29.02.2016 10:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
«Die Roten passen zu uns»
Ursprünglich lebten auf dem Widenschopf ausschliesslich braune Kühe. Doch vor 20 Jahren kamen die roten dazu.

Als Monica und Walter Brander ihre Kühe für das Foto vorbereiten, springen ihre drei Kinder Tamara (13 ), Matthias (11) und Kathrin (6) im Stall von Kuh zu Kuh. Sie kennen nicht nur jeden Namen, sondern auch deren Abstammung und Besonderheiten. Stolz geben sie ihr Wissen weiter.

Fünf Simmentaler Kälbchen

Reges Interesse an der Landwirtschaft schimmert durch. Das setzt sich am Küchentisch fort. Die Eltern sprechen vor allem mit den beiden älteren Kindern über A- und E-Linie, über Zuchtfamilien, Kälbchen, Rinder, prämierte Tiere usw. Alles wirkt wie ein echtes Familienunternehmen, das alle interessiert.

Ursprünglich lebten auf dem Widenschopf in Hoffeld SG (Gemeinde Neckertal) ausschliesslich braune Kühe. Dann aber kaufte Branders Vater vor gut 20 Jahren von einem verunglückten Nachbarn fünf rote Simmentaler Kälbchen. Drei überlebten und brachten einiges durcheinander, denn sie legten den Grundstein für Monica und Walter Branders heutige Zucht. Kam dazu, dass Monica Brander nach der Hofübernahme vor 15 Jahren die Mitgliedschaft im Fleckviehzuchtverein Fürstenland und Umgebung zur Diskussion stellte.

Fleckvieh übernommen

Walter Brander war damals aber in der Genossenschaft der Braunen engagiert. Es blieb nur eine Lösung. «Mir gefallen diese Tiere», erzählt Monica Brander. «Also übernahm ich ab 2005 unsere Vertretung in der Genossenschaft und gleichzeitig auch zu einem grossen Teil die Verantwortung für die Roten. So rutschte ich immer mehr in die Zucht hinein und kümmere mich seitdem auch um die richtige Besamung.»

«Allerdings habe ich mir ein Vetorecht ausbedungen», ergänzt Walter Brander lachend. Ab 2010 gehört seine Frau dem Vorstand des Fleckviehzuchtvereins Fürstenland und Umgebung an. Seit 2015 ist sie Präsidentin der rund 188 Mitglieder.

Spassige Stallatmosphäre

Braune standen aber auch noch im Stall, was einiges zur Folge hatte. Zwei «Fronten» entstanden, auf der einen Seite die Roten, auf der anderen die Braunen. Weil die rote Gandria die Lieblingskuh von Sohn Matthias ist, schlug er sich auf die Seite seiner Mutter. Tochter Tamara hingegen mag die braune Kuh Amsel und spannte mit ihrem Vater zusammen.

«Das ergibt im Stall oft lustige Geschichten», erzählen die vier fröhlich. «Wir ziehen einander oft auf und heben natürlich die Vorteile unserer Rasse hervor.» Matthias zum Beispiel ist stolz auf die Zuchtfamilie von Gandria mit fünf Töchtern. Gispel war 2014 an der Tier und Technik und wurde dort ausgezeichnet.

Auf Vollweide ausgerichtet

Und verschmitzt sagt er: «Wenn Papa im Sommer tagsüber auf dem Wisfleck bei den Melkkühen ist, können wir hier unten mit den Galt- und Kalberkühen alles so machen, wie wir es wollen.» Tamara mag die Braunen, weil sie Amsel seit ihrer Geburt begleitet und sie sogar gemeinsam mit ihrem Bruder an einem Jungzüchterwettbewerb als Kälbchen vorgeführt hat. Kathrin tendiert zu beiden Rassen.

Der Betrieb der Branders ist 30 Hektaren gross, liegt in den Bergzonen I und II (zwei Drittel) und erstreckt sich von 750 bis auf 1050 Meter über Meer. Zu den 35 GVE gehören 25 Kühe, davon zwei Drittel Fleckvieh, also 16 Stück. Ausgerichtet ist der Betrieb auf Vollweide. Das ist wichtig, wenn Branders von ihren Grundsätzen erzählen. «Wir wollen eine gesunde Wirtschaftlichkeit», sagen sie. «Das kann uns das Swiss Fleckvieh am besten bieten. Sie sind kleiner als die Braunen und verwerten das Futter besser. Zudem sind sie lauffreudiger, fressen mehr und geben mehr Fleisch.»

Braunen tragen Schellen

Wichtig ist ihnen auch, dass die Roten seit Jahrzehnten stabil sind in der Zucht und viel Sicherheit bieten. Als Resultat bringen die Roten im Stalldurschnitt 7500 kg Milch mit gutem Gehalt, die Braunen 6800 kg.

Das alles bedeutet nun nicht, dass Branders schon bald den ganzen Betrieb auf das Fleckvieh umstellen. «Die Braunen gehören schon aus Tradition zum Betrieb. Unsere A-Linie zum Beispiel ist über 40 Jahre alt. Das geben wir nicht einfach auf. Zudem sind die Braunen auf der Weide jene Kühe, die die Schellen tragen.»

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