8.02.2019 19:02
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Viehzucht
Er züchtet Kühe, die funktionieren
Drei Zuchtbetriebe, drei Geschichten. Der «Schweizer Bauer» und schweizerbauer.ch haben die «einflussreichsten Holstein- und Red Holstein-Züchter der letzten 25 Jahre» besucht. Im zweiten Teil bringen wir Euch den Besitzer der «Castel»-Herde und Mitgründer der Swissbec-Gruppe, Michel Castella, näher. -> mit Video

Bei der Anfahrt für den Betriebsbesuch ist das Zuhause der «Castel»-Herde in Sommentier FR schon von weitem erkennbar – ein grosses Plakat mit Castel James Jolie, Weltsiegerin 2011, schmückt die Maschinenhalle. Ein Besuch beim passionierten Züchter, der nach Jolie viele weitere Erfolge zu verzeichnen hat, ist es jedenfalls wert. 

Seine Genetik ist hoch im Kurs

In den vergangenen Jahrzehnten standen immer wieder KB-Stiere mit dem Präfix «Castel» im Angebot. Obschon im genomischen Zeitalter die Züchter weniger Stiere an KB-Organisationen verkaufen können, trifft dies für Michel Castella nicht zu. Der Rotfaktorstier Castel Bad steht aktuell bei den Züchtern hoch im Kurs. In der Swissgenetics-KB-Hitparade belegt er bei den Holsteinstieren Platz Nr. 2. Wie hat es Michel Castella geschafft, diesen Wandel in der Zucht erfolgreich zu meistern?

Genomik: «Warum sollte ich es nicht nutzen?»

Die Antwort des Holstein Meisterzüchters von 2016 überrascht: «Ich habe eigentlich gar nicht viel anders gemacht als früher.» Die Stierenproduktion sei ihm schon immer wichtig gewesen. Er habe immer eine Kuh züchten wollen, die überall funktioniert. Castella betreibt keine «Extremzucht», sondern selektiert die Stiere nach guten Eutern, Becken, Milchleistung und Milchgehalten. Entsprechend hoch resultieren bei seinen Tieren die Gesamtzuchtwerte (ISET). 

Neuste Entwicklungen nutzte er rasch als Werkzeug, so auch die genomische Selektion. «Für mich gab es keinen Grund, weshalb ich mich der genomischen Selektion nicht stellen sollte.» So werden sämtliche Jungtiere genotypisiert und als Mitgründer der Gruppe Swissbec feiert er international grosse Erfolge. Verantwortlich dafür sind Stiere wie Swissbec Brekem, Swissbec Power, Swissbec Pat oder Swissbec Jackpot PP. 

Die Nominierten 

Das Magazin Holstein International nominierte weltweit 100 Betriebe unter dem Titel «Die einflussreichsten Züchter der letzten 25 Jahre.» Darunter sind drei Betriebe aus der Schweiz zu finden. Es sind dies «Hellender» von Andreas und Thomas Ender aus Kallern AG, «Castel» von Michel Castella aus Sommentier FR und «Plattery» von Christian Menoud aus Romanens FR.

Vom Schauring verabschiedet

Mit Castel James Jolie, die alles gewann was es zu gewinnen gibt, züchtete Castella «eine Kuh ohne Fehler», wie er selbst sagt. «Schon vor über 20 Jahren wollte ich das Modell einer Kuh ohne Fehler züchten. Mit Jolie ist es mir gelungen», sagt der Züchter. Doch vom Schauring hat er sich mittlerweile verabschiedet: «Die Diskussionen rund um die Tiervorbereitung haben mir die Motivation genommen, selbst Tiere auszustellen. Bis vor ein paar Jahren war das anders.» Trotzdem hoffe er, dass es mit den Ausstellungen weitergeht. 

Er sah Potenzial in Rot

Ursprünglich hatte Castella ausschliesslich Holsteinkühe mit schwarzer Fellfarbe im Stall. Doch vor zehn Jahren investierte er in rote Genetik. Für ihn ist nur die Farbe anders: «Das sind genau die gleichen Holsteinkühe, einfach in Rot.» Und mit roter Genetik sah er Potenzial in der Schweiz. Zurückblickend lag er mit dem erkannten Potenzial zu 100 Prozent richtig. Aus importierten Demello-Embryonen mit der roten Vidia Mr Burns Miss-ET als Mutter, wurde im Jahr 2011 Vidia Demello Ravisante geboren. 

«Ravisante gab uns all das, was wir in Rot suchen und ich bin froh, diese Investition gemacht zu haben», freut sich Castella. Mit einer Mogul-Spülung wurde das Projekt erfolgreich weiterentwickelt. Castel Mogul Tabasco war der erste Stier aus Ravisante, der auf den Markt kam. Aus einer Tabasco-Vollschwester züchtete Castella den Bankroll-Sohn Castel Bad, der wie bereits erwähnt bei den Züchtern grossen Anklang findet.

Der Holstein-Meisterzüchter bewirtschaftet in der Bergzone I 32 ha Grünland, hält 35 Holsteinkühe und 45 Stück Jungvieh im Laufstall. Die durchschnittliche Milchleistung beträgt 10337 kg Milch bei 3,87% Fett und 3,33% Protein. Jährlich werden 305000 kg Milch für die Gruyère-Produktion abgeliefert.

Ravisante

«Ich habe bereits zehn Kälber von Bad und bin wirklich begeistert von ihnen», schwärmt er. Und wie geht es Ravisante? Castella fragt selbst: «Sieht sie als achtjährige Kuh in der sechsten Laktation nicht super aus?» Die Antwort auf diese Frage kann man nicht verneinen. Während dem Betriebsbesuch weilt Ravisante in einer tiefeingestreuten Einzelbox. Schliesslich hat sie erst gestern ein Kuhkalb geworfen – ein Kuhkalb von Swissbec Jackpot-PP. 

Im «Schweizer Bauer» vom 9. Februar erfahren Sie mehr über den Betrieb «Castel Holstein» und über die Gruppe Swissbec. Zudem gibt Michel Castella als Holstein-Meisterzüchter Management-Tipps.

Zuchterfolge

Nachfolgend eine Auswahl an Zuchterfolge von «Castel Holstein»:

Kühe:
1991 bis 1993: Castel Express Lucarne: Schöneuterchampion / Reserve Grand Champion Expo Bulle
2004 bis 2006: Castel James Fleur: Zahlreiche Siegertitel und Topklassierungen in der Schweiz, Deutschland (Oldenburg) und Frankreich (Epinal).
2008 bis 2011: Castel James Jolie: Mehrfacher Grand Champion und Schöneuterchampion an der Swiss Expo und der Expo Bulle / Europasiegerin in Italien (Cremona) / Weltsiegerin.

Stiere:
1993: Castel Riostar (Blackstare - Reliance)
1995: Castal Altaï (Grand - Reliance)
1997: Castel Broklin (Jolt - Lincoln)
2003: Castel Itter (Igniter - James)
2013: Castel Tabasco (Mogul - Demello)
2016: Castel Bad (Bankroll - Mogul)
Viele weitere verkaufte Stiere an KB-Organisationen

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