17.07.2016 06:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl
Holstein
«Galys und Ashlyn waren ganz normale Rinder»
An der Holstein-Europameisterschaft in Colmar (F) triumphierten mit Galys-Vray und Ashlyn-Vray zwei Kühe, die vom gleichen Züchterpaar, Jean-Paul Bichon und dessen Frau Françoise, gezüchtet wurden.

«Schweizer Bauer»: Ihre Frau und Sie haben als Züchter Europameisterin Galys-Vray und Vize-Europameisterin Ashlyn-Vray nach deren Triumph in Colmar gehalten und brausenden Applaus für Ihre Zuchtarbeit geerntet. Was waren Ihre Gefühle in dem Moment?
Jean-Paul Bichon: Es waren grosse Gefühle in dem Moment und eine grosse Freude, die beiden am Halfter zu nehmen. Es war improvisiert. Ich habe Ashlyn-Vray eigentlich nur  aus dem Ring führen wollen. Und dann konnte ich den Ring nicht verlassen, bis die vielen Fotos gemacht waren. Das war ein sehr bewegender Moment.

Haben Sie in dem Moment nicht bedauert, dass Sie die beiden Kühe verkauft hatten?
Nein, ich bedauere das überhaupt nicht. Ich bin sogar sehr glücklich, dass sie in zwei hervorragenden Betrieben stehen, wo sehr gut zu ihnen geschaut wird. Und ich denke, dass dies der beste Weg ist, um für unseren Betrieb Werbung zu machen.

Welches ist das Geheimnis, um eine Europameisterin und eine Europameisterin-Vizechampionne zu züchten? Oder gibt es gar kein Geheimnis?
Wenn es ein Geheimnis gäbe, würde ich es ja wohl nicht verraten (lacht). Nein, ich glaube nicht, dass es ein Geheimnis gibt. Wenn es eines gibt, dann ist es die Aneinanderreihung von guten Anpaarungen, die gut zueinanderpassen. Positive Eigenschaften anpaaren. Dann gibt es gute Kühe.

Waren Galys-Vray und Ashlyn-Vray bereits als Kälber und Rinder aussergewöhnlich? Oder waren sie in der Phase eher normal?
Nein. Galys und Ashlyn waren ganz normale Rinder. Als Ashlyn in der ersten Laktation zum ersten Mal eingestuft wurde, erhielt sie B 84. Man hat sie damals nicht gross beachtet. Nach dem zweiten Kalb ist sie aber förmlich explodiert. Sie hat sich wie verwandelt. Dann haben wir sie nach Spanien verkauft. Und über das, was danach kam, muss ich ja nichts mehr sagen. Galys war schon als Rind besser. Wir sind auch an die eine oder andere Rinderschau mit ihr gegangen. Sie war ein sehr langes Rind mit gutem Fundament, dem es aber an Kapazität fehlte. Deshalb war sie als Rind auch kein absolutes Siegertier. Ich glaube aber nicht, dass aus einem schönen Rind immer eine schöne Kuh wird.

Welchen Typ von Kuh suchen Sie?
Ich liebe die Feinheit, die von Kraft begleitet ist, wie eben bei Galys. Das ist wirklich der Stil von Kuh, den ich suche. Mit guten Beinen, einem sehr guten Euter und einer guten oberen Linie. Auch Ashlyn zeigt den Typ Kuh, den ich möchte.

Ist die Suche nach  guten Stieren  einfacher oder schwieriger geworden?
Es ist schwieriger geworden. Wir haben heute eine kleinere Auswahl an  guten Stieren. Mit der Genomik wird die Auswahl vor allem auch komplizierter. Man muss vor allem mit den Kuhfamilien arbeiten, um seine Auswahl an Stieren zu treffen. Ich finde, dass das die Auswahl stark einschränkt.

Ist die Tatsache, dass die Genomik die Indexzucht eher bevorzugt, ein weiterer Grund, dass es weniger gute und vor allem sichere Typstiere gibt?
Ja, ich denke, dass die Genomik stark den Index bevorzugt. Und das passt nicht zu meiner Zuchtphilosophie.

Typisieren Sie selbst auf Ihrem Betrieb keine Tiere genomisch?
Wir setzen genomische Stiere ein, weil wir quasi dazu gezwungen werden. Es wird wohl eines Tages nur noch genomisch getestete Stiere geben.

Welche Stiere setzen Sie aktuell ein?
Wir brauchen noch immer Goldwyn und seine Söhne wie Atwood und Gold Chip. Dann einige genomische Stiere wie Beamer oder Solomon, von dem ich viel halte.

Aber die Mehrzahl der Besamungen machen Sie mit getesteten Stieren?
Ja, noch immer die Mehrzahl. Aber wir sind etwas verpflichtet, in Richtung genomische Stiere zu gehen. Das sind aktuell vor allem die Söhne von Doorman und McCutchen.

Aber auf weiblicher Seite haben Sie noch keine eigenen Tiere genomisch typisieren lassen?
Nein, ich mache das nicht. Ich hätte das vielleicht bei Vollschwestern wie etwa bei den Schwestern von Galys machen können, um zu wissen, welche die Beste ist. Aber ich habe es bisher sein lassen. Ich vertraue lieber auf meine Intuition.

Sehen Sie keine Vorteile in der Genomik für die Zucht von Schaukühen?
Ich denke nicht, dass die Genomik der Züchtung von Schaukühen entgegenkommt. Ich denke, dass wir deshalb in Zukunft Vorteile der typstarken Kuh verlieren werden, wenn die Genomzucht sich stärker durchsetzt. Die Schaukühe werden sich deshalb in Zukunft mit der Genomik auch verändern.

In welche Richtung denn?
In Richtung von Kühen, die etwas kleiner sind, etwas weniger Kapazität und weniger Finesse haben. Weniger «Chic» einfach. Das wird also vermutlich Schauen geben, die etwas weniger interessant sind.

Zum Betrieb

Vray-Holstein von Jean-Paul und Françoise Bichon in Guérande an der französischen Atlantikküste ist die Heimat der beiden offiziell besten Holsteinkühe Europas. Europameisterin Galys-Vray ist heute im Besitz der Gebrüder Junker, Thomas Staub und Al.Be.Ro., Iffwil, und Vize-Europameisterin Ashlyn-Vray ist im Besitz von Ponderosa Holstein in Spanien.

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