11.11.2017 17:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Künsch
Viehzucht
Erfolg – aber nicht um jeden Preis
Im Laufe seiner 25-jährigen Arbeit als Bauer und Züchter konnte Fritz Wittwer auf schöne Zuchterfolge zurückblicken. Trotzdem steht er dem heutigen Trend an Viehschauen teils kritisch gegenüber.

Die Herbstsonne zaubert kräftige Farben auf den Kehrhof, den idyllischen Pachtbetrieb im luzernischen Oberkirch, Blick auf den Sempachersee inklusive. Seit nunmehr 20 Jahren  lebt Fritz Wittwer mit seiner Frau Edith und den beiden Söhnen auf dem Gut mit 220 Mastschweinen und 40 Red-Holstein- und Holstein-Kühen. Im schönsten Emmentaler Dialekt erzählt der 55-jährige Mitbegründer des Viehzuchtvereins Sursee – plus aus seinen Erfahrungen als selbstständiger Bauer, Viehzüchter und Schauexperte und bald wird klar, bei welchem Thema sein Herz einen Takt schneller schlägt. «Die Atmosphäre an Viehschauen ist unvergleichlich. Es kribbelt im Bauch, jeder will gewinnen und das Beste aus seinen Tieren hervorholen.»

Bereits als Jungzüchter habe er als Richter an einigen Schweizer Ausstellungen teilgenommen, Schaurichterkurse absolviert und als Melkbarkeitsprüfungsexperte gearbeitet. «Eine tolle Zeit mit vielen schönen Erfahrungen», gerät er ins Schwärmen. Wenn auch nicht mehr als Juror, so engagiert sich der Viehzüchter zum 10-Jahre-Jubiläum des Viehzuchtvereins Sursee sowie  als OK-Präsident der Viehschau von gestern  Freitag in der Chommle Gunzwil.

Bedenkliche Bilder

«Leider ist zu beobachten, dass heute, um Spitzenplätze zu erreichen, Mittel eingesetzt werden, die nicht mehr vertretbar sind», ist Wittwer überzeugt. «Die Kuh verändert sich nicht in dem Masse, wie die Milchleistung herbeigezüchtet wird.» So seien es zum Teil bedenkliche Bilder von schmalen, substanzlosen Tieren mit riesigen Eutern, die sich an Viehschauen präsentierten.

Dem setze sich eine vermehrte Nachfrage nach mittelgrossen, robusten Milchkühen mit guter Milchleistung entgegen. «Bauern wollen kein Ausstellungsvieh mehr züchten, sondern legen wieder mehr Wert auf funktionelle Merkmale wie Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und gesunde Fundamente. Natürlich liegt die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, aber nicht auf Kosten der Tiergesundheit», der Drang nach Wachstum und Gewinn sei enorm und somit auch der Druck auf die Produzenten, bedauert Wittwer.

Fachwissen  wichtig

Für seinen Betrieb vertraut der gebürtige Emmentaler auf seine Erfahrung und sein Fachwissen. «Ich lasse mir nichts aufschwatzen.» Trotz seinem leidenschaftlichen Engagement für die Viehzucht wünschte sich  Fritz Wittwer mehr Zeit für seine Hobbys. Seit einem Jahr bildet er keine Lehrlinge mehr aus, und somit ist die Arbeit auf dem Hof nicht weniger geworden, obwohl einer seiner Söhne an drei bis vier Tagen die Woche auf dem Hof zur Hand geht. «Kalbert eine Kuh, kann man nicht einfach weg, obwohl man sich schon lange zum  Voraus für eine Preisübergabe angemeldet hat.»

Die Präsenzzeit habe sich durch die Automatisierung im Stall nicht verringert, im Gegenteil, man verbringe noch mehr Zeit in Stall und Büro, denn es könne nur geschultes Personal eingesetzt werden.  Zur Hand geht ihm dabei seine Frau Edith, welche nebenbei noch Kinderbetreuung auf dem Bauernhof anbietet.

Nächste Generation

Als eines von sechs Kindern selber auf einem Bauernhof aufgewachsen, hofft Wittwer den Pachtbetrieb dereinst an seinen Sohn, welcher ausgebildeter Landwirt ist, weiterzugeben. «Trotz einer 60- bis 70-Stunden-Woche muss man die nächste Generation für den je länger je anspruchsvolleren Beruf des Bauern motivieren können.

Dann erhofft sich der leidenschaftliche Jodler, Schwingerfreund und Skifahrer auch wieder mehr Zeit für seine Hobbys zu haben. «Es ist wichtig auch mal in einer geselligen Runde abschalten zu können und von anderen Dingen zu sprechen, als nur vom Betrieb.»   Und ja, gerne wieder zusammen mit seiner Frau Edith ein paar schöne Reisen unternehmen, auch das wünscht er sich. 


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