischen Milchrassen in punkto Mastleistung deutlich überlegen. Nicht zuletzt schätzen die Züchter auch die Robustheit und den ruhigen Charakter der OB.

Werden Original Braune Kühe vor allem als Milch- oder als Mutterkühe verwendet?
OB-Kühe werden vor allem als Milchkühe gezüchtet. Die Anzahl Herdebuchkühe ist gerade daran, die Schwelle von 10‘000 Tieren zu überschreiten. Der Rasseclub Schweizer Braunvieh führt ein Fleischrinder-Herdebuch, zu dem gut 5‘000 OB Kühe gehören. Sie weisen neben hohen Tageszunahmen und guten Muttereigenschaften auch eine hohe Fleischqualität auf.

Man hat den Eindruck, dass die OB-Züchter eher traditionell denken.
Wir stylen unsere Tiere an Ausstellungen nicht. Sie sollen sich so präsentieren, wie sie von Natur aus sind. Viele OB-Züchter legen Wert darauf, dass ihre Kühe Hörner tragen, so dass der Prozentsatz der Kühe mit Hörnern deutlich höher ist als beim Braunvieh insgesamt. Wie beim Braunvieh werden auch bei den OB die meisten Kühe künstlich besamt. Doch kommt der Natursprung in Betrieben mit OB häufiger vor, da das Angebot an OB-Stieren beim Verband für künstliche Besamung lange Zeit gering war.

Wo in der Schweiz findet man vor allem OB?

Das Vorkommen hängt sehr von der Region ab. Sie kommen nicht unbedingt dort vor, wo es am meisten Braunvieh gibt. Den grössten Bestand hat der Kanton Schwyz mit 1‘500 Kühen, gefolgt von St.Gallen mit 1‘300 und Zürich mit 950 Original Braunen Kühen. Es sind eher Regionen, wo die Kühe z’Alp gehen oder wo die Züchter damals, als die Brown Swiss breitflächig Eingang fanden, nicht mit der grossen Masse schwimmen wollten.

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