20.08.2013 17:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Franz Seefried
Braunvieh
Erbfehler beim Braunvieh - BH2 testen, Kälberverluste senken
Es gibt Gen- oder Haplotypenkombinationen wie BH2, die nicht reinerbig vorkommen. Tiere, welche diese Kombinationen reinerbig haben, sind vermutlich nicht überlebensfähig. Nun hat Braunvieh Schweiz reagiert.

Dank der genomischen Zucht existiert  ein Routinesystem für   SNP-Untersuchungen. Neben der Verwendung der SNP (Single Nucleotid Polymorphism) für den genomischen Zuchtwert können damit weitere Auswertungen gemacht werden. Auf diesem Weg wurde ein SNP-Test, der sogenannte BH2-Test, entwickelt, um Risikopaarungen zu vermeiden. Züchter können von einem tieferen Anteil Totgeburten und weniger Aufzuchtverlusten profitieren.

Auf Chromosom 19

Grundlage für den Test sind 22 SNP auf Chromosom 19. Hermann Schwarzenbacher von der  ZuchtData Wien beobachtete, dass eine spezielle Kette (ein  Haplotyp) dieser 22 SNP unter den Genotypen von Deutschland und Österreich nie reinerbig (homozygot) vorkommt. Treten homozygote Tiere viel seltener auf als erwartet oder fehlen ganz, liegt der Verdacht für einen rezessiven Erbfehler nahe. Reinerbige Tiere am Defekt-SNP haben bei einem rezessiven Erbfehler keine bzw. kaum Überlebenschancen.

Analysiert wurden der Anteil Totgeburten und die Abgangsdaten. Dabei wurde in die beiden Kategorien «Kalb aus Risikopaarung» bzw. «Kalb aus Nicht-Risikopaarung» unterschieden. Bei einer Risikopaarung sind  der Vater des Kalbes und der Muttersvater Träger des BH2-Haplotypen (Tabelle 1). Solche Kälber haben eine erhöhte Totgeburtenrate (7,8 Prozent) und bis 30 Tage nach Geburt eine deutlich erhöhte Abgangsrate (14 Prozent).

Nicht lang überlebt

Auch unter den Schweizer Tieren war der BH2-Haplotyp extrem selten. Nur zwei  aller genotypisierten Tiere waren reinerbig. Rund 10 Prozent  wurden als mischerbige Trägertiere identifiziert. Eines der beiden homozygoten Kälber verendete vor der Identifikation des Haplotypen. Das zweite Kalb war noch am Leben, zeigte aber eine zurückgebliebene Entwicklung. Es wurde   für weitere Abklärungen an die Universität Wien gebracht, wo es nach einigen Wochen und mehreren Infektionen (Lungenentzündung, Durchfall) eingeschläfert wurde.

Das Erbgut des Kalbes wurde sequenziert. So wurde ein neuer und vielversprechender SNP innerhalb der Region des Haplotypen als mögliche Ursache (Defekt-SNP) identifiziert. Nach wie vor unklar sind die Hintergründe, die zum Tod der homozygoten BH2-Kälber führen. Nach dem bisherigen Stand deutet alles auf einen unspezifischen Krankheitsverlauf hin.

Verdacht nicht belegt

Da homozygote Kälber nicht überleben, muss von einem rezessiven Gendefekt ausgegangen werden. In den nächsten Wochen sollen aus laufenden Risikopaarungen weitere homozygote Kälber identifiziert werden, um den verdächtigen SNP zu bestätigen. Solange der  verdächtige SNP nicht validiert wurde, ist der BH2-Test ein Haplotypen-Test. Er ist sehr genau, ausgehend von einer 50K-Untersuchung. Bei einem BH2-Test, ausgehend von einer LD-Untersuchung, werden aber 18 Prozent fälschlicherweise als frei deklariert. Möglicher Ursprung für BH2 ist der 1963 geborene  US-Stier Rancho Rustic My Design. Das Original Braunvieh ist nach bisherigen Kenntnissen frei von BH2.

Massnahmen von Braunvieh Schweiz

  • Sämtliche Trägerstiere werden mit dem Kürzel BH2   gekennzeichnet.
  • BH2 wird gleich behandelt wie der Erbfehler SMA: Junge Trägerstiere werden nicht für den KB-Einsatz  zugelassen.
  • Braunvieh Schweiz  wird Massnahmen unterstützen, um weitere Erkenntnisse über BH2 zu gewinnen. Betriebe mit bevorstehenden Geburten  aus Risikopaarungen  wrden angeschrieben, damit die Kälber typisiert werden können. Reinerbige BH2-Kälber werden für weitere Abklärungen angekauft.
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