14.03.2018 06:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz
Viehzucht
Eine edle Herde auch ohne Schaukühe
Die Interessengemeinschaft (IG) Neue Schweizer Kuh hielt ihre Generalversammlung am Plantahof in Landquart GR ab. Nicht von ungefähr – der Plantahof setzt bei seiner Grünlandherde vermehrt auf den Swiss Index.

In seinem Testament im Jahre 1895 vermachte Rudolf Alexander von Planta seinen Gutshof in Landquart dem Kanton Graubünden mit der Auflage, dass dort stets eine «edle Herde Braunvieh» zu halten sei. Diesem Auftrag kommt der Plantahof auch heute noch nach.

Zwei Herden im Vergleich


Lange Zeit wurde die Plantahofherde in eine Teilherde mit und eine ohne Kraftfutter unterteilt. Neu seien es eine Leistungsherde mit rund 30 Kühen und eine Grünlandherde mit etwa 50 Kühen, berichtet Peter Küchler, Direktor des landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums. Damit soll den verschiedenen Produktionsbedingungen in den Tal- und Bergbetrieben Rechnung getragen werden.

Die Grünlandherde unterscheidet sich nicht nur in der Fütterung von der Leistungsherde, sondern auch in der Zucht. Das Zuchtziel der Grünlandherde ist eine kleine bis mittelgrosse, raufuttereffiziente, sehr gesunde und damit langlebige Kuh, hält Rolf Hug, Leiter des Gutsbetriebes, fest. Das entspricht den Zielen der IG.

Es ist keine Schaukuh

Während in der Leistungsherde stark auf Milchleistung gezüchtet wird, achten Hug und Tierzuchtlehrer Marcel Wipfli bei der Stierenwahl vor allem auf gute Zuchtwerte bei den Fitnesseigenschaften und die Grösse. Zuchtziele sind eine Widerristhöhe von 135 bis 145cm, eine Nutzungsdauer von über fünf Jahren, ein Milchgehalt von über 4% Fett und schliesslich ein guter Charakter. Zwölf verschiedene Stiere haben die Züchter letztes Jahr in der Grünlandherde eingesetzt, darunter Arrow und Simbaboy.

Brunello Unke mit ihrem Kalb Haegar Guarda wird als gutes Beispiel präsentiert, das dem Zuchtziel entspricht. «Es ist keine Schaukuh», nimmt Hug vorweg. Auch betreffend Leistung zählt sie nicht zu den Top-Kühen. Im Zuchtwert (ZW) Milch liegt sie unter dem Schnitt, aber in den ZW Zellzahl und Gehalt darüber. «Wir wollen vor allem auf gute Euter züchten», fasst es Wipfli zusammen. Im Rahmen dürfen die Kühe kleiner sein, aber es geht auch nicht darum, etwas Extremes zu züchten. «Das Gesamtpaket muss stimmen», betont er. Auch auf das Verhalten der Kuh legen die Züchter Wert. «Sie ist immer die Erste im Melkstand und sie weidet hervorragend», fügt der Tierbetreuer Marco Eggenberger den Zahlen hinzu.

Herdenbesichtigungen für die Mitglieder

Die IG ist bis jetzt ständig leicht gewachsen. Sie zählt 39 aktive Mitglieder, davon 34 Landwirte. Gemäss Martin Huber, Präsident der IG und Direktor des BBZ Arenenberg, hat die Vision einer neuen Schweizer Kuh nicht nur bei Züchtern Anklang gefunden, sondern auch in der nichtlandwirtschaftlichen Presse und sogar im Fernsehen. Im Vordergrund der IG steht die robuste, mittelgrosse Herdenkuh mit etwas weniger Milchleistung pro Laktation als bei Spitzenkühen, aber mit besseren Fitnesseigenschaften wie Fruchtbarkeit, Eutergesundheit und mit vitaleren Kälbern.

«Die IG Neue Schweizer Kuh strebt keine Zweinutzungskuh an» hält Huber fest. «Sie züchtet nicht auf Fleischleistung, sondern einzig auf nachhaltige Milchleistung.» Vereinfacht gesagt geht es für alle Rassen um einen wirtschaftlichen Kuhtyp für die grundfutterbasierte Milchproduktion. Dass IG-Betriebe wirtschaftlich produzieren, zeigt ein erster Vergleich der Deckungsbeiträge pro Kilo Milch zwischen IG-Betrieben und Vergleichsbetrieben. Die GV wählte Toni Bläsi aus Härkingen als neues Vorstandsmitglied. Die Zuchtwertberechnungen der IG stehen allen Züchtern offen; jeder kann sie nutzen. Doch Mitglieder haben Vorteile. «Wir machen Herdenbesichtigungen», hob Martin Huber hervor. 2018 werden im Juni Herden im Emmental besichtigt. mg www.swiss-cow-index.ch

 

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