6.08.2016 06:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
Es braucht mehr typisierte Kühe
Werner Bachmann aus Doppleschwand LU lässt seine Kuhkälber typisieren. Die Zuchtverbände möchten, dass es ihm möglichst viele Bauern gleichtun. Sonst könnte der Zuchtfortschritt ins Stocken kommen.

Werner Bachmann bewirtschaftet in Doppleschwand LU einen Braunviehzuchtbetrieb. Er lässt alle seine Kuhkälber typisieren. «Die Viehzucht ist keine kurzfristige Angelegenheit. Man muss Geduld haben, aber mit der Genomik geht es schneller und genauer vorwärts», betont er.

Nur wenig Tiere typisiert

Damit ist er in der Minderheit. Im Vergleich zum Ausland sind in der Schweiz immer noch sehr wenig Kühe typisiert – konkret laut dem Holstein-Newsletter 3149 Braunvieh-, 719 Original-Braunvieh-, 744 Holstein- und RH- und 62 Swiss-Fleckvieh-Kühe. Diese Zahl möchten die Zuchtverbände und auch die Qualitas AG, die in deren Auftrag die Zuchtwerte schätzt, nun steigern. 

«Es muss das Ziel sein, aus der ganzen Population möglichst viele Kühe zu typisieren», betont Jürg Moll von der Qualitas, «nur so kann die Genauigkeit der genomischen Zuchtwertschätzung gehalten oder verbessert werden, obschon es immer weniger nachzuchtgeprüfte Stiere gibt.» Je kleiner die Population, desto wichtiger seien die typisierten Kühe für die Genomik: «Swiss-Fleckvieh- und Original-Braunvieh-Züchter können stark profitieren, doch auch bei Braunvieh und Holstein werden die genetischen Informationen der Kühe wichtiger, weil nur sie nahe genug verwandt sind mit den jungen Genomstieren.»  

Benötigt Anreize

Hinzu komme, dass man typisierte Kühe brauche, um neue Merkmale wie Mastitisresistenz oder Methanemissionen züchterisch rasch bearbeiten zu können. Damit die Züchter wie Bachmann ihre Kuhkälber typisieren lassen, braucht es Anreize – auch wenn die Typisierung den Bauern dabei helfen kann, nur die besten Kälber aufzuziehen.

Braunvieh Schweiz bietet diese Anreize mit dem Eliteprogramm; der Holsteinzuchtverband offeriert seinen Prüfbetrieben neu die  kostenlose Genotypisierung der weiblichen Tiere. Und auch bei Swissherdbook sind diesbezüglich Überlegungen im Gang, wie Direktor Matthias Schelling bestätigt: «Denkbar ist, dass Prüfbetriebe ihre Kuhkälber vergünstigt typisieren lassen können. Vielleicht gehen wir aber noch weiter und bieten den Züchtern sogar aktive Unterstützung an – etwa, indem wir einen Fachmann vorbeischicken, der die Haarproben nimmt.»

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