4.05.2016 08:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Braunvieh
«Ein Präsident muss beide Seiten kennen»
Braunvieh Schweiz schlägt Reto Grünenfelder als neuen Präsidenten vor. Dieser hat eine facettenreiche Beziehung zum Braunvieh. Und er ist von den Stärken und dem Potenzial der Rasse überzeugt.

Im November tritt Markus Zemp als Präsident von Braunvieh Schweiz zurück. Als sein Nachfolger schlägt der Vorstand Reto Grünenfelder vor – einstimmig, wie er in einer Mitteilung betont. «Die Tatsache, dass der Vorstand geschlossen hinter mir steht, hat mich schlussendlich dazu bewogen, als Präsident zu kandidieren», betont Grünenfelder.

«Ein solches Amt ist immer auch eine Bestätigung für die geleistete Arbeit.» Trotzdem sei der Entscheid für die Kandidatur nicht von heute auf morgen gefallen. «Das ist ein Prozess. Ich habe nunmehr während fast einem halben Jahr Pro und Kontra abgewogen.»

Braunvieh in Sargans

Dass Reto Grünenfelder für die Aufgabe das nötige Rüstzeug mitbringt, steht ausser Zweifel. Er kennt sowohl die braune Kuh im Stall wie auch Braunvieh Schweiz in Zug in allen Facetten. Aufgewachsen ist er auf einem Betrieb mit Original Braunvieh in Sargans SG. «Da wir sieben Geschwister waren, stellte sich die Frage nicht, ob ich Bauer werden will», blickt Grünenfelder zurück.

Deshalb wählte er den Weg an die ETH, wo er Agronomie studierte und während Praktika bei Swissgenetics und Braunvieh Schweiz sowie mit seiner Diplomarbeit über Paarungsplanung auch die theoretische Seite der Viehzucht kennenlernte. «Damals merkte ich, dass mir dieses Gebiet speziell gut gefällt», begründet Grünenfelder seinen Werdegang, der ihn über eine Zwischenstation bei der Agridea zum landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen führte. Seit 1990 arbeitet er dort als Tierzuchtlehrer, zuerst in Flawil, seit 2000 in Salez.

In dieser Funktion amtet er auch als Geschäftsführer des St.Galler Braunviehzuchtverbandes, in dem 22 Prozent aller Schweizer Braunviehkühe vereint sind. «Seit 2006 bin ich als Vertreter des Kantons St.Gallen im Vorstand von Braunvieh Schweiz, seit 2014 Vizepräsident», erzählt Grünenfelder weiter. Da er selber keine Kühe habe, sei er nie Einzelmitglied im Verband gewesen.

Beide Seiten kennen

Diese Tatsache führt zur Frage, ob der Präsident eines Viehzuchtverbandes selber einen Betrieb führen und Kühe halten sollte, wie das bei den anderen Zuchtorganisationen der Fall ist. Grünenfelder meint dazu: «Wichtig ist in erster Linie, dass ein Präsident beide Seiten, die theoretische und die praktische, kennt.» In erster Linie sei Braunvieh Schweiz schliesslich für die Milchviehhalter da.

Und für diese, davon ist Grünenfelder überzeugt, macht die Mitgliedschaft Sinn: «Die Resultate der Leistungsprüfung sind für die züchterische Arbeit von grosser Bedeutung. Fütterung und Eutergesundheit können nur optimiert werden, wenn die nötigen Labordaten vorliegen. Diese liefert die Milchleistungskontrolle. Zudem bieten wir mit dem Marktplatz im Bruna Net eine Plattform für den Zuchtviehverkauf.»

Sinkende Anzahl Herdebuchtiere

Der künftige Präsident betont, dass die Mitglieder für den Verband zentral sind: «Die Zucht kann nur effizient vorangetrieben werden, wenn für Zuchtwertschätzung und Nachzuchtprüfung genügend Tiere und Daten vorhanden sind.»  Bei den Herdebuchtieren kämpft Braunvieh Schweiz – ausser beim Original Braunvieh – wie  andere Zuchtverbände gegen rückläufige Zahlen.

«Bei den jetzigen Verhältnissen im Milchmarkt haben alle Milchviehrassen ein Problem», bedauert Grünenfelder. «Der tiefe Preis forciert den Ausstieg aus der Milchproduktion.» Die Umstellung auf Mutterkuhhaltung sei im Berggebiet, wo besonders viele Braunviehkühe gehalten werden, noch schneller ein Thema als im Talgebiet. «Zudem haben wir beim Braunvieh die grösste Anzahl Gebrauchskreuzungen, wodurch die Anzahl Aufzuchtrinder sinkt.»

Rasse mit Vorzügen

Dem möchte Grünenfelder mit Spermasexing und der genomischen Selektion Gegensteuer geben, denn er ist von den Vorzügen der braunen Kuh überzeugt: «Wenn Braunvieh als kleine Rasse sich bisher neben der Weltrasse Holstein behaupten konnte, muss sie  spezielle Vorzüge haben. Und das hat sie auch. Braunvieh ist alptauglich, langlebig, robust, gibt käsereitaugliche Milch, kalbt leicht ab, hat gute Fundamente und Klauen und ist hitzetolerant. Letzteres wird angesichts des Klimawandels immer wichtiger. Ich bin überzeugt, dass sich Braunvieh als mittelrahmige Raufutterkuh mit guter Milchleistung behaupten wird.»

Die Braunviehzüchter dürfen in seinen Augen also stolz sein auf ihre Rasse. «Der Grosserfolg der Schweizer Delegation an der Europaschau in Mende (F) mit dem Europameistertitel für Plantahof’s Zeus Palma war ganz wichtig fürs Selbstvertrauen der Braunviehzüchter und für die Genetikexporte», findet er denn auch.

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