22.07.2015 09:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Text, Bilder und Videos Anja Tschannen
Waadt
Grosseinsatz: Armee tränkt 20'000 Tiere auf Waadtländer Alpen
Die anhaltende Trockenheit und die Wasserknappheit im Kanton Waadt erfordern besondere Massnahmen. Die Armee ist mit drei Super Pumas im Einsatz, um die Alpbetriebe des Waadtländer Juras mit Wasser zu versorgen. Mit Interviews, Video und Bildergalerie

An insgesamt acht Standorten im Gebiet Provence bis Saint-Cergue können die Landwirte mit ihren Druckfässern das dringend benötigte Wasser abpumpen und auf ihre Betriebe führen. Von den acht Becken stehen zwei in der Nähe des Lac de Joux und werden mit leistungsstarken Pumpen (8000 l/min) direkt mit dem Seewasser gefüllt.

20 Flüge für ein Becken

Die beiden Becken umfassen 35m3. Die weiteren sechs Wasserbecken (53m3) befinden sich an abgelegenen Standorten und werden mit drei Super Pumas der Armee gefüllt. «Um ein Becken zu füllen, braucht es 20 Flüge», sagt Louis-Henri Delarageaz, Kommandant Katastrophenhilfe Bataillon 1, das zurzeit im Einsatz ist. 

Zum Aufstellen der Becken standen 154 Militärangehörige im Einsatz, dazu kommen zahlreiche Personen des Zivilschutzes. Die Hilfe ist dringend notwendig. Seit vier Wochen hat es nicht mehr geregnet. «Die Situation ist schlimmer als im Jahr 2003», sagt Frédéric Brand, Leiter des Landwirtschaftsamtes des Kantons Waadt. 

200 Alpbetriebe versorgt

Nur dank der Hilfe von Armee und Zivilschutzes sei es nun möglich, die rund 20'000 Tiere auf den Alpen zu lassen und nicht frühzeitig abziehen zu müssen: «Dank den Massnahmen können sich nun 200 Alpbetriebe mit Wasser eindecken.» Insgesamt habe es rund 680 Alpbetriebe. Solche mit guten Quellen seien zum Glück weniger stark betroffen.

Das Wasser wird aus dem Neuenburgersee und dem Lac de Joux herbeigeflogen. Der Einsatz erfolgt unter der Verordnung für militärische Katastrophenhilfe im Inland und ist für den Kanton Waadt daher kostenlos.

Der Kanton Waadt will für die über 25'000 Tiere in den Voralpen ebenfalls Becken aufstellen, welche mit Tankwagen gefüllt werden könnten. Das Wasser für diese Becken will der Kanton Waadt der Rhone entnehmen. Die Kühe benötigen zwischen 100 und 150 Liter Wasser pro Tag. Obwohl sich auch die Lage in den Waadtländer Voralpen Tag für Tag verschlechtert, werde der Kanton aber dort nicht auf die Armee zurückgreifen können, sagte Denis Froidevaux, Leiter des kantonalen Führungsstabs.

Der Kantonale Führungsstab des Kantons Waadt überlegt sich zudem, den Wasserkonsum einzuschränken. Zuständig dafür sind jedoch die Gemeinden. Weiterhin gilt auf Kantonsgebiet ein striktes Feuerverbot.

Freiburg stellt Antrag

Die Zusammenarbeit mit der Armee dauert 16 Tage, danach muss der Kanton Waadt neue Lösungsmöglichkeiten gefunden haben. «Wir suchen private Transporteure auch in der Deutschschweiz, die danach die Wasserbecken auffüllen können,» sagt Brand. Denn die Nachfrage nach Hilfe werde weiter steigen, ist Brand überzeugt. Und auch Oberstleutnant Delarageaz teilt diese Meinung: «Der Kanton Freiburg hat nun auch einen Antrag auf Hilfe durch die Armee gestellt.»

Rund ein Dutzend Alpen im Kanton Freiburg sind auf die Versorgung aus der Luft angewiesen. Seit vergangenem Freitag wurden diese Alpen von einem privaten Unternehmen versorgt. Nun reichen dort die Kapazitäten aber nicht mehr aus, wie die Freiburger Staatskanzlei mitteilte. Der Kanton hat nun bei der Armee den Einsatz von Truppen angefordert, um diejenigen Alpen per Helikopter zu versorgen, die nicht auf privatem Weg beliefert werden können. Die Kosten für die Wasserversorgung gehen zu Lasten der Landwirte.

Wie Urs Müller, Mediensprecher des Führungsstabes der Armee, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärt prüft die Armee das Gesuch des Kantons Freiburg, halte sich jedoch generell auch einen gewissen Handlungsspielraum offen, falls sie beispielsweise bei der Bekämpfung eines Waldbrandes helfen müsste.

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