20.11.2014 09:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchproduktion
«Die Technik ist nur ein Puzzleteil»
Wer einen Melkroboter kauft, wird vom Hersteller geschult. Trotzdem können Probleme mit dem Kuhverkehr oder der Eutergesundheit auftauchen. Diese will der Strickhof mit einer unabhängigen Beratung lösen.

«Kein Pilot kann ohne Ausbildung einen modernen Düsenjet fliegen, wenn er bisher nur im Cockpit eines Propellerflugzeugs gesessen hat.» Lukas Rediger vom Fachbereich Milchproduktion des Strickhofs in Lindau braucht das Bild des Piloten, um die Umstellung vom Melkstand zu einem Melkroboter zu illustrieren. «Auch bei dieser Umstellung muss der Bauer geschult werden.»

Fragen zum Roboter

Obschon alle Roboterhersteller ihre Kunden beim Kauf eines automatischen Melksystems unterstützen, verzeichnet Rediger eine zunehmende Nachfrage nach einer unabhängigen Melkroboterberatung: «Seit 2009 bieten wir eine Rindvieh-Spezialberatung mit mehreren Betriebsbesuchen pro Jahr an», belegt er seine Aussage. «Bei dieser werden immer wieder Probleme und Unsicherheiten im Umgang mit dem Roboter angesprochen.»

Auch bei der regulären Beratungstätigkeit seien Fragen zum Roboter an der Tagesordnung, «und der Arbeitskreis Melkroboter des Strickhofs stiess auf sehr grosses Interesse». Der Berater führt das darauf zurück, dass bei der Umstellung vom Melkstand auf das automatische Melksystem ein komplexes Gefüge verändert wird: «Die Technik ist nur ein Puzzleteil. Tier, Maschine und Mensch stehen in einer Dreiecksbeziehung. Veränderungen in jeder Ecke haben Auswirkungen auf das ganze System. Justierungen können nötig sein.»

Melken muss schönes Erlebnis sein

Darauf habe man reagiert: «Wir bieten Robotermelkern eine produktunabhängige Unternehmensberatung an, die nicht nur die Technik umfasst.» Die funktioniere bei den Anbietern mehrheitlich gut. «Hingegen tauchen oft Fragen zur Eutergesundheit auf, oder der Tierverkehr funktioniert nicht wie gewünscht.»

Für den Berater ist klar: «Man muss der Kuh Gründe geben, den Roboter aufzusuchen.» Das Melken muss also ein schönes Erlebnis sein, oder es muss eine Belohnung geben. Wenn man in der Melkstation zu wenig Kraftfutter gibt, oder wenn es oft Probleme beim Anhängen der Zitzen gibt, sinkt für die Kuh die Attraktivität des Roboters. Daraus kann sich schnell ein Teufelskreis entwickeln. Lässt sich die Kuh weniger oft melken, so frisst sie auch weniger, gibt in der Folge weniger Milch und sucht deshalb den Roboter seltener auf.

Konstantes Futterangebot

«Genauso wichtig wie die Anzahl der Melkungen pro Tag – etwa 2,5 sollten es sein – ist, dass sie regelmässig erfolgen», ergänzt Rediger. «Die Regelmässigkeit ist ein Plus des Melkstandes. Bei der Umstellung auf das automatische Melken muss man darauf hinarbeiten, dass sie sich wieder einstellt.» Dazu gehört, dass man an den Melkberechtigungen für eine Kuh keine grossen Änderungen vornimmt, aber auch, dass das Futterangebot im Tagesverlauf nicht schwankt, sei es wegen ungleichmässiger Vorlage im Stall oder wegen des Weidegangs. Dann drängen alle Kühe gleichzeitig zum Melken, und die rangtiefen müssen zu lange warten. Die Folge sind Euterprobleme und eine Milchleistung, die tiefer ausfällt als erhofft.

Dass bei der Umstellung auf den Roboter die Zellzahlen kurzfristig um bis zu 40 Prozent ansteigen und stärker schwanken können, hat Rediger mehrfach beobachtet. Wer schon im Melkstand an der oberen Grenze ist, läuft deshalb Gefahr, nach der Umstellung in einer Kontrolle hängen zu bleiben.

Nach zwei Jahren schauen

Ein weiteres Thema, mit dem der Strickhof-Berater oft konfrontiert wird, ist die Wirtschaftlichkeit automatischer Melksysteme: «Die Auslastung ist auf vielen Betrieben der Knackpunkt. Je mehr man melken kann, desto besser.» Dazu müssten aber genug Kuhplätze vorhanden sein, so Rediger. «Hat ein Landwirt Ja zum Roboter gesagt, sollte er diese Zahl mittelfristig optimieren.»

Bevor ein Landwirt Ja zum Roboter sagt, rät Rediger ihm, sich bei Berufskollegen umzuschauen, die schon länger automatisch melken: «Erst nach rund zwei Jahren hat sich das System eingespielt. Zudem sollte man die Anlagen verschiedener Hersteller anschauen und auch nachfragen, wie der Service abläuft und wo die Stärken und Schwächen liegen.»

Beim Service zeigten sich teilweise grössere Unterschiede zwischen den Anbietern als bei der Technik, findet Rediger, und meint abschliessend: «Ein guter Unternehmer  – und das ist der Bauer — braucht mehrere Informationsquellen. Eine davon wollen wir sein, und zwar als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu den Melktechnikanbietern.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE