7.06.2017 15:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Red Holstein
Ein Leben mit vielen Titeln
Seit 2010 steht Flavia, die Incas-Tochter, im Rampenlicht. Sie hat sogar zwei Mal an der Swiss Expo gewonnen.

Es ist ein warmer Frühlingstag im Mai. Die Kühe von Familie Gobeli sind zum ersten Mal auf der Weide. So auch Flavia, welche im Besitz von Erich Zingre ist. Für den Fototermin hat sie kaum Zeit, denn nun ist Grasen angesagt. Obwohl Flavia im Herbst bereits zehnjährig wird, gibt sie sich sehr jugendlich. Eines ist klar: Auch im Gras zeigt sich die Schau-Diva von der eleganten Seite.

Ein Leben voller Titel

Die Zeit der Teilnahme an Viehschauen für die Incas-Tochter ist abgelaufen. Erich Zingre wird sie nicht mehr präsentieren: «Irgendwann ist Schluss, und mit dem zweiten Swiss-Expo-Titel konnten wir auf dem absoluten Höhepunkt ein Zeichen setzen.» Vielleicht, wenn sie bei Gesundheit bleiben würde, könne er sein «Schätzeli» an der Jubiläumsschau 2018 in Gstaad präsentieren, sagt er.

Gezüchtet wurde Flavia von Ueli Josi, Wimmis. Als Erstlings-Kuh kaufte sie Erich Zingre, und seither hält er die Kuh im Stall von Alex Gobeli in Gstaad. Zingre ist bei Gobeli angestellt, zudem haben sie eine Tierhaltergemeinschaft. Die VSA-Schau im Frühling 2010 in Thun war die erste Ausstellung, welche Flavia bestritt. Sie entschied ihre Klasse für sich. Im gleichen Jahr gewann sie an der Red-Holstein-Night in Burgdorf.

Wille der Kuh

Insgesamt wurde Flavia an 20 grösseren Anlässen ausgestellt, mit Ausnahme der Europaschau in Colmar entschied sie sämtliche Kategorien für sich. An zwölf Ausstellungen gewann sie gar einen Titel. «Das ist absolut unbeschreiblich für mich, einmalig, grossartig», schwärmt Zingre. «Wir haben ganz grosses Glück.» Zingre ist sich bewusst, dass eine derart erfolgreiche Kuh absolut einmalig ist. «Da ist viel Drum und Dran, sei es der perfekte Platz bei Gobelis in der neuen Scheune, eine jahrelange optimale Betreuung durch Markus von Känel sowie der Wille der Kuh», erklärt Zingre.

Nie zu träumen gewagt

Auch die Swiss Expo, an welcher die Incas-Tochter vier Mal teilnahm, hat eine grosse Bedeutung: «Diese Ausstellung ist schon ganz speziell. Hier ein zweites Mal einen Titel zu gewinnen, ist eine besondere Zugabe, von welcher ich nie gewagt habe zu träumen.» Obwohl alles perfekt war und Zingre mit seiner Flavia nicht mehr Erfolge hätte feiern können, ist die Lust an den Ausstellungen vergangen: «Die Motivation hat unter der momentanen Situation gelitten.»

Flavia ist nicht nur schön, sie hat auch viel geleistet. Mit einer Lebensleistung von rund 66'000 Kilogramm Milch und Gehalten von 4,11 Prozent Fett und 3,22 Prozent Eiweiss ist sie eine sehr wirtschaftliche Kuh. Besonders bemerkenswert sind ihre Nachkommen.

Zehn Nachkommen

2012 wurden aus Flavia Embryos gespült. Bis heute hat sie zehn Nachkommen, hundert Prozent sind weiblich. Fünf Töchter sind in Laktation. «Alles sind wirtschaftlich starke Kühe, welche vielversprechend sind», gibt sich Zingre zufrieden. Allen voran die erstlaktierende Absolute Flower. Sie hat an der Eliteschau in Bern 2017 in ihrer Kategorie gewonnen. Der Gstaader zeigt sich optimistisch: «Für mich hat sie das Potenzial, in die Fussstapfen ihrer Mutter  treten zu können.»

Erich Zingre ist sich bewusst, dass der Besitz einer solchen Kuh auch viel Neid hervorruft. «Damit muss man umgehen können, schlussendlich will jeder gewinnen, sonst würden keine Ausstellungen existieren.» Schlussendlich überwiegt aber klar das Positive. «Ich durfte viele interessante Persönlichkeiten kennenlernen, gute Beziehungen sind entstanden, sowohl im Inland wie auch im Ausland», freut er sich.

Optimale Euterfüllung

Dass es nebst dem vielen Glück auch Pech gibt, kennt Zingre zur Genüge. Beispielsweise gebar Flavia ein rotes Armani-Kuhkalb mit einem offenen Rücken. Doch davon mag er nicht erzählen. Vielmehr vom kommenden Alpsommer, wo sämtliche Kühe aus dem Stall von Alex Gobeli auf die Alp Hinter Wallig auf 1730 Meter über Meer gesömmert werden. Auch auf eine positive Zukunft von Flavia hofft er: «Einige Jahre mit ihr zu gehen, wäre schön, und natürlich weitere gesunde Kälber.»

«Das Euter von Flavia war an keiner Ausstellung überladen», gibt Zingre ein klares Statement ab. Er wäre sofort eingeschritten, wenn seine Helfer das Mass nicht gekannt hätten. «Die Vorbereitung für eine Ausstellung ist aufwändig, wir haben zu Hause die optimale Euterfüllung ausgetestet und alles genau beobachtet», so Zingre. Er findet die momentane Situation frustrierend. Klar hätten es einige übertrieben, der Medienaufschrei komme nicht von ungefähr. «Schade, dass es schwarze Schafe gibt! Wir sitzen schlussendlich alle im gleichen Boot», so der Gstaader. 


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