17.12.2018 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Viehzucht
Gefragt ist das Optimum
Thomas Gerber aus Dagmersellen LU gehört zu den einflussreichsten Holstein- und Red-Holstein-Züchtern der Schweiz. Im Beitrag erzählt er von Erfolgsfaktoren in der Milchproduktion. Ihm geht es ums Optimum und nicht ums Maximum.

Thomas Gerber aus Dagmersellen LU, bekannt mit dem Herdennamen TGD-Holstein, machte seine Leidenschaft für die Rindviehzucht zum Beruf und erwirbt sein Einkommen nicht nur mit der Milchproduktion. Pro Jahr vermarktet er rund 100 Tiere der Rassen Red Holstein (RH) und Holstein (HO).

An vorderster Front dabei

Gerber, der sich als RH-Rassenkommissionspräsident bei Swissherdbook und als Vize-Präsident beim Schweizerischen Red-Holstein-Komitee engagiert, hat unter anderen folgende KB-Stiere mit dem Präfix TGD-Holstein gezüchtet: Anarchy Benettoni, Powerball Romanus PP, Airship Clover, Delect Basist und Aikman Snape. 

Die Milchleistung treibt er nicht auf die Spitze. «Ich könnte problemlos im Schnitt 12'000 kg melken», beschreibt Gerber das Potenzial. Das Wichtigste sei aber, dass der Profit aus der Milchproduktion stimmt. Vom Stalldurchschnitt als Mass hält er nicht viel, umso wichtiger ist ihm das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ein Beispiel: «Die Futterkosten liegen je nach Jahr zwischen 21 und 24 Rappen.» Gefragt ist das Optimum. «Ich spare nicht einen Franken, wenn ich zwei Franken verliere. Doch wenn ich einen Franken einsetze, will ich zwei Franken gewinnen.» 

Mit Erfolg ausprobiert

Eine bedarfsgerechte Fütterung hat deshalb für eine gute Gesundheit und Fruchtbarkeit und damit für eine gute Wirtschaftlichkeit oberste Priorität. Die Totalmischration ist über die ganze Laktationsphase auf 34kg Milch ausgerichtet und setzt sich wie folgt zusammen: 20 kg Maissilage, 16 kg Grassilage, 2 bis 3 kg Heu/Emd, 4 kg Biertreber, 1,8 kg Eiweisserbsen und Körnermais gemischt sowie 4 kg Rapsschrot. Auf Sojaschrot wird verzichtet, damit Rapsschrot in grösseren Mengen zu günstigeren Konditionen eingekauft werden kann.

Gerber ist jemand, der nicht auf dem Alten sitzen bleibt: «Meine Motto ist, etwas auszuprobieren.» Und das zahlt sich aus. So habe er mit dem Einsatz von Siliermittel bei der Grassilage viel profitiert. Die Milchleistung sei mit dem Siliermitteleinsatz um fast 1000 kg pro Kuh gestiegen, erzählt er. Der optimale TS-Gehalt der Grassilage liege bei 30 Prozent oder leicht darüber. Gerber setzt aufgrund der besseren Befahrbarkeit auf reine Grasmischungen, die bei Beginn Rispenschieben geschnitten werden.

Stärke als Familienbetrieb

Auf welche Managementhilfsmittel zählt Gerber im Stall? Am wichtigsten sei er als Herdenmanager selber. Da er fast zu 100 Prozent mit den Kühen arbeite, könne er die Gesundheit und die Fruchtbarkeit bei den Tieren laufend beobachten und überprüfen. Als Eigenbestandsbesamer, 40 bis 50 Embryotransfers und 200 Abkalbungen pro Jahr, hat er sich voll und ganz auf die Kuhbetreuung spezialisiert. Gerber hebt die Stärke als Familienbetrieb hervor: «Hier arbeiten alles familieneigene Arbeitskräfte. Alle haben das gleiche Interesse.»

Betriebsspiegel

Thomas Gerber bewirtschaftet den Milchwirtschaftsbetrieb in Dagmersellen LU mit seiner Familie und der Familie seines Bruders Matthias, der sich um die Maschinenarbeiten kümmert und dessen Frau Erika bei den Kühen und Rindern mithilft. Thomas ist fürs Milchvieh zuständig. Seine Frau Christine erledigt unter anderem die Büroarbeiten. Aktuell werden im 2009 erbauten Laufstall gut 100 Kühe gehalten. Pro Jahr werden rund 1,2 Mio. kg Milch vermarktet. Ein grosser Anteil der rund 200 Kälber und Rinder sind auf auswärtigen Betrieben untergebracht. Vater Josef ist für die 600 Mastschweine zuständig, die bald in einem neuen Stall gehalten werden. hal

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