14.08.2013 10:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Rudolf Haudenschild
Milchkühe
Erbschwäche: Stiere Besne Buck und Shottle als Träger erkannt
Genomics erhöht zwar die Inzuchtgefahr, bietet aber auch Vorteile, weil Erbschwächen schneller entdeckt werden.

Man kann von Genomics halten was man will, die Zucht kommt an ihr aber nicht mehr vorbei. Sie ist zwar eine Gefahr für eine Blutverengung mit Inzuchtdepressionen unter den genomisch am stärksten zeichnenden Linien und Vererbern. Sie ist aber auch eine einmalige Chance, Erbschwächen zu erkennen und unter Beachtung der Mendelschen Gesetze in der Zucht gezielt auszumerzen und so die Rasse langfristig zu stärken.

Haplotypen entdeckt

So wurden vor einem Jahr erstmals Haplotypen (Genabschnitte) in der Holsteinrasse entdeckt, die die Fruchtbarkeit herabsetzen.  Den Forschern ist nämlich aufgefallen, dass Stiere mit verminderter Fruchtbarkeit ihrer Töchtern gleiche Genabschnitte aufweisen, die aber immer nur auf einer Seite der Erbsubstanz auftauchen (heterozygot). Dies obwohl sie theoretisch auch reinerbig auftauchen müssten.

Da diese Haplotypen aber tatsächlich nie reinerbig auftauchen, kommen offenbar solche reinerbigen Kombinationen gar nie zur Welt. Damit sind diese Haplotypen erkannt als Letalfaktoren, die reinerbig zu einem frühzeitigen Embryonaltod führen. Solche Genabschnitte konnten in Untersuchungen immer auf einen bestimmten Vererber der Rasse zurückgeführt werden, bei dem eine solche Mutation erstmals auftrat. 

Proteinsynthesefehler

Meistens bewirkt eine solche Mutation, dass ein lebenswichtiges Protein nicht mehr richtig hergestellt werden kann (analog einem groben Fehler in einem Strickmuster), so dass es bei Reinerbigkeit zum embryonalen Frühtod und zu Fruchtabgang innerhalb von 60 Tagen führt. Heterozygot werden solche Faktoren meist unbemerkt über Generationen weitergegeben.

Wenn die Genfrequenz in einer Population dank beliebten Vererbern mit dieser Mutation stark steigt, sinkt die beobachtete Fruchtbarkeit durch das vermehrte Zusammentreffen des Erbfehlers von beiden Elternteilen.

Shottle mit HH5...

So geschehen auch beim Stier Picston Shottle (MtotoAerostarHH Inspiration). Seine Mutterlinie bekam vor sechs Generationen durch  Thornlea Texal Supreme Anfang der Sechzigerjahre diese Mutation mit. Da die Genfrequenz von Shottle in der Holsteinpopulation nun in kurzer Zeit auf 5 Prozent gestiegen ist, wurde eine Abnahme der Konzeptionsrate bei Trägern dieses Haplotypen HH5 um 3,5% festgestellt.

... und Besne Buck mit HH4

Gleiches gilt für den französischen Holsteinstier Besne Buck (HH StarbuckRoybrook StarliteAstronaut). Über seine beliebten Söhne Jocko Besne und andere (harte Fundamente, drüsige Euter) wurde in Frankreich seine Genfrequenz und damit auch ein von ihm verbreiteter Erbfehler, der die Fruchtbarkeit mindert, Haplotyp HH4 genannt, auf 7,2% gesteigert. Die Konzeptionsrate solcher Haplotypen liegt im Durchschnitt ebenfalls rund 3% tiefer.

Haplotypen HH1 bis HH3

Bereits im «Schweizer Bauer» vom 8. Oktober 2011 berichtete der Schreibende über die erstmals entdeckten Fruchtbarkeitsverminderer HH1, Quelle Pawnee Arlinda Chief; HH2, Quelle Willowholme Mark Anthony; und HH3, Quelle Glendell Arlinda Chief. Diese Haplotypen wiesen damals eine Frequenz von ebenfalls gegen 5% auf und beeinflussten die Konzeptionsrate um über minus 3 Prozent.

Publikation

Ab der nächsten Zuchtwertschätzung vom 13. August wird Holstein USA (www.holsteinusa.com; Pedigree Information/ Genetic Codes/Traits) die Träger der fruchtbarkeitvermindernden Haplotpen HH 1 bis HH5 veröffentlichen. Der Viehhalter muss dann nur schauen, dass mögliche Träger in seiner Herde mit diesen Vorvätern in der Abstammung nicht nochmals mit einem Trägerstier angepaart werden. So kann er sich künftig schadlos halten und die Vorteile dieser starken Holsteinvererber weiterhin für sich nutzen.

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