24.11.2018 12:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Horn in Form (3/4)
«Horn muss ins Jöchli wachsen»
Nun kurz vor der Abstimmung zur Hornkuhinitiative werden von Befürwortern und Gegnern alle Register gezogen. Selbst die simple Frage «Wie bringt man das Horn in Form?» bietet Anlass für rege Pro- und Kontra-Diskussionen. Ein Grund mehr, um genauer nachzufragen. Drei Landwirte, drei Kuhrassen, drei Vorstellungen von der idealen Hornform und drei Techniken zur Hornführung werden in diesem Dossier präsentiert. Im Dritten Teil dreht sich alles um Holzjöchlis und Simmentalerkühe.

«Es gibt verschiedene Arten zu jöcheln, und es wird verschieden gut gejöchelt», stellt Erwin Brügger, Simmentalerzüchter und Landwirt aus Wasen im Emmental  zu Beginn des Gespräches klar.

Jeder Landwirt habe seine eigene Art, das Horn in Form zu bringen. «Für mich ist ein Horn dann schön, wenn es eine gewisse Enge und Höhe hat», so Brügger. 

Holzjöchli sind weicher

Und um solche Hörner zu formen, setzt er auf Hornführer aus Holz. «Die  sind irgendwie weicher und natürlicher als Metaljöchli», begründet er. Rund 50 Holzhornführer besitzt Brügger. Hergestellt werden sie in Handarbeit von dem befreundeten Landwirt Hansueli Lanz aus Wasen im Emmental.

Zwischen 60 bis 70 Franken kostet eines, abhängig von der Grösse. Die Grösse eines Jöchli misst man innerhalb des Gestells, zwischen den beiden Hornschalen (siehe Bild).  Lanz stellt zwei verschiedene Sorten von Jöchli her. Die erste Sorte ist in  fünf Grössen (von 16 bis 20 Zentimeter) erhältlich, die zweite Sorte ab der  Grösse 18 aufwärts.

Hörner nicht einzwängen

Wenn die Hörner der Simmentalerkälber rund vier bis fünf Zentimeter lang sind – das Alter ist irrelevant, denn das Hornwachstum ist von Tier zu Tier verschieden – beginnt Brügger damit, das erste Jöchli anzulegen. In der Regel beginnt er mit der ersten Sorte und der Grösse 16.

Man müsse jedoch  flexibel sein und auf die Anatomie des Tieres eingehen – sprich  wenn nötig  schon zu Beginn  die Grösse 17 verwenden –, denn das Wichtigste ist der gute Sitz des Hornführers.  «Er darf nicht zu eng anliegen, aber auch nicht abfallen», erklärt Brügger.   «Das Horn muss in das Jöchli hineinwachsen können, und soll nicht hineingezwängt werden, es darf dem Tier nicht weh tun», so der Züchter. 

Bei obsigend wechseln

Wichtig ist danach die regelmässige Kontrolle des Jöchli. Wunde Stellen habe er mit seinen Holzjöchl bisher noch nicht gehabt, also weiterhin Holz anfassen. Er lasse den Hornführer lange an den Hörnern. Für Brügger heisst dass, bis die Hornspitzen drei bis vier Zentimeter aus dem Hornführer herausgewachsen sind. Danach nimmt er ihn ab und lässt die Hörner für sieben bis zehn Tage ohne Jöchli bis er dann das nächstgrössere Jöchli anzieht.

Wenn er die ersten drei Grössen (16–18) der ersten Jöchlisorte von Lanz durch hat, greift er auf die zweite Sorte und die Grösse 18 zurück. Dies ist zugleich auch das letzte Jöchli, das er einsetzt. «Ich habe gerne etwas enge Hörner», betont er noch einmal.  Wie auch bei allen anderen Grössen, lässt er die Hornspitzen auch bei dem letzten Jöchli bis zu 4 Zentimeter rauswachsen, bevor die Hornführung definitiv abgeschlossen ist.

Das Jöchli wird übrigens bei jedem Wechsel nur bei «obsigend» abgenommen. So würden die Hörner weiterhin nach oben wachsen.«Das ist kein  Aberglaube, der Mond hat einen grossen Einfluss», bekräftigt  Brügger.   Bis die Hörner seiner Tiere schön geformt seien, vergehe einige Zeit. Manchmal fast zwei Jahre. Rund vier verschiedene Jöchli trägt ein Rind in dieser Zeit.  

Es braucht Zeit 

Doch gelingt es jedes Mal, die Hörner in die gewünschte Form zu bringen? «Wenn man etwas richtig macht, dann kommt es gut», antwortet Brügger. Ganz am Anfang sehe die Form der Hörner jeweils nicht gut aus.

Aber es brauche Zeit und Geduld. «Mit meinen Holzjöchli ist es bis jetzt  fast immer gut gekommen», schmunzelt er. 

Genetisch abhängig

Wie gut das Formen der Hörner gelinge, sei jedoch auch abhängig von der Kuhlinie. «Es gibt Hörner, die sich einfacher formen lassen als andere, und das ist genetisch bedingt», erklärt der Landwirt. Einen Hornindex gäbe es zwar nicht, aber jeder Züchter wisse, welche seiner  Kuhlinien sich leichter jöcheln lassen.

Zudem könne man anhand der «Schüdälä» (Bereich zwischen den beiden Hörnern) abschätzen, ob sich ein Tier leicht oder schwer jöcheln lasse. «Tiere mit einer feinen Schüdälä lassen sich besser jochen», sagt Brügger. Hat ein Tier nun eine dicke Schüdälä, könne man es dennoch genauso jöcheln. Man müsse die Hörner und deren Entwicklung nur mehr im Blick behalten.

Wächst immer weiter

Und  was macht man nach dem letzten Jöchli mit den Hörnern? «Nichts, die Form ist nun gegeben und das Horn wächst immer weiter», meint  der Simmentalerfan.

Früher habe er die Hörner noch mit einer Raspel geraspelt, damit sie noch enger zusammen kommen. «Nun raspele ich nicht mehr. Ich finde,dass die Form mit dem Jöchli gut kommt.»  Im Alter, spätestens ab dem ersten Kalb sollte man, laut Erwin Brügger nichts mehr an den Hörnern der Kühe machen müssen.

 

Betriebsspiegel

Fläche: 30 Hektaren
Rasse: Reine Simmentaler
Tiere: 27 Kühe, 40 Stück Jungvieh (inkl. Zuchtstiere)
Betriebszweige: Milchproduktion (Dorfkäserei Sumiswald), Verkauf Zuchttiere
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, auf Abruf die drei Töchter mit ihren Familien. 

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