24.06.2015 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Holstein Awards
Ein Jahr voller Überraschungen
Die Familie Hochuli züchtet schon seit Ende der 1970er-Jahre Holsteinkühe. Die funktionellen und wirtschaftlichen Merkmale wie Euter, Fundament und Persistenz gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Die Männer hören alle auf den Namen Sämi, schon seit drei Generationen. Das laufende Jahr sei ein Jahr der Überraschungen, geben Vater und Sohn Hochuli zu verstehen.  «Angefangen hat dies kurz nach Neujahr, als die Nachricht uns überraschte: ‹Ihr seid Meisterzüchter 2015›», so Sämi der Älteste, der vor zwei Jahren den Langacherhof an die nächste Generation, seinen Sohn Sämi und Andrea, weitergegeben hat.

Schauerfolge

An der Aargauischen Eliteschau, der einzigen Schau, wo Hochulis Kühe zu bewundern sind, war Hokue, wie der Herdenname lautet, der zweitbeste Aussteller. Zwei dritte und ein zweiter Abteilungsrang haben dazu den Ausschlag gegeben. Die viertlaktierende Hokue Jerry Sara EX 91 war die Bestrangierte. Aller guten Dinge sind drei: An der Auktion Rot und Schwarz im April in Brunegg löste Hokue Talent Bionda mit 5100 Franken das zweithöchste Gebot. Doch das sind nicht Dinge, mit denen man als Meisterzüchter punktet. Aber Dinge, die das Ziel und die Ausrichtung der Hochuli-Zucht verkörpern: die leistungsfähige und problemlose Kuh.

Schaukuh nicht prioritär

«Eine Kuh muss dir gefallen, deshalb ist es wichtig, dass sie ein gutes und gesundes Euter hat und ein funktionelles Fundament, womit sie sich im Stall und auf der Weide gut bewegen kann. Eine Schaukuh ist in Ordnung, aber nicht das prioritäre Ziel», fasst der Betriebsleiter seine Vorstellungen zusammen. Die Kühe müssten nicht zu gross sein, 150 bis 155 cm Widerristhöhe reichten vollkommen. «Funktionelle Merkmale wie Persistenz oder Eutergesundheit werden immer wichtiger», ist Hochuli überzeugt. Deswegen lege er auf das Merkmal Milchcharakter wenig Gewicht in der Anpaarung. Kühe müssten solid sein und gut altern.

Ein Beispiel gefällig? Schillview Oman Gerard. «Eigentlich habe ich O-Man nie eingesetzt wegen der Euterqualitäten. Aber die Gerard-Töchter funktionieren, sie geben gut und gerne Milch und haben beste Euter», so Hochuli. Er ging nicht immer mit dem Mainstream. Goldwyn und Shottle  setzte er nicht ein. «Goldwyn war mir zu scharf, und Shottle nicht zu brauchen, war ein Fehler.» Gute Ergebnisse liefert jedoch Shottle-Sohn Shout, den er mit Gerard vergleicht. Auch Planet-Söhne, allen voran Observer oder Mr. Sam, passen in sein Konzept.

Vorsichtig mit Genomics

Was sagt Hochuli zu Genomics? «Das ist eine gute Sache, wird aber meiner Ansicht nach oft falsch genutzt. Stiere breit einsetzen, von denen die Grossmütter noch keine Milch gegeben haben und die Grossväter noch keine Töchter in Milch haben – das führt zu Enttäuschungen», argumentiert er. Dennoch kommen genomische Vererber sowie gesextes Sperma gezielt zum Einsatz. Unter den Rindern gibt es McCutchen- und Liquid-Gold-Töchter. Schon fünf 100000er-Kühe standen im Betrieb. Die sechste ist kurz davor. Bauer Sämi hinterfragt: «Ist die 100000er-Kuh das Ziel? Lieber 5- bis 6-mal problemlos kalben und jedes Jahr 10000 kg Milch geben.» Sorgen macht dem Junglandwirt die Zukunft als Milchbauer. «Die AP-Begleitmassnahmen können Betriebe wie den unseren zunichtemachen.» Teamarbeit ist wichtig. Die beiden Frauen helfen mit Begeisterung mit. Und der 3-jährige Sämi meint: «Sicher wird i Puur!»

Der Langacherhof

Der Betrieb mit dem Herdenpräfix Hokue liegt auf 470 m ü. M. an der Staffeleggstrasse in Küttigen bei Aarau. Die rund 80 Holsteinkühe im 2006 erstellten Boxenlaufstall weisen einen Herdenschnitt von 10826 kg mit 3,9% Fett und 3,2% Eiweiss auf. Die Aufzucht ist zum Teil auf einen Betrieb im Dorf ausgelagert. Das Milchlieferrecht beträgt rund 800000 kg und wird über Mimo als A- und B-Industriemilch vermarktet. Die Fläche umfasst  40 ha LN, davon 15 ha Dauergrünland, 7ha  Silomais und 4 ha Futterweizen, 9 ha Kunstwiesen und 5 ha Ökoflächen.

 

Holstein-Awards: Die Anforderungen

Jährlich werden 0,2 Prozent der Holstein-Herdebuchzüchter als Meisterzüchter ernannt. Um berücksichtigt zu werden, müssen innert 16 Jahren mindestens 80 weibliche Tiere aus Paarungen im eigenen Betrieb registriert werden. Für jede Kuh werden Punkte aus Leistung, Eiweiss und Einstufung vergeben. Die nominierten Züchter weisen den höchsten Punkteschnitt pro Tier aus. Der Titel Meisterzüchter kann  nach  15 Jahren ein weiteres Mal vergeben werden. Die Holstein Awards Switzerland mit weiteren Preisübergaben finden am 4. Juli in Saignelégier JU statt.

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