5.09.2020 10:46
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Fütterung
«Herbstgras meist energieärmer»
Christof Baumgartner ist Fütterungsberater am BBZ Arenenberg TG. Er rät, bei Vollweide nun 45 bis 55 Aren pro Kuh bereitzustellen. Grünmais oder Maissilage passen sehr gut als Ergänzungsfütterung.

«Schweizer Bauer»: Im Herbst nimmt das Graswachstum ab. Wann ist Zeit, die Weidefläche für die Kühe zu vergrössern?
Christof Baumgartner: Je nach der Temperatur und der Wasserverfügbarkeit variiert das Graswachstum sehr stark. Ich empfehle wie im übrigen Jahresverlauf, die Weideflächen anhand der täglichen Beobachtungen  bezüglich Futterangebot  und Weidereste anzupassen.

Wie viel Weide soll nun pro Kuh zur Verfügung stehen, wenn die Weide einen grossen Anteil in der Fütterung hat?
Bei Vollweide wären in «normalen Jahren» 45 bis 55 Aren pro Kuh notwendig. Dieser Wert reduziert sich je nach Weideanteil in der Ration. Die Nachtweide ist ja ab Mitte September  grösstenteils vorbei.

Wie entwickelt sich die Futterqualität ab September im Vergleich zu Frühling und Sommer?
Ab Juli steigen die Rohproteingehalte im Futter sehr stark an. Insbesondere im Frühling ist das Futter zuckerreicher, aber dafür proteinärmer. Je nach Witterung und Temperaturen sind im Herbst aber auch höhere Zuckergehalte möglich. So wurde in der Ostschweiz nach dem sehr trockenen Sommer 2018 eine sehr gute Qualität des Herbstfutters beobachtet. Im Jahr 2019 war die Futterqualität hingegen eher bescheiden. In der Regel ist das Futter im Herbst aber   eher energieärmer. Bei sehr nasser Witterung ist Herbstgras zudem strukturarm und weist durch die Nässe sowie allfälligen Mäusebesatz Schmutzanteile auf.

Wie kann und muss man die Ergänzungsfütterung anpassen, damit Kuhgesundheit und Leistung nicht leiden?
Grünmais oder Maissilage passen sehr gut als Ergänzungsfütterung im Herbst, da dadurch der enorme Proteinüberhang des  Herbstgrases verwertet werden kann. Dieser Aspekt hat in meinen Augen auch eine ökologische Komponente. In der Regel ist dann auch die Strukturversorgung gewährleistet. Betriebe ohne Möglichkeit zur Maisfütterung können die Ration mit Dürrfutter ergänzen. Hierbei ist eher später geschnittenes Futter vom ersten Schnitt zu bevorzugen, weil es eine höhere Strukturwirkung aufweist und zuckerreich ist.

Raten Sie, im Herbst lang zu weiden oder eher früher einzustallen?
Es gilt die alte Regel, dass die guten Futtergräser fausthoch in den Winter gehen sollten. Ansonsten können sie keine Reservestoffe einlagern. Wird dieser Umstand missachtet, ist der Schaden höher als der Nutzen des gewonnenen Futters. Im Weiteren ist die Grasnarbe im Herbst anfälliger auf Trittschäden. Diese sind möglichst zu vermeiden, weil sich dort im Frühling Lückenfüller wie Hirtentäschel ausbreiten können.  

 

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