25.02.2016 09:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Aargau
Golinda, Jurgolin, Cortina und Glinnia
Das Präfix Hellender ist seit Jahren ein Begriff und gehört zu den Aushängeschildern der Aargauer Holsteinzucht. Im Stall stehen Schausiegerinnen, Stierenmütter und eine Kuh an der Schwelle zu 150000 kg Lebensleistung.

Toni Ender und seine beiden Söhne Andreas und Thomas haben Holsteinblut in ihren Adern. Auf jeden Fall sind sie voll überzeugt, dass diese Rasse die richtige für ihren Betrieb ist. «Ich möchte eine Kuh, die mir gefällt und die am Markt gefragt ist», fasst Toni zusammen. «Und da der Milchpreis alles andere als lukrativ ist, ist der Verkauf von Zuchtvieh und Embryonen ein wesentlicher Betriebszweig für uns», sagt Thomas, der mit seinem enormen Kontaktnetz die Vermarktung im In- und Ausland managt.

Er sei sozusagen «Herdenmanager aus der Ferne», schmunzelt er, denn als Chefeinstufer bei der Linear AG ist er meist nur an Wochenenden auf dem Hof anzutreffen. Andreas ist zu 60 Prozent als Fütterungsberater engagiert,  angehender Meisterlandwirt und ist morgens und abends im Stall.

Golindas Erbe

Golpoly Golinda hat den Betrieb bekannt gemacht. 2000 war sie nach dem 2. Nationalsiegertitel im 5. Rang als Weltchampion. Über ihre Tochter Design Desgolin kommen wir zu Juror Jurgolin, die mit 16 Jahren noch heute im Stall steht und die 150'000-kg-Grenze anpeilt. Desgolin wurde als erstkälbrige Kuh an der Leader-Genetik-Auktion zum Höchstpreis verkauft. «2004 spülten wir Jurgolin zum ersten Mal mit Rudolph Champion.» Daraus entstand Calanda EX 95, die Ehrenerwähnung an der Swiss Expo 2010.

Weiter Corina und Cortina, beide EX 94, gesplittet aus einem Embryo. Vollbruder ist Colin, lange Zeit Spitzenreiter unter der Schweizer Stieren bei Swissgenetics. Rund die Hälfte des Bestandes geht auf Golinda zurück. «Jurgolin hat insgsamt 165 Embryonen produziert und Nachkommen in ganz Europa. Viele stehen nicht in Schaubetrieben. Deshalb habe ich nicht mehr alle im Blickfeld», so Thomas.  Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende: Aktuell sind vier Generationen in Milch.

Champion und Goldwyn

Champion und Goldwyn haben bei Enders gepasst. Am besten in Kombination. Über Corina, die demnächst 100'000kg Milch produziert hat, landen wir bei der vielversprechenden Genesis. Ihr Vater ist der Goldwyn-Sohn Atwood. Oder dann ist da Glinnia, eine Goldwyn direkt aus Cortina. Sie war Eutersiegerin an der Swiss Expo 2016. Weniger bekannt, aber von vergleichbarer Qualität ist ihre Vollschwester Gillie. Sie ist etwas weniger gross, brilliert aber mit einem Top-Fundament und einem extrem hohen und breiten Hintereuter.

Auch bei der zweiten wichtigen Kuhfamilie ist der Einfluss dieser Stiere sichtbar. Champion Chelsea hat bereits zwei Töchter in Milch, Talent Eileen die VG-88 in der zweiten Laktation ist, und Artes Escada, die viel Bewunderung verdient. Artes wieder ein Goldwyn-Sohn. Hellender-Genetik ist sehr gefragt. Zurzeit wird Glinnia gespült mit Beemer und Brady – für Australien. «Ausstellungen müssen finanziell tragbar sein» sind sich die drei einig. So sind sie auch bereit, von ihren besten Kühen zu verkaufen. «Das war bei Calanda so und gilt auch für Glinnia. Aber der Preis muss stimmen.»

Einziger Zukauf

In Enders Stall sucht man vergebens nach zugekauften Kühen. Eine Ausnahme gibt es: Riedmüllers Bolton Chantal. Ihre Doorman-Tochter wurde an der Swissgenetics-Auktion teuer verkauft. Die habe sie schon gereut, sagen sie , «aber die Investition muss sich rentieren, da gehört das Verkaufen von super Nachkommen dazu.

Chantal war seit über 20 Jahren der erste Zukauf, aber wir wollten nicht fünf gute Kühe, sondern eine top Kuh zukaufen, welche eine neue Kuhfamilie begründen kann und bei der alles stimmt.» Auf dem Hellhof standen übrigens nicht immer schwarze Kühe. «1980 mussten wir unseren hochstehenden Braunviehbestand, darunter 8 GP-Kühe, wegen IBR sanieren. Damals stand ich vor der Betriebsübernahme, und wir kauften 18 Holsteinrinder in der Westschweiz», erzählt Toni.

Die beiden Söhne Andreas und Thomas haben Nachkommen aus Durham Treasure EX 96 und Laurie Sheik mit vier Generationen EX in der Herde.  Aber das sei ihr privates Projekt und habe nichts mit dem Betrieb zu tun, betonen sie.

Zwei Drittel Genomik

Heute werden zwei Drittel der Tiere mit genomischen Jungstieren besamt. «Du musst die Genetik interessant behalten, auch für die Besamungsorganisationen. Gleichzeitig möchten wir das Risiko streuen, indem sehr viele verschiedene Stiere eingesetzt werden. Sie müssen einen hohen Index und hohe Typwerte haben und aus abgesicherten Kuhfamilien kommen. Zufallsprodukte setzen wir nicht ein.» Viel Zeit wird für das Studieren von Pedigrees und der Zuchteigenschaften aufgewendet.

Auch für Spezialitäten sind Enders offen. So gibt es aus  Jurgolin eine  Rotfaktor-Tochter Hvezda Gharienne VG 85 mit Anpaarungsvertrag. «Aber im genomischen Zeitalter wird es mit der Jurgolin-Linie immer schwieriger, mithalten zu können», stellen Enders fest. Aus TabascoLadd   gibt es ein rotes hornloses Kuhkalb mit top Genomwerten. Aber auch hier gilt:«Keine Kompromisse eingehen.»

Haben Viehschauen unter diesen Vorzeichen überhaupt noch eine Zukunft? «Ja, wenn das Zuchtziel nicht abgekoppelt wird vom Zuchtziel der Produktionsbetriebe», gibt Andreas zu verstehen. Wie müssen Ikonen der Rasse sein? «Leistungsstark, ausstellungswürdig  und im Alltag funktionieren.» Wie Jurgolin. Denn sie läuft noch immer in der Herde mit und bekommt keine Sonderbehandlung.

Der Hellhof

Der Betrieb wird bewirtschaftet von Vater Toni und Sohn Andreas Ender. An Wochenenden ist auch Sohn Thomas im Einsatz. Der Betrieb umfasst 23 ha LN, aufgeteilt in 10 ha Kunstwiese, 8ha Naturwiese und 5ha Mais. Im Stall stehen 35 Holsteinkühe und 50 Stück Jungvieh sowie 125 Mastschweine. Die Milchliefermenge beträgt 300000 kg und wird als Industriemilch an Emmi geliefert. Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh liegt bei 10500 kg mit 4,2% Fett und 3,5% Eiweiss. 

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