Samstag, 28. November 2020
28.07.2020 11:08
Milchkühe

Hitze kann auf Klauen schlagen

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Von: sum

Eine tiefe Futteraufnahme bei Hitzestress kann bei Milchkühen zu subklinischer Klauenrehe führen. Gummimatten in Laufgängen können die Klauen entlasten. Laut DeLaval werden jedes Jahr mehr von ihnen verkauft.

Klauenprobleme bei Milchkühen sind seit einigen Jahren ein grosses Thema. «Das Hauptproblem im Klauengesundheitsbereich beim Milchvieh ist heutzutage Mortellaro», stuft Adrian Steiner von der Vetsuisse-Fakultät Bern die Situation ein.

Klauenrehe

«Seitdem mehr Mischrationen verfüttert werden, hat hingegen die Bedeutung von subklinischer Klauenrehe deutlich abgenommen, obwohl es sich weiterhin um die häufigste Form der Klauenrehe handelt.» Die Klauenrehe ist eine Entzündung der Lederhaut der Klaue, die extrem schmerzhaft sein kann. Das Problem: Sie kann auch subklinisch, also ohne sichtbare Anzeichen, auftreten. Sie tritt besonders bei tiefer Futteraufnahme durch Hitzestress auf.

Obwohl die Tiere erst nicht lahmen, schwächen Stoffwechselprobleme wie Pansenübersäuerung die Lederhaut (siehe Kasten «Zu sauer»). Fehlstellungen der Klaue und die Belastung durch harten Untergrund führen laut der deutschen Firma Kraiburg zudem zu Quetschungen der Lederhaut. Folgen sind  Sohlengeschwüre, Doppelsohlenbildung oder Weisse-Linie-Defekte. 

Zu Sauer

Die Pansenazidose, Folge von zu viel Kraftfutter und zu wenig Struktur in der Ration, ist eine Ursache der Klauenrehe. Der pH-Wert im Pansen sinkt,  schädliche Substanzen entstehen, die die Klauengesundheit negativ beeinflussen. Die Ration muss leistungsbetont und trotzdem wiederkäuergerecht sein, damit der Pansen nicht übersäuert. Besonders bei Hitze ist dies wichtig. Dann meiden die Kühe das Raufutter, weil bei dessen Verdauung Wärme entsteht.

Doch Raufutter sorgt dafür, dass im Pansen nicht zu rasch zu viele flüchtige Fettsäuren gebildet werden, wie es bei hohen Kraftfutter-Einzelgaben der Fall ist. Ketose erhöht das Azidoserisiko, da die Kühe weniger wiederkäuen und weniger Speichel in den Pansen gelangt, der eine puffernde Wirkung hat. Gute Silagen, Kartoffeln oder Maiskolbenschrot steigern den Verzehr. Pansenstabile Energie, Eiweisse und Fette werden erst im Darm abgebaut. Dort erzeugen sie weniger Wärme. sum

Jedes Jahr mehr verkauft

Gummiböden sollen, so Kraiburg, einen positiven Effekt bei subklinischer Klauenrehe haben, weil sie druckentlastend wirken und punktuelle Quetschungen der Lederhaut verringern. Zudem können sich betroffene Tiere besser bewegen und gehen häufiger zum Fressen – entscheidend für den Stoffwechsel und gesunde Klauen. 

In der Praxis setzen sich Gummiböden in Laufgängen deshalb mehr und mehr durch. «Es werden jedes Jahr mehr Gummimatten verkauft», bestätigt Felix Dawson von DeLaval. In der Schweiz bietet DeLaval die Gummi-Laufgangmatten von Kraiburg an. Sie sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich – auch mit Oberflächen mit dem Schleifmittel Korund. Dieses ergibt eine hohe Rutschsicherheit und unterstützt die korrekte Klauenform durch den Abrieb.

250 bis 900 Franken pro Kuh

Je nach Schweregrad kostet eine Lahmheit zwischen 250 und 900 Franken pro Kuh. Dieser Betrag beinhaltet den Zeitaufwand, die Einbussen bei der Milchleistung und die höheren Besamungskosten wegen der verminderten Fruchtbarkeit sowie – falls der Tierarzt gebraucht wird – die Tierarztkosten.

Muss die Kuh, die nicht trächtig wird, ausgemerzt werden, steigen die Remontierungskosten. Lahmheiten lassen die Milchleistung laut der Vetsuisse-Fakultät Bern im Schnitt um 1,5kg pro Tag einbrechen. Andere Studien gehen davon aus, dass bei einer mittelgradigen Lahmheit ein Milchverlust von 5,1 Prozent resultiert. Bei schweren Lahmheiten  gibt die Kuh  17 Prozent weniger Milch, in schlimmsten Fällen sogar 36 Prozent.  sum

Oft abschieben

Felix Dawson von DeLaval erklärt dazu: «Für einen guten Klauenabrieb werden 20 Prozent der Laufflächen mit diesen Pedikura-Matten verlegt. Eine sehr trittsichere und rutschfeste Matte, die im ganzen Lauf- und Fressbereich verlegt werden kann, ist die Profikura-Matte, die ebenfalls den Klauenabrieb gewährleistet. Vor dem Melkroboter empfehlen wir sie ganz besonders. Bei Neu- und Umbauten wählen immer mehr Landwirte eine ganzflächige Laufgangmatten- Lösung.»

Durch die sehr offenen und gut durchlüfteten Ställe sei aber ein grosses Augenmerk auf die Entmistung  zu richten, warnt Felix Dawson. Schmierschichten machen den Boden auch bei Gummimatten rutschig, und stehende Nässe und Kot auf den Laufflächen mindern den positiven Effekt von Gummi, da die Klauen durch längeres Stehen länger mit Mist und Nässe in Kontakt sind – eine Ursache von Mortellaro. Deshalb sollte man in Laufställen den Schieber häufig – bis zwölf Mal pro Tag – laufen lassen und auch bei Spaltenböden auf Sauberkeit achten. 

Keine Effekte auf Klauengesundheit

Kühe gehen laut einer Studie des Zentrums für tiergerechte Haltung von Wiederkäuern und Schweinen aus dem Jahr 2010 am liebsten auf einem weichen Boden. Milchkühe auf Gummibelag machten die längsten Schritte. Auf die Klauengesundheit hatte der Boden hingegen keinen messbaren Einfluss. Das Vorkommen von Blutungen im Klauensohlenhorn, von Klauensohlengeschwüren und von Mortellaro unterschied sich zwischen Gummi, Beton- und Gussasphaltboden nicht.

Risse in der weissen Linie und in der Wand waren bei den auf Gussasphaltboden gehaltenen Tieren etwas weniger häufig zu finden. Ballenhornfäule trat auf Betonspaltenboden seltener auf. Zudem  ist zu beachten, dass Kühe beim Einbau von  Gummiböden mehr Zeit stehend in den Stallgängen verbringen. Die Klauen kommen somit länger in Kontakt mit Kot und Harn – und feuchte Klauen sind anfälliger für Bakterieninfektionen wie Mortellaro. Deshalb können Gummimatten ihren Vorteil nur ausspielen, wenn der Schieber häufig läuft. sum

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