1.08.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Trockenheit
Helis bringen dem Vieh Wasser
Aufgrund der Trockenheit wird die Lage auf einigen Alpen kritisch. Einige Bauern und Sennen müssen auf Helikopterbesatzungen zurückgreifen, um ihr Vieh tränken zu können. Doch das kann ins Geld gehen. -> Mit Video

Nach Angaben von Swissmilk trinkt eine Kuh zwischen 50 und 100 Liter Wasser pro Tag. Damit die Tiere ihren Durst stillen können, muss auf einige von Trockenheit bedrohte Alpen Wasser geliefert werden, entweder mit einem Zisternenwagen oder per Helikopter.

Armee darf Private nicht konkurrenzieren

Die Armee führte in der Ostschweiz Einsätze auf bisher sieben Alpen durch, wie ein Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Auf die Alpen in den Kantonen St. Gallen, Glarus und Appenzell Innerrhoden seien je zwischen 20'000 und 40'000 Liter Wasser geflogen worden. Weitere Einsätze seien vorerst nicht geplant.

Auch private Helikopter-Unternehmen fliegen Wasser auf Alpen. Die Luftwaffe übernehme nur, wenn diese Unternehmen die Flüge nicht durchführen könnten, wie Armee-Sprecher Daniel Reist ausführte. Denn die Armee darf Private nicht konkurrenzieren. 

300'000 Liter

Wie viel Wasser private Helikopter bereits in die Berge geflogen haben, ist schwierig zu schätzen. Der Branchenverband Swiss Helicopter Association, der etwa 30 Unternehmen vertritt, hat keine Zahlen für alle seine Mitglieder.

Swiss Helicopter, ein Unternehmen mit landesweit 14 Basen, transportierte seit Anfang Juli nach Angaben von Direktionsmitglied Patrick Aegerter rund 300'000 Liter. Die Nachfrage war bisher in der Ostschweiz und im Berner Oberland am höchsten.

Nachfrage dürfe steigen

In der Westschweiz hatte Swiss Helicopters bisher nur einen Einsatz auf einer Alp bei Grandvillard FR. Aegerter erwartet, dass bei zunehmender Trockenheit die Nachfrage im ganzen Land steigen wird.

Das Jahr 2018 sei ein Sonderfall, sagte Aegerter. Seit mehreren Jahren habe Swiss Helicopters kein Wasser mehr auf Alpen geflogen. Bei Air Glaciers hingegen hiess es am Dienstag, dass bisher keine Wasserflüge durchgeführt worden seien.

40 Franken pro Minute


Der Transport von Wasser mit dem Helikopter kann für die Bauern ins Geld gehen. Wie die «SonntagsZeitung» in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, schlägt eine Flugminute mit 40 Franken zu Buche. In der Ostschweiz dürfen die Helis aber nur noch an wenigen Orten Wasser aufnehmen. Manchmal muss deshalb bis zum Walen- oder Bodensee geflogen werden.

Dementsprechend werden Transporte teuer. Damit keine finanziellen Härtefälle entstehen, treten die Helifirmen Aufträge auch an die Armee ab. Diese fliegt das Wasser gratis auf die Alpen. Die Flugstunden fallen gemäss NZZ ins Zeitbudget, das für Trainingsflüge ohnehin nötig ist. Armee und Private wollen gemäss Swiss Helicopter Association nach besseren Lösungen suchen.

Bis 3000 Franken für 10'000 Liter

Auf den Wassertransport mit dem Helikopter ist auch die Alp Naus angewiesen, wie das «Tagblatt» berichtet. 116 Jungrinder von sechs Landwirten werden dort gesömmert. Gepachtet haben sie die Alp von der Ortsgemeinde Grabs. Nun ist aber das Wasser zur Neige gegangen. 

Die Gemeinde Grabs entschied, den Helikopter einzusetzen. Mit einem Transportbehälter mit einem Fassungsvermögen von 900 Litern wurde das Nass auf die Alp geflogen. Innerhalb kurzer Zeit transportierte Swiss Helicopter so 10'000 Liter Wasser. «Ich hoffe, das Wasser reicht zwei Wochen», sagt Hirt Fritz Maurer zum «Tagblatt». Die Kosten von 2000 bis 3000 Franken müssen in diesem Fall nicht die Bauern begleichen, sondern werden von der Alpbesitzerin, die Ortsgemeinde Grabs, übernommen. «Es ist eine nötige Massnahme. Die Tiere brauchen Wasser», sagt deren Präsident Hans Sturzenegger.

Wasserklau in Frankreich

Letztmals wurden im Sommer 2015 im grossen Stil Wassertransporte durchgeführt. Die Schweizer Armee machte internationale Schlagzeilen. Sie hat unerlaubterweise Wasser aus einem See in Frankreich entnommen.

Die Armeehelikopter entnahmen Wasser aus dem Lac de Rousses, der näher beim Jura liegt und deshalb Zeitersparnis im Vergleich zum Lac de Joux oder dem Neuenburgersee brachte. Der Bürgermeister eines Dorfes beim See, Les Rousses, gab damals gegenüber «20 minutes» an, nicht über die Einsätze informiert worden zu sein. Die Anwohner hätten sich deshalb über die Helikopterflüge geärgert. Insgesamt entnahm die Armee 58 Kubikmeter aus dem Gewässer.

2015 wurden mit den Transporthelikoptern der Armee insgesamt 318 Flugstunden geflogen und 2'220 Kubikmeter Wasser zu verschiedenen Wasserbecken geführt. Im Waadtländer Jura wurde die Wasserversorgung für rund 20'000 Kühe sichergestellt.

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