5.12.2017 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
Hats noch kein Gras, reicht der Laufhof
Was tun wenn der Milchabnehmer Raus oder BTS vorschreibt, aber Dürre das Graswachstum auf der Weide stoppt oder Starkregen das Weiden verunmöglicht? Die Direktzahlungsverordnung lässt Ausnahmen zu.

Nach Emmi nun auch Elsa: Immer mehr Milchabnehmer verlangen von ihren Produzenten, dass die Kühe nach den BTS- oder Raus-Richtlinien gehalten werden. Trotz der von den Milchabnehmern gewährten Übergangsfristen kann das zu Problemen führen – nämlich dann, wenn im Anbindestall BTS keine Option ist und die Weideverhältnisse die Einhaltung der Raus-Regeln im Sommer nicht zulassen (siehe Kasten). Für solche Betriebe gibt es aber zumindest teilweise Entwarnung. Die  Direktzahlungsverordnung lässt nämlich  Abweichungen zu. Hier die  Antworten auf die häufigsten Fragen:

Frage: Wenn ich meine Tiere während oder nach einem länger dauernden Regen (vor allem im Frühjahr und Herbst) auf die Weide liesse, würden sie die Grasnarbe zerstören.
Antwort: Während oder nach starkem Niederschlag (solange Gefahr für Trittschäden besteht), können die Tiere in den Laufhof gelassen werden statt auf die Weide.

Frage: Auf meinem Betrieb kann im Mai noch nicht geweidet werden.
Antwort: Ab dem 1. Mai müssen die Tiere an mindestens 26 Tagen pro Monat nach draussen gelassen werden. Wenn das Gras standortbedingt noch nicht weidereif ist, kann der Auslauf im Laufhof gewährt werden.

Tierschutz

Alle angebunden gehaltenen Rinder müssen zudem mindestens 90 Tage im Jahr Auslauf im Freien haben, davon 30 Tage im Winter. sum

Frage: Mein Betrieb liegt im Berggebiet, wo erst spät im Frühjahr geweidet werden kann. Das Land um den Stall herum ist sehr stotzig. Deshalb habe ich keine geeignete Auslauffläche.
Antwort: Steht auf einem Betrieb im Berggebiet keine geeignete Auslauffläche zur Verfügung, so kann der Kanton bis zum Zeitpunkt, ab dem das Weiden standortbedingt möglich ist, eine besondere Auslaufregelung vorschreiben, die der Infrastruktur des Betriebs Rechnung trägt.

Frage: Was kann ich tun, wenn die Weide wegen ausserordentlicher Trockenheit weniger als 25 Prozent des Trockensubstanz-Tagesbedarfs der Tiere decken kann?
Antwort: Innerhalb von zehn Tagen nach Beginn der Trockenheit kann bei der zuständigen kantonalen Behörde schriftlich «höhere Gewalt nach Direktzahlungsverordnung Art. 106» gemeldet werden.

Die Raus-Regeln

Bei Raus (regelmässiger Auslauf im Freien) ist Milchkühen und über 160 Tage alten weiblichen Nachzuchttieren vom 1. Mai bis zum 31. Oktober  an mindestens 26 Tagen pro Monat Auslauf auf einer Weide und vom 1. November bis zum 30. April an mindestens 13 Tagen pro Monat Auslauf auf einer Auslauffläche oder einer Weide zu gewähren. 

Als Weide gilt eine mit Gräsern und Kräutern bewachsene, den Tieren zur Verfügung stehende Grünfläche. Als Auslauffläche (Laufhof) gilt eine den Tieren für den regelmässigen Auslauf zur Verfügung stehende Fläche, die befestigt oder mit geeignetem Material ausreichend bedeckt ist. Der Kanton kann Laufhof-Masse, die nur unwesentlich von den Anforderungen abweichen, für eine befristete Zeit zulassen, wenn deren Einhaltung mit unverhältnismässig hohen Investitionen verbunden wäre oder wegen beschränkter Platzverhältnisse nicht möglich ist.

Ab 2018 gilt laut Verordnung: Für Tiere der Rindergattung muss die Weidefläche so bemessen sein, dass die Tiere an den Tagen mit Auslauf auf einer Weide mindestens 25 Prozent ihres Tagesbedarfs an Trockensubstanz durch Weidefutter decken können. sum

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