15.04.2019 21:15
Quelle: schweizerbauer.ch - dpa/blu
Deutschland
Geschäft mit kranken Kühen
Brutale Bilder aus einem Schlachthof im deutschen Bundesland Niedersachsen wurden veröffentlicht, Die Vorwürfe lauten Tierquälerei und illegalen Tötungen. Am Leid der Tiere sind nach Ansicht von Tierschützern viele Beteiligte schuld. Der Schlachthof wurde mittlerweile geschlossen.

In Deutschland erschüttern Bilder aus einem Schlachthof die Gemüter. Die Videos zeigen brutale Szenen. Auf Bauernhöfen werden kranke Kühe mit Seilwinden in einen Lastwagen gezerrt. Die hilflosen Tiere bekommen Tritte ab und Stiche mit der Gabel, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

«Kaltblütige Kumpanei»

Anschliessend werden sie in einem Schlachthof malträtiert und getötet. Aktivisten der Organisation Soko Tierschutz haben diese Bilder nach eigenen Angaben über Wochen mit eine versteckten Kamera in einem Schlachtbetrieb in Düdenbüttel bei Stade gedreht. Nun wurde der Schlachthof geschlossen. Die Soko Tierschutz wie auch das Agrarministerium von Niedersachsen haben Anzeige erstattet.

Nun ist zu klären, ob es sich um einen Einzelfall oder um System handelt: Kranke Rinder, deren Fleisch eigentlich nicht verzehrt werden darf, würden in die Verwertung eingeschmuggelt, sind sich die Tierschützer sicher. Sie sehen ein System. Düdenbüttel sei allein in Niedersachsen der vierte Schlachtbetrieb, bei dem Soko Tierschutz solche Praktiken aufgedeckt habe. In jüngsten Fall konnten die Tierschützer die Höfe zu identifizieren, die solche Rinder verkaufen. Zwischen Bauern, Tierhändlern und Schlachtern laufe eine «völlig kaltblütige Kumpanei», sagte Friedrich Mülln von Soko Tierschutz gegenüber dpa.

Für Betriebe ein Geschäftsmodell

«Die Bauern wollen diese Tiere nur loswerden», sagte er. Und für Betriebe wie in Düdenbüttel sei es ein Geschäftsmodell, kranke Rinder zu schlachten. Mit unter der Decke stecken gemäss dem Tierschützer die amtlichen Tierärzte. Sie müssten solche Tiere eigentlich aus dem Verkehr ziehen, kritisiert er.

Ein Landwirt, der kranke Kühe an den Schlachthof lieferte, wurde vom TV-Sender ARD befragt. Dies sei seine Kuh (Bild 2 in Bildstrecke), sagte er. Solche Bilder seien keine Einzelfälle, sagt der Milchbauer. Wenn Tiere nicht mehr laufen könnten, würden sie so verladen. «Dies ist Wirtschaft. Wir wirtschaften», macht er gegenüber dem TV-Sender deutlich.

Bauverband distanziert sich von Praktiken

«Tierwohl und Tierschutz ist für den Deutschen Bauernverband und die Bauernfamilien ein unverzichtbarer Bestandteil nachhaltigen Wirtschaftens. Deshalb distanzieren wir uns klar von tierschutzwidrigen Praktiken, unabhängig davon, ob sie von einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben, von Transporteuren oder Schlachthöfen ausgehen. Die gezeigten, offensichtlich rechtswidrigen Missstände beim Verladen, Transport und vor dem Schlachten sind in keiner Weise zu akzeptieren», sagt hingegen der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied,

Die Staatsanwälte in Oldenburg prüfen den Verdacht auf Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Beim Landkreis Stade ist man mit der Sichtung der Filme schon weiter. 48 Videos im Umfang von 93 Gigabyte hatten die Tierschützer zur Verfügung gestellt. «Nach unseren Erkenntnissen stimmt ein Teil der Vorwürfe der Tierschutzorganisation», teilt der Landkreis mit. Deshalb hat dieser ebenfalls Anzeige erstattet.

Gemäss ARD hat der Schlachtbetrieb in Düdenbüttel unter anderem an einen niederländischen Fleischverarbeiter geliefert. Zu den Kunden des niederländischen Betriebs gehören internationale Fleischverarbeiter und die Lebensmittelindustrie.

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