1.04.2018 10:03
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Fütterung
Emd statt Heu zum Frühlingsgras
Heuer braucht es Geduld, bis die Kühe erstmals auf die Weide können. Wenn es so weit ist, sollte man die Umstellung von der Winter- auf die Sommerration gut planen – und den Pansenmikroben drei Wochen Zeit geben.

«Obwohl letztes Jahr viel Dürrfutter geerntet wurde, sind die Heustöcke langsam, aber sicher leer», schätzt Hansueli Rüegsegger, Milchviehspezialist bei der UFA, die Situation ein, die allerdings regional sehr unterschiedlich sei (siehe Kasten). «Die Futterlager waren voll, aber weniger dicht, und die Kühe haben gut gefressen.» 

Nicht nur wegen den leeren Scheunen: Ende März warten viele darauf, die Kühe endlich auslassen zu können. Damit sollte man möglichst früh beginnen. Ein kurzes Überweiden der Flächen ist nicht nur für die Wiesen, sondern auch für die Kühe sinnvoll. Rüegsegger erklärt: «Die Pansenmikroben brauchen mindestens drei Wochen Zeit, sich von einer Winterration auf die Sommerration mit Gras umzustellen.» 

Kein Zuckerüberschuss

Zusätzlich zur Umstellung der Pansenmikroben hat die Übergangsfütterung auch das Ziel, dünnen Kot zu vermeiden. Ökoheu als Ergänzung zum Weidegras würde sich theoretisch eignen.

Das Problem: In der Praxis fressen die Kühe zu wenig davon, wenn sie auf der Weide viel gefressen haben – und wenn sie auf der Weide nur wenig Gras finden und im Stall nur Öko bekommen, fällt die Milchleistung in den Keller. 

Zweiten Schnitt wählen

Dürrfutter vom ersten Schnitt wird hingegen  gern gefressen. Aber, so Rüegsegger: «Heu hat oft einen hohen Zuckergehalt, genau wie das Frühlingsgras vom ersten Aufwuchs. Die grosse Menge an schnell verfügbarer Energie führt zu Durchfall. Besser, man füttert gut strukturiertes Emd vom zweiten Schnitt, das hat weniger Zucker, oder entsprechende Raufutterergänzungswürfel.» 

Die schnell abbaubare Energie muss im Stall mit schnell abbaubarem Eiweiss ergänzt werden. Wenn noch stärkereiche Maissilage in der Ration ist, kommt dieser Ergänzung eine noch grössere Bedeutung zu. «Eine kleereiche Grassilage reicht nicht, um das Eiweissmanko auszugleichen», betont Rüegsegger. «Zudem hat eine kleereiche Silage zu wenig Struktur.»

Magnesium Mangelware

Frühlingsgras ist nicht gleich Frühlingsgras. Je sonniger das Wetter, desto mehr Zucker wird im Gras gespeichert. In jedem Fall aber hat der erste Aufwuchs im Schnitt einen Drittel weniger Magnesium als die folgenden Aufwüchse, und die Absorptionsrate von Magnesium liegt unter 20 Prozent.

Hinzu kommen laut Rüegsegger eine  höhere Passagerate, die die Magnesiumaufnahme   reduziert, und ein Kaliumgehalt, der die Magnesiumaufnahme ebenfalls hemmt. «Um der Weidetetanie vorzubeugen, ist ein Mg-reicher Mineralstoff mit entsprechend Kalzium absolut nötig.»

 

Es ist April und die Wiesen werden sogar in den tiefsten Lagen erst langsam grün. Wie sieht es da mit dem Futtervorrat in den Scheunen und Silos aus? Der «Schweizer Bauer» hat bei der Firma Melior nachgefragt. 

Die Einschätzung aus der Westschweiz kommt von Frédéric Deillon, Regionalleiter West: «Je nach Situation sind genügend Vorräte vorhanden, vereinzelt wird das Futter aber  knapp bis sehr knapp – vor allem in mittleren Lagen, wo der Schnee lange liegt. Die Winterfütterungsperiode auf den Grünlandbetrieben hat im letzten Herbst früher begonnen und wird später enden.» Hansueli Brügger, Aussendienstmitarbeiter im Berner Oberland der Meliofeed AG, schätzt die Grundfuttervorräte vor allem in höher gelegenen Standorten allgemein als knapp ein. Dies vor allem wegen dem späten Frühling: «Spürbar ist dies am Raufutterhandel, welcher in den letzten Tagen extrem angezogen hat.» Anders beurteilt Walter Loppacher, Aussendienstmitarbeiter   in der Ostschweiz,   die Situation in seinem Gebiet: «In der Ostschweiz ist grundsätzlich genügend qualitativ hochwertiges Raufutter vorhanden.» Weniger rosig sieht Otto Brändli, Aussendienstmitarbeiter  in der Region Nordostschweiz, die Lage: «Im Mittelthurgau sind die Vorräte an Raufutter gering.» sum

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