18.07.2018 18:04
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Graubünden
Doch wieder Hornkühe auf der Alp?
Die Alpgenossenschaft Tamins GR hat per Mehrheitsentscheid beschlossen, dass heuer keine Hornkühe gesömmert werden dürfen. Dieser Entscheid wirft hohe Wellen. Das deutsche Fernsehen interessiert sich für den Fall. Armin Capaul droht mit einer Anzeige. Macht die Genossenschaft den Entscheid rückgängig?

Dass der Entscheid für so viel Unruhe sorgt, hat die Alpgenossenschaft Tamins wohl nicht erwartet. Per Mehrheitsentscheid wurde beschlossen, dieses Jahr Kühe mit Hörnern nicht zu sömmern. Die Landwirte befürchten, dass sich behornte Kühe im engen Warteraum vor dem Melkstand verletzten könnten.

Entscheid kritisiert

Ein Leserbriefschreiber in der Zeitung «Südostschweiz» kritisierte den Entscheid gegen Hornkühe als rechtlich fraglich. Im Gesetz über das Alp- und Weidwesen der Gemeinde Tamins werde kein Unterschied zwischen Kühen mit und ohne Horn gemacht. Ob eine Kuh gesömmert werden dürfe, hänge vielmehr davon ab, ob sie mit auf Gemeindegebiet geerntetem Futter gewintert worden sei.

Daniel Roffler, selber Alpmeister für das Jungvieh und die Mutterkühe, muss eine seiner Kühe im Tal lassen. Noch letztes Jahr waren mehrere behornte Tiere auf der Alp.  Doch wie vielerorts seien diese halt in der Minderzahl, deshalb sei man zu diesem Entscheid gekommen, heisst es auf Anfrage von «Schweizer Bauer». «Einem Mehrheitsbeschluss muss man sich beugen», sagt Roffler.

Hornkühe diskriminiert

Bergbauer und Hornkuh-Initiant Armin Capaul missfiel der Entscheid der Alpgenossenschaft deutlich. «Das ist für mich, wie wenn Behinderte nicht mehr Zug fahren dürfen», sagte er gegenüber der «Südostschweiz». «Ich reiche vermutlich eine Strafanzeige ein», sagte Capaul zum Newsportal Nau. Der Entscheid der Alpgenossenschaft Tamins stehe rechtlich auf wackligen Füssen. Hornkühe würden diskriminiert, betont er.

Der Bündner Bauernverband spricht von einem Einzelfall. Man sehe keine Tendenz, dass bald nur hornlose Kühe auf die Alp dürften, erklärt der Verband gegenüber Nau.

ARD will von Alp berichten

Wie der «Blick» am Mittwoch berichtet, interessiert sich auch die TV-Station ARD für den Fall. «Diesen Donnerstag kommt ein Team, um mit mir zusammen die Alp anzuschauen», sagt Capaul. So setzt er noch mehr Druck auf die Alpgenossenschaft auf.

Er setze sich für die Rechte der Kühe ein. «Ich habe mit einem Rechtsanwalt Kontakt aufgenommen, und der wartet nur darauf, die Strafanzeige gegen die verantwortliche Gemeinde einzureichen», hält er gegenüber «Blick» fest. Capaul kritisiert die Argumentation der Alpgenossenschaft. «Mal ist es der Platz, mal ist es zu gefährlich, Kühe mit Hörnern zuzulassen. Dann haben mal nur 71 Kühe Platz auf der Alp, dann wieder 75.»

Gemäss Capaul ist die Alpgenossenschaft von ihrer Entscheidung nicht mehr restlos überzeugt. Sie überlege sich, das Verbot rückgängig zu machen.  «In diesem Fall würde ich von einer Anzeige absehen», macht Capaul deutlich.

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