6.08.2018 16:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Forschung
Durchbruch gegen Euterentzündung
Bisher galt die Bekämpfung des Erregers Staphylococcus aureus bei Milchvieh als schwierig. Nun haben Agroscope-Forscher den Schlüssel für ein wirkungsvolles Vorgehen gegen das Bakterium gefunden.

Es handelt sich um einen neuen Gentest, mit dem die Milch einzelner Kühe einfach und günstig getestet werden kann. Andres als bei herkömmlichen Tests mit Bakterienkulturen ist dafür kein speziell geschultes Personal nötig. Eine Feldstudie hat gezeigt, dass der Gentest problemlos während des Melkens angewendet werden kann. Das Resultat liegt nach einem Tag vor, wie es in einer Mitteilung der Forschungsanstalt Agroscope vom Montag heisst.

Das erlaubt es, ganze Herden vom Erreger zu befreien, der bei Kühen zu Euterentzündung führt. Die Studie zeigte, dass alle Betriebe saniert werden können, unabhängig davon, ob sie grosse oder kleine Herden haben, unabhängig von der Rasse und vom Melksystem. Innerhalb von 9 Monaten waren sämtliche Betriebe erfolgreich saniert, auch solche, bei denen mehr als 40% der Kühe GTB-positiv waren. In den Testbetrieben wurden die gesunden Tiere vor den infizierten gemolken und die Melkmaschine zweimal täglich gründlich gereinigt. Kranke Kühe wurden gezielt mit Antibiotika behandelt. Einige Tiere, die nicht behandelt werden konnte, mussten geschlachtet werden. Alle 19 Testbetriebe konnten saniert werden.

Zentral war dafür die monatliche Milchuntersuchung jeder Kuh und deren Einteilung in «GTB-frei», «GTB-unklar» und «GTB-infiziert» mit entsprechender Melkreihenfolge. Zusätzlich wurde die Melkanlage zweimal täglich nach Herstellerangaben gereinigt. Die kranken Tiere wurden gezielt mit Antibiotika behandelt, wobei die Antibiotikawahl primär aufgrund von genomischen Untersuchungen der in den Keimen vorhandenen Antibiotikaresistenzgene vorgenommen wurde. So konnten 93% der GTB-infizierten Kühe erfolgreich behandelt werden, auch ältere, was ein wesentlicher Fortschritt darstellt.

Inzwischen ist bereits ein Sanierungsprojekt im Tessin angelaufen, wo Staphylococcus aureus besonders verbreitet ist. Bisher hat sich der Erreger insbesondere über die Alpbetriebe ausgebreitet, wo Tiere aus verschiedenen Herden zusammenkommen. Dieses Jahr werden auf den beteiligten Alpen nur gesunde Tiere gesömmert. Dank des Gentests konnten infizierte Kühe vorher zuverlässig identifiziert werden.

Der für Kühe problematische Stamm von Staphylococcus aureus ist für Menschen grundsätzlich nicht gefährlich. Allerdings können hitzeresistente Gifte, die das Bakterium in der Milch bildet, zu Bauchschmerzen, Schwindel, Durchfall und Erbrechen führen.

Ein Problemkeim

Der Erreger Staphylococcus aureus GTB ist in der ganzen Schweiz – mit regionalen Unterschieden – verbreitet und erzeugt eine Entzündung im Kuheuter. Am häufigsten davon betroffen sind Alpbetriebe, da hier oft Herden von verschiedenen Betrieben zusammenkommen und die Kühe in zufälliger Reihenfolge gemolken werden. Entsprechend einfach kommt es so zu einer raschen Verbreitung. Das Bakterium hat zudem die Fähigkeit, über das Euter in die Milch zu gelangen und so im Käse unter bestimmten Bedingungen die hitzeresistenten Enterotoxine zu bilden. Diese können beim Menschen zu Bauchschmerzen, Schwindel, Durchfall und Erbrechen führen. Eine qualitativ hochstehende Milch ist daher besonders für die in der Schweiz traditionell übliche Verkäsung von Rohmilch zentral. Agroscope

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