18.01.2018 10:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz*
Milchproduktion
Die Milchkontrolle von morgen
Ein automatisierter Tierdatenaustausch soll die Daten der Milchkontrolle via internetbasierte Verbindung direkt an die Zuchtverbände übertragen. Das verringert den Aufwand auch für den Landwirt.

«Die heutige Milchkontrolle ist nicht mehr zeitgemäss», sagt Sarah Görlich. Sie leitet ein Projekt, das den Tierdatenaustausch zwischen Landwirt und Zuchtverbänden vereinfachen soll. Automatisierter Tierdatenaustausch ATDA heisst das Projekt der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) in Zusammenarbeit mit der Qualitas AG, dem Kompetenzzentrum für Informatik und Genetik für Schweizer Zuchtorganisationen.

Doppelte Arbeit

Automatische Melksysteme AMS, gemeint sind Melkroboter, erheben die Milchmenge zwar automatisch, aber übermittelt werden die Daten mittels von Hand ausgefüllter Begleitscheine (BGS) des Milchkontrolleurs. Daten, die digital vorhanden sind, werden wieder auf Papier geschrieben und müssen neu eingegeben werden. «Dieser Prozess der Datenübermittlung ist aufwändig und sehr fehleranfällig», hält Görlich fest. Neu soll das Informationssystem der Melkanlage (ISM) die Daten via internetbasierte Verbindung direkt an die Qualitas AG übermitteln und die manuelle Erfassung überflüssig machen.

Zur direkten Datenübertragung ist ein «Plug-in» notwendig, ein Softwareprogramm, das auf dem ISM installiert wird und den Datenexport sowie die Datenübertragung ermöglicht. Jedes Melkmaschinenfabrikat benötigt ein eigenes Plug-in. Die Qualitas hat dazu die Zusammenarbeit mit der holländischen Informatikfirma VSM gesucht, die schon Plug-ins für alle in der Schweiz gängigen Melkmaschinenfabrikate zur Verfügung stellt.

In der Testphase

Das Projekt ATDA hat Mitte 2015 begonnen hat und bezieht die Melkmaschinenhersteller mit ein. «Wir sind recht weit mit dem Projekt, aber umgesetzt ist es noch nicht», sagt Görlich. Auf einem ersten Testbetrieb mit einem Lely-Melkroboter funktioniert der Datenaustausch schon, nun sollen auch alle anderen Melkfabrikate in die Testphase kommen. Von der Dauer der Testphase wird es abhängen, wann der ATDA in die Praxis Eingang finden wird.

In einem ersten Schritt ist der automatische Datenaustausch nur für Melkroboter vorgesehen. In einem zweiten Schritt soll er auf alle konventionellen Melksysteme ausgeweitet werden, die über moderne Verarbeitungssysteme verfügen. «Den Milchkontrolleur wird es weiterhin brauchen», sagt Görlich. AMS entnehmen zwar die Milchproben, aber der Kontrolleur wird sie abholen.

Automatisch zurück

Görlich sieht viele Vorteile im digitalen Tierdatenaustausch. Einerseits wird der administrative Aufwand reduziert und die Datenqualität steigt, da der manuelle Übertragungsprozess sehr fehleranfällig ist. Andererseits wird die Berechnung der Milchleistung präziser, da alle Milchmengendaten der Kühe zur Verfügung stehen und sich einheitlich gemäss Vorschrift des Internationalen Komitees für Leistungsprüfungen in der Tierproduktion (Icar) berechnen lassen.

Die Milchproben kommen zur Analyse weiterhin zu Suisselab, und die Ergebnisse werden wie bisher mit der Milchmenge kombiniert. Die Daten werden aber nicht mehr an den Landwirt geschickt, sondern automatisch und digital an den Melkroboter übermittelt. «Dadurch verringert sich nicht nur der Aufwand der Melkkontrolleure, sondern auch der Landwirte», erklärt Görlich.

Gezielte Datennutzung

Einen grossen Vorteil sieht sie in der gezielteren Nutzung von Daten, zum Beispiel von Gesundheitsdaten, die von den Melksystemen erfasst werden und automatisch in die elektronischen Behandlungsjournale übertragen werden sollen. Diese können zur Berechnung von Gesundheitszuchtwerten dienen. Je nachdem, bei welchen Datenerfassungen der Betrieb mitmacht, kann er von der Auswertung der Daten profitieren und Kennzahlen wie etwa Mastitis-Fälle mit anderen Betrieben vergleichen. International spricht man heute von «Benchmarking». Auch die Icar möchte den automatisierten Tierdatenaustausch fördern. Das Projekt befindet sich aber noch in der Planungsphase.

Die Landwirte werden insgesamt von einem reduzierten administrativen Aufwand, einer verbesserten Datenqualität, einer einfacheren Rückmeldung und vielfältigeren Auswertungen profitieren. Die Zuchtverbände haben weniger administrativen Aufwand und können neue Merkmale aufnehmen. Noch ist offen, wie die neue Dienstleistung verrechnet wird. Nicht zuletzt kann der automatische Tierdatenaustausch die Schweizer Genetik international gesehen konkurrenzfähiger machen. Denn es lassen sich neue Zuchtwerte und Merkmale schätzen.

*Der Autor hat den Beitrag im Hinblick auf die Tier&Technik geschrieben, die vom 22. bis 25. Februar in St. Gallen stattfindet.

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