21.01.2018 18:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Luzern
Grossbauer ist Wiederholungstäter
Im Dezember wurden 31 Tiere eines Grossbauern im Luzerner Hinterland wegen leichten bis hochgradigen Gesundheitsmängeln beschlagnahmt. Einige dieser Tiere mussten geschlachtet oder eingeschläfert werden. Der Landwirt wurde bereits 2015 wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz verurteilt.

Der Fall des Landwirts B. aus dem Luzerner Hinterland erschütterte im Dezember die Schweiz. Der Bauer hat auf 6 Höfen insgesamt rund 450 Rinder eingestallt. 31 Tiere wurden von den Behörden am 19. Dezember 2017 beschlagnahmt und abgeführt. Beteiligt an der Aktion waren sechs Mitarbeiter des kantonalen Veterinärdienstes, zwei Bauern sowie Mitarbeiter der Luzerner Polizei. 

Lahmheiten und Klaueninfektionen


Die Tiere wurden von einem Tierarzt und einem Klauenpfleger untersucht. Die Fachleute stellten Lahmheiten und Infektionen im Klauenbereich fest. «Wir trafen vor Ort viele lahme Tiere an. Ein Teil von ihnen wies klare Anzeichen von Schmerzen auf. Die fachgerechte tierärztliche Versorgung war nicht sichergestellt», sagte Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der «Luzerner Zeitung» im Dezember. 

Am 17. Januar gab der Kanton Luzern bekannt, dass einige der beschlagnahmten Rinder geschlachtet oder eingeschläfert werden mussten. Die Zahl der toten Tiere konnte Kantonstierarzt Otto Ineichen unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht nennen. Auch zum medizinischen Grund der Schlachtungen machte Ineichen gegenüber der Nachrichtenagentur sda keine Angaben. Die restlichen, beschlagnahmten Rinder werden weiter gepflegt und behandelt.

2014: Vier Tiere stark verschmutzt


Wie nun die «Luzerner Zeitung» am Sonntag berichtet, handelt es sich bei Landwirt B. um einem Wiederholungstäter. In einem Strafbefehl vom 2. Februar 2015 steht. ««Sie haben sich schuldig gemacht der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen das Bundesgesetz über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände.» Bei einer Kontrolle am 24. September 2014 wurden vier Tiere der Rindergattung abgeholt und zum Schlachthof der Firma Bell nach Oensingen gebracht. 

Gemäss Strafbefehl waren die Tiere derart verschmutzt, dass die Behörden davon ausgehen mussten, diese würden «ungenügend gepflegt» respektive ungenügend gereinigt. Dafür wurde der Grossbauer neben anderen Verstössen, zumeist wegen Bauens ohne Bewilligung, zu einer Busse von 8000 Franken verurteilt.

Direktzahlungs-Kürzung möglich

Wie die «Luzerner Zeitung» weiter schreibt, dürfte der jüngste Fall mit den 31 beschlagnahmten Rinder auch finanzielle Konsequenzen haben. Dem Landwirt, der früher auch als Kieshändler tätig war, können Direktzahlungen gekürzt oder sogar vollständig gestrichen werden, bestätigt Thomas Meyer, Abteilungsleiter Landwirtschaft bei der entsprechenden kantonalen Dienststelle. Die Zeitung schätzt, dass Landwirt B. rund 200'000 Franken an Direktzahlungen erhält. 

Der Bauer ist Lieferant der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Nach dem Bekanntwerden haben die ZMP umgehend Massnahmen eingeleitet. So wurde ein temporärer Milchlieferstopp verfügt. Ein ZMP-Melkberater kontrollierte vor Ort die Verhältnisse. Dieser stellte fest, dass die noch anwesenden Rinder wohlauf sind und die Tierschutzvorschriften eingehalten sind.

«Futtermittel-Preis» für Milch

Verarbeiter Emmi hat noch im Dezember entschieden, die Milch von Landwirt B. nicht mehr zu verarbeiten. Aufgrund der Tierwohlverstösse wird die Milch seither nicht mehr in Verkaufskanal überführt. «Da die Milch hygienisch einwandfrei ist, wird diese zu Pulver verarbeitet und so haltbar gemacht», so Mediensprecherin Carol Aschwanden gegenüber schweizerbauer.ch. Weil die Milch nicht mehr in den Verkaufskanal gelangt, wird das Pulver der Futtermittelindustrie zugeführt. 

Daran hat sich auch im Januar nicht geändert. «Die Milch geht immer noch in den Futtermittelsektor. Aktuell sind das rund 8'000 Liter jeden zweiten Tag. Über Preise, welche unsere Abnehmer bezahlen, geben wir keine Auskunft», sagt Aschwanden auf Anfrage von schweizerbauer.ch. Welchen Preis der Landwirt für diese Milch erhält, sagt Aschwanden folgendes: «Nur so viel: wir erhalten für die Milch die üblich geltenden Preise, welche für Milch bezahlt wird, welche in den Tierfuttermittelsektor geht.» Und: «Für die Milch erhält der Milchlieferant ebenfalls den entsprechenden «Futtermittel»-Preis, minus Abzüge für Transport/Logistik und Administration.»

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