20.03.2018 09:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
Grauvieh hat längste Nutzungsdauer
Bei der Milchleistung schneiden konventionelle Milchrassen wie das Braunvieh besser ab als Zweinutzungsrassen. Anders sieht es bei den Fruchtbarkeitsmerkmalen aus. Das zeigt das OrganicDairyHealth-Projekt.

Die Anzahl Kühe mit abgeschlossener 1. Laktation hat bei der Rasse Original Braunvieh (OB) in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Rasse Simmental weist ebenfalls einen positiven Trend auf, wenn auch weniger ausgeprägt. Da ist es kein Wunder, wenn sich auch die Forschung mit der Eignung von Zweinutzungsrassen für Bio- und graslandbasierte Produktionssysteme beschäftigen.

Daten von Biokühen

Ein Beispiel dafür ist das OrganicDairyHealth-Projekt, an dem auch das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) teilgenommen hat. Im Zeitraum von Juli 2011 bis Juni 2014 wurden die Herdebuchdaten aller Biokühe ausgewertet – und zwar die Produktionsmerkmale Milchmenge, Milchinhaltsstoffe und Lebensleistung und die funktionellen Merkmale Zellzahl, Fruchtbarkeitsmerkmale, Persistenz, Behandlungsdaten, das Ketoserisiko und die Nutzungsdauer. Als Effekte wurden neben der Rasse auch die Laktationsnummer, die Alpung, die Produktionszone und die Kalbesaison berücksichtigt. 

In der Schweiz flossen die Rassen Grauvieh (AL) und OB als Zweinutzungsrassen und das Braunvieh (BV) als Milchrasse in die Untersuchung ein. Biokühe wurden vor dem Hintergrund gewählt, dass sie mehr Raufutter und einen geringeren Anteil Kraftfutter in der Ration haben. Zudem sind auf Biobetrieben die  Einschränkungen beim Medikamenteneinsatz strenger als auf ÖLN- Betrieben.

Lebensleistung 26'844kg

Bei der Milchleistung lag das BV mit 6132 kg vor dem OB mit 5503 kg und dem AL mit 4541 kg. Auch bei der Lebensleistung lag das BV mit 26'844kg  vor den Zweinutzungsrassen OB mit 22'867 und AL mit 20'742kg. Anders präsentierten sich die Ergebnisse bei den Merkmalen, die  nicht direkt mit der absoluten Leistung zusammenhängen. Hier schnitten die Zweinutzungsrassen in der Schweiz durchgehend besser ab (siehe Tabelle).

Die OB-Herde am Agrovet Strickhof

Im Rahmen der Tagung «Zweinutzungskühe – neue Chance oder alter Zopf» stellte Hubert Pausch von der ETH Zürich die neue Original-Braunvieh-Herde am AgroVet Strickhof vor. Im Rindviehzentrum sollen bis 2023 120 Kühe der Rassen Braunvieh, Holstein, Red Holstein und Original Braunvieh (OB) in zwei Herden stehen. Die Ausbildungsherde mit rund 50 Braunvieh-, Holstein- und Red-Holstein-Kühen mit mehr als 10'000kg Milchleistung wird mit dem Roboter gemolken, die OB-Versuchsherde mit 414 Kühen im Melkstand. Die restlichen Kühe stehen in der Reserveherde.

Als Durchschnittsleistung werden beim OB 7500 bis 8000 kg Milch angestrebt. Gemäss den Daten von Braunvieh Schweiz lag die Milchleistung der  6433 OB-Kühe mit Standardabschluss im Kontrolljahr 2015/2016 bei 6148kg. Die OB-Herde am AgroVet Strickhof soll grundfutterbetont gefüttert werden. Alle Tiere werden mit einem 777-K-Chip genotypisiert. Parallel dazu wird die genomische Variation der gesamten OB-Population kartiert. Mittelfristig soll bei der Rasse OB ein genomisches Zuchtprogramm eingeführt werden. sum 


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