9.12.2014 10:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Braunvieh
Es kommt eben doch auf die Grösse an
Wie sieht die Kuh der Zukunft aus? Diese und andere interessante Fragen aus Viehzucht und Tierhaltung diskutierten die Referenten und Teilnehmer des Braunvieh-Seminars am Plantahof in Landquart GR.

«Welche Kuh brauchen wir im Jahr 2030?» Mit dieser Frage konfrontierte Moderator Carl Brandenburger die fünf Teilnehmer der Podiumsdiskussion. «Ich will ein starkes Exterieur. Hier ist die deutsche Genetik nicht so stark wie die schweizerische», lautete die Antwort des deutschen Braunviehzüchters Josef Müller. Die deutsche Genetik habe dafür Vorteile bezüglich Leistungssicherheit. Deshalb wolle er die  «deutsche» Milchleistung, aber mit «Schweizer» Exterieur.

1,50 Meter reichen

Zum guten Exterieur gehörten für ihn aber nicht übergrosse Kühe. «Wenn eine Kuh 1,50 Meter gross ist, dann sollte sie auch ein Schweizer Schaurichter mal vorne hinstellen», sagte er in Richtung von Andreas Walser, der nicht nur Präsident von Bruna Grischuna ist, sondern auch ein bekannter Schaurichter.

«Wenn ich wirklich eine Kuh von 1,50 Meter im Schauring habe, die in allen Teilen top ist, dann scheue ich mich nicht, sie vorne hinzustellen», lautete dessen Antwort. Man dürfe aber auch folgenden Sachverhalt nicht vergessen. Eine 1,55 Meter grosse, harmonische Kuh habe eben oft auch absolut ein längeres und breiteres Euter als eine kleinere, betonte er.

Zielkonflikt mit AP 14–17

Dann gebe es noch einen anderen Aspekt: «Bei der Braunvieh-Kuh steht züchterisch die Leistungssicherheit im Vordergrund. Mit mehr Leistung haben wir aber auch grössere und schwerere Kühe.» Dies wiederum sei ein Zielkonflikt mit der von der AP 14–17 angestrebten Extensivierung. 

Auch Matthias Süess, Züchter und Viehhändler, stellt einen wachsenden Einfluss der Agrarpolitik auf die Zucht fest: «Viele passen  ihre Fütterung an das Programm für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF)  an und müssen auch ihre Zucht umstellen.»

Martin Rust, Vizedirektor von Braunvieh Schweiz, sieht ebenfalls einen zunehmenden Einfluss der Agrarpolitik auf Zucht und Produktion: «So dreht sicher der eine oder andere Betrieb an der Schraube, um bei GMF mitzumachen.» Er relativiert aber sogleich: «Wenn man die finanziellen Anreize sieht, dann werden nicht sehr viele ihren Betrieb umstellen.»

Fruchtbar und effizient

Aus wissenschaftlicher Sicht äusserte sich Hermann Swalve, Professor für Tiergenetik in Halle (D), zur graslandbasierten Milchproduktion. Extreme Weidehaltungssysteme wie in Neuseeland seien auf unserem Kontinent kaum denkbar, sondern eine Weidekuh unter europäischen und nordamerikanischen Bedingungen. Und auch die intensive Kuh für die Stallhaltung werde ihre Berechtigung behalten. Unabhängig vom System hält Swalve fest: «Wir brauchen eine Kuh, die gesund und fruchtbar ist und das Futter effizient verwertet.»

Moderator Carl Brandenburger zog ein ähnliches Fazit: «Ich möchte eine stoffwechselelastische Kuh, welche sowohl im Berg- als auch im Talbetrieb funktioniert.»

Mortellaro

Die Mortellaro-Krankheit, in der Fachwelt auch Bovine Digitale Dermatitis (BDD), ist auch im neuen Plantahof-Laufstall angekommen. Gemäss Kaspar Freuler, Leiter Stall und Alpbetrieb, sind seit dem Einzug im neuen Laufstall zwei Kühe an der Klauenkrankheit erkrankt – ein im Vergleich mit anderen grossen Laufstallherden ein tiefer Wert. Und auch am Braunvieh-Seminar war BDD ein Thema. Referentin Kati Schöpke von der Universität Halle (D) stellte Forschungsergebnisse vor. Mortellaro breite sich in Europa von Süd nach Nord aus. Es erstaune deshalb nicht, dass die   Krankheit zum ersten Mal vom Italiener Carlo Mortellaro in den 70er-Jahren beschrieben worden sei. Für  eine Infektion mit BDD gebe es mehrere Faktoren. «Dazu gehören Hygiene und Biosicherheit, dann auch die klimatischen Bedingungen und eine gestörte Hautbarriere», erläuterte sie. Doch auch die genetische Erblichkeit sei höher als bisher angenommen. Demnach könne man auch züchterisch den Hebel in Zukunft besser ansetzen. Leider könne es hier einen Zielkonflikt zwischen der Zucht auf Klauengesundheit und tiefen Zellzahlen geben,  ergänzte Schöpkes Kollege Hermann Swalve. Denn diese Merkmale seien genetisch umgekehrt korreliert. 

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