9.04.2019 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Milchvieh
Dominanz von Nordamerika beunruhigt
Markus Gerber, Präsident von Swissherdbook, ging in seiner Rede auf die Wichtigkeit des eigenen Zuchtprogrammes ein.

Matthias Schelling, Direktor von Swissherdbook, blickte an der Delegiertenversammlung von Dienstag im Kursaal Bern auf ein «sehr erfreuliches Geschäftsjahr 2018» zurück. Die guten Bestandeszahlen und das dadurch bedingte wirtschaftlich gute Jahr erlaubte es, den Mitgliedern auf die Dienstleistungen im 2. Semester 2018 einen Rabatt von insgesamt rund 10 Prozent zu gewähren.

Dominanz Nordamerikas

Markus Gerber, Präsident von Swissherdbook, zeigte sich in seiner Rede ob der Abhängigkeit von grossen internationalen Besamungszentren beunruhigt. Vor allem bei der Rasse Holstein sei die genomische Dominanz Nordamerikas gross. Gerber, der am kommenden Freitag an der Europameisterschaft in Libramont richten wird, sprach die aktuelle internationale Situation bei der Stierenproduktion an: «Der Vertrag, der jeden männlichen oder weiblichen Nachkommen mit einem hohen genomischen Wert reserviert, ähnelt mehr der Sklaverei in der Zucht als einer Partnerschaft zwischen der KB-Organisation und dem Züchter.»

Mit Swiss Fleckvieh und Simmental habe Swissherdbook zwei einheimische Rassen mit grossem Potenzial, die es erlauben würden, solche Einflüsse aus dem Ausland zu vermeiden. Für die Holsteinrasse hat Gerber folgende Lösung: «Für sie ist es unerlässlich, ein Rot-Schwarz-Programm zu führen, um unsere Unabhängigkeit gegenüber der Vorherrschaft der grossen internationalen Akteure bewahren zu können.» Der Fortbestand eines eigenständigen Zuchtprogrammes liegt auch Christoph Böbner, Direktor von Swissgenetics, auf dem Herzen. Denn nicht alle Zuchtprogramme würden wie wir auf die raufutterbetonte Kuh setzen, sagte Böbner, der heute Mittwoch 100 Tage im Amt steht.

Red Holstein rückläufig

Mit 90'249 weiblichen Herdebuchtieren ist die Rasse Red Holstein bei Swissherdbook mit insgesamt 235'060 Herdebuchtieren zahlenmässig die grösste Rasse. Sie steht aber laut Direktor Matthias Schelling unter grossem Druck und verliert vor allem zugunsten der Rasse Holstein. Das wird sich in Zukunft nicht rasch ändern. Die Anzahl registrierter RH-Kälber im Milchjahr 2017/18 ging auf 25'606 Tiere und um 2,5 Prozent zurück. Dieser Trend müsse gebremst werden, indem in Zukunft  geeignete Stiere angeboten würden, sagte Schelling.

55 Jahre im Einsatz

34 Vollzeitstellen macht der Personalbestand bei Swissherdbook aus. Weitere 105 Vollzeitstellen machen die 1326 Milchkontrolleure aus. Mit dem  Dienstjubiläum für 50 Jahre Milchkontrolle wurden Bernard Brunner, Sornetan BE; Christian Gerber, Les Reussilles BE; Gottfried Käser, Alchenstorf BE und Marie Scheidegger, Häusernmoos BE geehrt. Francis Desarzens, Baulmes VD; Joseph Gogniat, Epiquerez JU; Otto Leuenberger, Rüegsbach; Michel Turin, Romanel-sur-Morges VD; Fritz Wenger, Süderen BE, und Paul Zurbrügg, Achseten BE, sind bereits 55 Jahre als Milchkontrolleur unterwegs.  

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