13.08.2015 12:12
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Hightech-Ohrmarke für Nutztiere
Ein neuer Hightech-Knopf im Ohr von Nutztieren soll künftig die individuelle Tierbetreuung vereinfachen, für mehr Transparenz bei den Konsumenten sorgen und Landwirten die Arbeit erleichtern.

Forschern der Universität Hohenheim ist es mit Firmenpartnern gelungen, die Ultra-Hochfrequenz-Technik für elektronische Ohrmarken praxistauglicher zu machen. Bisher basieren die Transponder auf der Niederfrequenz-Technik, doch stösst diese schnell an ihre Grenzen.

Pulkerfassung möglich

„Die Lesegeräte erkennen immer nur ein einziges Tier in einer ganzen Gruppe“, erläuterte der Fachgebietsleiter Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der Universität Hohenheim, Thomas Jungbluth. Daher müssten bei der Erfassung die einzelnen Tiere jeweils von der Herde getrennt werden, was Stress verursache und dem Landwirt mehr Arbeit. Hinzu komme, dass die Lesereichweite der Geräte zu wünschen übrig lasse.

Bei der Ultra- Hochfrequenz (UHF) sei dies anders. Die Leiterin des Projektes „UHF-Tier-Erkennung“, Eva Gallmann, erklärte, dass damit die Pulkerfassung möglich werde, bei der man alle Gegenstände gleichzeitig erfassen könne. Ausserdem biete diese Technik, die bereits verbreitet in der Lagerlogistik eingesetzt werde, grössere Lesereichweiten und -geschwindigkeiten. In der Tierhaltung versprechen UHF-Systeme laut Gallmann viele Anwendungsmöglichkeiten und Zusatznutzen gegenüber der Niederfrequenz-Technik.

Überwachung von Trögen und Tränken

So liessen sich tiergerechtere Ställe bauen, da das Verhalten einzelner Tiere rascher erfasst und so auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden könne. Zudem werde das Management der tierindividuellen Fütterung und der Krankheitsfrüherkennung erleichtert. Es liessen sich Ressourcen wie Wasser, Futter und Medikamente sparen. Der Forschergruppe um Gallmann ist es auch gelungen, Störgrössen für die Signalübertragung wie Wasser, Metall oder die Bewegung des Tieres in den Griff zu bekommen.

So sei nun auch ein sogenanntes Hot-Spot-Monitoring möglich, mit dem die Aktivitäten an Trog, Tränke und Beschäftigungsmaterial überwacht werden könnten. Wenn ein Tier beispielsweise auffallend selten die Hot-Spots aufsuche, könne das etwa ein Hinweis auf eine Erkrankung sein, die kontrolliert werden müsse. Endgültige Projektresultate erwarten die Forscher bis Ende dieses Jahres.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE