10.06.2016 07:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Alpauffahrt
Hoffen auf schönen Alpsommer
Tiefer liegende Alpen sind bestossen. In den nächsten Tagen finden überall in der Schweiz weitere Alpaufzüge statt. Trotz dem kühlen Maiwetter stimmt der Zeitplan – und die Hoffnung auf einen guten Alpsommer besteht.

Am 28. Mai zogen Toni und Reto von Moos aus Flühli-Ranft OW mit ihren 18 Original-Braunvieh-Kühen auf die Alp Schwand, eine Voralp. Später werden sie weiterziehen auf die Älggialp im Herzen der Schweiz. Trotz dem kühlen Maiwetter sei der Alpaufzug planmässig erfolgt, sagt Reto von Moos.

In höheren Lagen liegt noch Schnee

Allerdings habe es im Vergleich zu anderen Jahren wenig Gras, aber viel Schnee: «Wir sind aber zuversichtlich, dass es einen schönen Alpsommer gibt mit gutem Futter und viel Milch und dass alle Kühe im Herbst gesund heimkehren.» 

Wenig Gras und Schnee in höheren Lagen – diese Beobachtung macht auch Töni Gujan, Berater am Plantahof in Landquart GR: «Im Kanton Graubünden wurden erst wenige Alpen bestossen. Das Vieh weidet auf 1500 bis 1600m über Meer.» In Höhenlagen um 1900m liege noch einiger Schnee. «Ich gehe momentan davon aus, dass die Alpaufzüge im Schnitt fünf bis sieben Tage später erfolgen als in den Vorjahren. Damit das Futter im Sömmerungsgebiet wächst, muss die Temperatur steigen.»

Sonnseitig schön gewachsen

Auch in der Zentralschweiz stehen die meisten Alpaufzüge noch bevor. Adrian Arnold, Berater an der Landwirtschaftsschule Seedorf UR: «In den nächsten Tagen werden die Tiere vielerorts zBerg gehen, so beispielsweise auf dem Urnerboden.» Der Futterwuchs im Talgebiet sei hervorragend, aber über 1000 m über Meer habe bisher die Wärme gefehlt, so Arnold. «Im langjährigen Vergleich ist die Vegetation aber höchstens minimal verspätet.»

Ähnlich schätzt Hanspeter Graf vom Inforama Hondrich die Situation im Berner Oberland ein: «Die tiefstgelegenen Alpen auf 1000 bis 1200m über Meer sind seit zwei Wochen bestossen. Sonnseitig weiden die Kühe schon bis in eine Höhe von 1500m. Dort ist das Gras schön gewachsen.» Weiter oben und in Schattenlagen liege teilweise noch Schnee. «Bis man dort auffährt, wird es noch eine, zwei Wochen dauern.»

Problem Grossraubtiere

Jörg Beck vom Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) hofft, dass sich das Wetter nun bessert und die Sömmerung erfolgreich verläuft. Sorgen machen ihm die Grossraubtiere: «Dieses Jahr wird ein Schicksalsjahr für die Schäfer und Hirten. Gelingt es nicht, mit den vom Bund empfohlenen Massnahmen die Herden zu schützen, hat die Alpwirtschaft ein Problem. Dann muss die Koexistenzfrage neu gestellt werden.»

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