2.02.2018 14:03
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Luzern
Grossbauer gibt das Melken auf
31 Rinder eines Luzerner Grossbauers wurden im Dezember 2017 wegen leichten bis hochgradigen Gesundheitsmängeln beschlagnahmt. Einige dieser Tiere mussten getötet werden. Der Landwirt hat nun entschieden, aus der Milchproduktion auszusteigen.

Der Fall Ufhusen schlug schweizweit Wellen. 31 Rinder wurden wegen Lahmheiten und Infektionen im Klauenbereich am 19. Dezember beschlagnahmt. «Wir trafen vor Ort viele lahme Tiere an. Ein Teil von ihnen wies klare Anzeichen von Schmerzen auf. Die fachgerechte tierärztliche Versorgung war nicht sichergestellt», sagte Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der «Luzerner Zeitung» im Dezember. Auf 6 Höfen hat der Landwirt insgesamt 450 Rinder eingestallt.

Tiere eingeschläfert und geschlachtet

Die beschlagnahmten Tiere wurden von einem Tierarzt und einem Klauenpfleger untersucht. Am 17. Januar 2018 gab der kantonale Veterinärdienst bekannt, dass einige dieser Rinder geschlachtet oder eingeschläfert werden mussten. Die Zahl der toten Tiere konnte Kantonstierarzt Ineichen unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht nennen. Auch zum medizinischen Grund der Schlachtungen machte Ineichen gegenüber der Nachrichtenagentur sda keine Angaben. Die restlichen, beschlagnahmten Rinder werden weiter gepflegt und behandelt.

Landwirt B. war Lieferant der Zentralschweizer Milchlieferanten (ZMP). Nach dem Bekanntwerden haben die ZMP umgehend Massnahmen eingeleitet. So wurde ein temporärer Milchlieferstopp verfügt. Ein ZMP-Melkberater kontrollierte vor Ort die Verhältnisse. Dieser stellte fest, dass die noch anwesenden Rinder wohlauf sind und die Tierschutzvorschriften eingehalten sind.

«Futtermittel-Preis» für Milch

Weil Abnehmerin Emmi die Milch nach dem Bekanntwerden des Falls nicht mehr verarbeiten wollte, mussten die ZMP einen anderen Absatzkanal finden. Die Milch wurde verpulvert und der Futtermittelindustrie zugeführt. Jeden zweiten Tag wurden 8000 Liter Milch beim Bauer abgeholt. «Über Preise, welche unsere Abnehmer bezahlen, geben wir keine Auskunft», sagte ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden auf Anfrage von schweizerbauer.ch Mitte Januar.

Welchen Preis der Landwirt für diese Milch erhält, sagte Aschwanden folgendes: «Nur so viel: wir erhalten für die Milch die üblich geltenden Preise, welche für Milch bezahlt wird, welche in den Tierfuttermittelsektor geht.» Und: «Für die Milch erhält der Milchlieferant ebenfalls den entsprechenden «Futtermittel»-Preis, minus Abzüge für Transport/Logistik und Administration.» Der Landwirt dürfte für ein Kilo Milch etwa noch zwischen 20 und 25 Rappen erhalten. Insgesamt dürften über 170'000 Kilo Milch in der Futtermittelkanal gelangt sein.

Seit 31. Januar keine Milchproduktion mehr

Der Landwirt aus dem Luzerner Hinterland, der früher auch als Kieshändler tätig war, hat nun entschieden, aus der Milchproduktion auszusteigen. Die Gründe für seinen Entscheid wurden nicht kommuniziert. Seit dem 1. Februar 2018 ist der Landwirt auch nicht mehr Mitglied bei den ZMP. «Folglich holen die ZMP seit diesem Datum auch keine Milch mehr ab», teilt die Organisation am Freitag mit.

Widerholungstäter und drohende Direktzahlungs-Kürzung

Landwirt B. wurde bereits im Februar 2015 wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen das Bundesgesetz über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände verurteilt. Bei einer Kontrolle am 24. September 2014 wurden vier Tiere der Rindergattung abgeholt und zum Schlachthof der Firma Bell nach Oensingen gebracht, berichtete die «Luzerner Zeitung» jüngst. 

Gemäss Strafbefehl waren die Tiere derart verschmutzt, dass die Behörden davon ausgehen mussten, diese würden «ungenügend gepflegt» respektive ungenügend gereinigt. Dafür wurde der Grossbauer neben anderen Verstössen, zumeist wegen Bauens ohne Bewilligung, zu einer Busse von 8000 Franken verurteilt.

Dem Landwirt drohen durch die Beschlagnahmung auch finanzielle Konsequenzen. Die Direktzahlungen könnten gekürzt oder gar gestrichen werden, sagte Thomas Meyer, Abteilungsleiter Landwirtschaft bei der entsprechenden kantonalen Dienststelle, gegenüber der «Luzerner Zeitung». Landwirt B. soll rund 200'000 Franken an Direktzahlungen erhalten.

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