9.03.2017 13:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Swissherdbook
«Fall Lüthi»: Kein Entscheid der Freiburger
Der Vorstand von Swissherdbook will sein Mitglied Walter Lüthi abberufen lassen. Dieser hatte sich mit Swissherdbook Freiburg zerstritten. Die Berner haben sich am Mittwoch nun hinter Lüthi gestellt. Der Vorstand von Swissherdbook Freiburg hat anlässlich der Delegiertenversammlung kein Entscheid zur Abberufung von Lüthi gefällt. Einige Züchter drohten im Vorfeld mit einem Verbandswechsel.

Der Konflikt innerhalb des Viehzuchtverbandes Swissherdbook schwelt seit vergangenem Herbst. Es gab Differenzen zwischen Swissherdbook Freiburg und dem Dachverband bezüglich Herdebuchberechtigung von Zuchtstieren und der damit verbundenen Bewertung an Zuchtstiermärkten. Die Organisatoren des Zuchtstiermarktes Bulle wollten das seit dem 1. Juli 2016 gültige System der Punktierung nicht umsetzen. Das verärgerte Walter Lüthi.

Freiburger gegen Vereinheitlichung

Die Freiburger hatten vor der Einführung einen Änderungsantrag gestellt, der vom Vorstand abgelehnt worden sei. Die Freiburger lehnten ein eine Vereinheitlichung des Bewertungssystems ab. Die Mehrheit plädierte für ein schweizweit einheitliches System, erklärte Swissherdbook-Präsident Gerber im Januar gegenüber schweizerbauer.ch. Konkret sei es unter anderem darum gegangen, ob nur ein oder zwei Richter die Stiere beurteilen solle, sagte er weiter.

Nach dem Zuchtstiermarkt Bulle 2016 wurde die Verwaltung von Swissherdbook Fribourg zu einer Aussprache mit der Verwaltung von Swissherdbook Zollikofen eingeladen, um Differenzen betreffend Herdebuchberechtigung zu regeln. Hier kam es zum Knall.

Vorstand will Lüthi abberufen

Während der Aussprache zwischen den Vorständen hat Lüthi gemäss Communiqué die Freiburger «eigenmächtig» vor die Tür gewiesen. Die Freiburger beharrten auf ihrem Standpunkt. «Mit diesem Alleingang gegen den Willen aller übrigen Verwaltungsmitglieder hat Walter Lüthi seine Kompetenzen massiv überschritten und unseren zweitgrössten Kantonalverband in unakzeptabler Weise vor den Kopf gestossen», erklärte Swissherdbook Zollikofen (Dachverband) am 10. Januar 2017 in einem Communiqué.

«Sein Handeln und seine fehlende Einsicht haben das Vertrauen der übrigen Mitglieder der Verwaltung gegenüber Walter Lüthi zerstört», heisst es unmissverständlich. Die Verwaltung beantragt deshalb die Abberufung von Walter Lüthi an der Delegiertenversammlung vom 11. April.

Berner wollen Lüthi behalten

Am Mittwoch nun tagten die Delegierten des Bernischen Fleckviehzuchtverbandes. Diese stellten sich aber gegen den Antrag der Abberufung und unterstützen Walter Lüthi. 319 der 406 Delegierten stimmten für den Allmedinger. Der Bernische Fleckviehzuchtverband reicht  folgenden Antrag zu Handen von Swissherdbook ein.

Antrag zu Traktandum 6

1. Die Abberufung während der laufenden Legislatur von Walter Lüthi aus der Verwaltung von Swissherdbook wird vom Bernischen Fleckviehzuchtverband aus demokratischen Gründen nicht unterstützt.

2. Walter Lüthi soll die laufende Legislatur bis 2018 ordnungsgemäss zu Ende führen.

3. Während diesem Jahr kann diese personalpolitische Frage in der Berner Züchterbasis demokratisch aufgearbeitet werden.

4. Der Präsident Niklaus Hofer wird beauftragt, fristgerecht zu Handen der Delegiertenversammlung von Swissherdbook von Dienstag, 11. April 2017, Arena, Kursaal Bern, dieses Vorgehen im Namen des Bernischen Fleckviehzuchtverbandes zu beantragen und zu vertreten.

Freiburger «drohen» mit Verbandswechsel

Gemäss den «Freiburger Nachrichten» hat der Freiburger Verband im Verlauf dieses Streits erwähnt, unter Umständen Swissherdbook allenfalls zu verlassen und sich dem Schweizerischen Holsteinverband anzuschliessen. Dies will der Dachverband verhindern. Denn von den insgesamt 245'000 Herdebuchtieren stammen 30'000 aus Freiburg. Nur Bern hat mehr Tiere.

Roland Rothenbühler, Präsident von Swissherdbook Freiburg, beruhigt die Gemüter. Es hätten nur einige Züchter mit einem Verbandswechsel gedroht, sagte er gegenüber den «Freiburger Nachrichten». Die Freiburger wie der Schweizer Dachverband seien interessiert, einen Kompromiss beim unterschiedlichen Vorgehen der Zuchtstierbewertung zu finden. Verhandlungen sind im Gang. 

Entscheid steht aus

Am Donnerstag haben sich die Delegierten von Swissherdbook Freiburg in Tentlingen getroffen. Markus Gerber, Präsident von Swissherdbook, informierte die Freiburger Delegierten über den Vorfall anlässlich der Aussprache. Das Vorgehen von Lüthi werde vom Vorstand nicht akzeptiert, machte Gerber deutlich. Fragen gab es anschliessend keine von den Delegierten. Erst am Ende der Versammlung wollte Züchter Pascal Vallelian aus La Tour-de-Trême wissen, wie die Meinung des Vorstandes von Swissherdbook Freiburg sei, bzw. wie sie an der Delegiertenversammlung bezüglich der Abberufung von Walter Lüthi stimmen würden.

«Wir vom Vorstand haben uns noch nicht entschieden», sagte Präsident Roland Rothenbühler. Nach der Delegiertenversammlung werde man die Thematik mit Markus Gerner und Ueli Bach, Vorstandsmitglied des Dachverbandes, diskutieren. Ob und wann der Entscheid der Freiburger kommuniziert wird, wurde nicht bekanntgegeben.

Den definitiven Entscheid werden aber erst die Delegierten von Swissherdbook am Dienstag, 11. April, fällen. Die Berner haben dort aber «nur» 42 Prozent der Stimmen.

Swissherdbook vertritt gemäss eigenen Angaben als grösster Rindviehzuchtverband in der Schweiz die Interessen von über 10'500 aktiven Viehzüchtern. Entstanden im Jahr 1890, ist Swissherdbook heute ein Zusammenschluss von Genossenschaften und Vereinen.

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