Samstag, 23. Januar 2021
03.12.2015 15:48
Niederlande

Die schwimmende Kuh-Farm

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Von: Reto Blunier

In den Niederlanden wird derzeit eine schwimmende Farm gebaut. Es handelt sich um einen Prototypen. Auf dem „Bauernhof auf dem Wasser“ werden ab August 2016 rund 60 Kühe leben. Mit Umfrage

Es handelt sich hierbei um keinen Scherz. Im ehemaligen Hafengelände von Rotterdam zieht das Jungunternehmen Floating Farm derzeit den wohl ersten schwimmenden Bauernhof der Welt hoch. Dies berichtet die deutsche Zeitung „WirtschaftsWoche“. Der Prototyp kostet rund 2 Millionen Euro (rund 2,2 Mio. Fr.), finanziert wird dieser mit privaten Mitteln. Beratend beim Projekt wirkt auch Alexander van der Lely, CEO von Lely, mit.

Kühe auf dem Oberdeck

Das sich verknappende Ackerland ist einer der Gründe für den Bau der Farm. „Zudem ziehen immer mehr Menschen in Städte an den Küsten“, erklärt Peter van Wingerden, Gründer und CEO von Floating Farm. Die Bauernhöfe sollen gemäss seiner Idee dort gebaut werden, wo die Menschen leben. Dies vor allem deshalb, um die Transportwege kurz zu halten. Und weil der Boden in der Stadt teuer ist, bleibt nur das Wasser als Alternative für das Errichten eines schwimmenden Bauernhofes.

Die schwimmende Farm wird auf einem 1200 Quadratmeter grossen Ponton errichtet. Das entspricht etwa der Grösse eines Eishockeyfeldes. Die 60 Kühe werden auf dem Obergeschoss, überdeckt mit einem Glasdach, einquartiert. Mittels Kunstrasen und echten Bäumen soll den Tieren eine naturähnliche Umgebung simuliert werden. Die Ausscheidungen der Tiere sollen gesammelt werden und der Biogasanlage, die Strom und Wärme produziert, als Rohstoff zugeführt werden. Das Schliessen der Kreisläufe ist das erklärte Ziel. Doch hier muss das Unternehmen noch weiter Forschung betreiben. Zu Beginn wird die Gülle vorderhand auf dem Festland ausgebracht, heisst es auf der Website des Unternehmens. Zusätzliche Energie wird auf dem Dach mittels Solarzellen produziert.

1500 Kilo Milch pro Tag

Das Trinkwasser für die Tiere soll teilweise über das Regenwasser generiert werden. Ein Teil des Futters wird im Untergeschoss produziert. Dort wird Gras, welches mit LED-Lampen beleuchtet wird, angebaut. Gras alleine dürfte aber zur Versorgung der 60 Tiere nicht ausreichen. Im Untergeschoss wird zudem die Verarbeitungsanlage für die Milch untergebracht. Gekühlt wird diese mit dem Wasser des Flusses Maas. Ganz autark wie sich das die Promotoren wünschen, kann die Farm also (noch) nicht betrieben werden.

Ziel ist es, ab August 2016 täglich 1500 Kilo Milch zu produzieren. Das sind rund 25 Kilo pro Tier. Auf der schwimmenden Farm werden nur zwei Arbeitskräfte benötigt. Das Melken übernimmt ein Roboter, auch das Misten wird einem Reinigungsroboter überlassen. Dass die Kühe auf der Farm seekrank werden, glaubt Peter van Wingerden nicht. Die Farm sei artgerecht, erklärt der Niederländer. Pro Tier seien rund 15 Quadratmeter eingerechnet. Dies sei mehr als in den meisten Ställen.

Das Unternehmen will in einem ersten Schritt Butter, Rahm, Magermilch, Trinkmilch, Rohmilch und Käse anbieten. Zum Hof gehört zudem ein Laden. Die Anwohner können sich zwischen 9 und 17 Uhr mit Produkten eindecken. Ausserhalb der Öffnungszeiten kann an einem Automaten Milch bezogen werden. Zudem soll es die Artikel auch bei ausgewählten Lebensmittelgeschäften zu kaufen geben.

Auch für Hühner- und Gemüsefarmen geeignet

Der Prototyp bildet in den Augen des Holländers erst der Anfang. Er ist überzeugt, dass mit 40 schwimmenden Farmen die 620‘000 Einwohner von Rotterdam versorgt werden könnten. Agrarökonom Roel Jongeneel von der Uni Wageningen findet den Ansatz innovativ. Die Farm könnte aber ein Imageproblem haben. Konsumenten würden Kühe mit natürlicher Umgebung, also Grasen auf der Weide, verbinden.

Van Wingerden lässt sich davon nicht beirren. Er denkt bereits daran, das Projekt zu erweitern. Das Konzept lasse sich auf Hühner- und Gemüsefarmen übertragen, zeigt er sich überzeugt. Seine Farmen liessen zudem sich überall bauen, wo es geeignete Gewässer gäbe.

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