1.05.2020 12:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Zürich
«Ich kenne alle 170 Kühe mit Namen»
Alfred und Fredi Rüssli bewirtschaften einen Betrieb mit 170 Holsteinkühen mit einem Stallschnitt von 11'000kg Milch. Drei Melkroboter, ein Entmistungs- und ein Futterzuschieberoboter nehmen viel Arbeit ab.

Vater Alfred und Sohn Fredi Rüssli führen in Wetzikon ZH einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Grünland und Silomais. Letztes Jahr haben sie einen neuen Stall gebaut, der bezüglich Grösse und Ausstattung so vieles übertrifft. Er ist konzipiert für 170 Holsteinkühe mit einer Durchschnittsleistung von 11000kg Milch. 

Sechs Reihen Liegeboxen

Im hellen, enorm hohen Neubau finden sechs Reihen Liegeboxen Platz. Es sind keine Tiefstreuboxen, sondern Waben, gefüllt mit Sand und mit einer Häckselstrohauflage. Futter finden die Kühe an zwei Fressachsen, an denen aus den Fahr- und den Harvestoresilos eine Mischration mit Gras- und Maissilage, Rübenschnitzeln, etwas Luzerne und Mineralstoff sowie einem Kilo Eiweissfutter vorgelegt wird.

«Den Rest des Leistungsfutters gibts an einem der drei DeLaval-Melkroboter, es sind 110g pro Kilo Milch», erklärt Alfred Rüssli. Abgeladen an der Fressachse wird das Futter einmal pro Tag, der DeLaval-Futterzuschieber schiebt die Ration alle zwei Stunden zu – ausgenommen nach dem Abladen der Ration und in der Nacht, dann macht er vier Stunden Pause. Das Entmisten der Spaltenböden zwischen Liegeboxen, Fressachsen und Warteraum übernimmt ein Entmistungsroboter.

Neubau hat sich gelohnt

«Ich will nicht, dass die Kühe im Mist stehen», erklärt Alfred Rüssli die Kombination von Spaltenboden und Entmistungsroboter. «Wir sind sehr zufrieden mit den Robotern und dem Stall», betont er mehrfach. Kein Wunder, Familie Rüssli – neben Alfred sind dies seine Frau Trudi, Sohn Fredi mit Ehefrau Regula und die Enkel Roman, Fabian und Reto – hatte vor dem Stallneubau mit anderen Verhältnissen zu kämpfen.

«15 Jahre lang haben wir 160 Kühe mit einer Absauganlage hinter dem alten Stall gemolken», erzählt Trudi Rüssli, deren Aufgabe das Melken hauptsächlich war, «drei Stunden am Morgen ab halb drei Uhr und drei Stunden am Nachmittag.» 40 Kühe waren im alten Stall angebunden, 120 im Freilaufstall, davon 60 in Liegeboxen und der Rest auf Tiefstreue. 

«Der Aufwand des Stallneubaus hat sich gelohnt», sind sich Trudi und Alfred Rüssli denn auch einig. «Dank den Ersparnissen konnten wir uns den neuen Stall leisten. Wir haben jeden Franken selber bezahlt», versichert der Senior-Chef im grosszügigen Stallbüro. 

21 100'000er-Kühe

Er ist zuständig für die Anpaarungsplanung der Herde mit dem Präfix Ru Ro We – und in seiner Aufgabe sehr erfolgreich: Alfred Rüssli war 2016 Meisterzüchter von Holstein Switzerland, und Rüsslis hatten bereits 21 100'000er-Kühe, aktuell die Kuh mit der höchsten Lebensleistung bei Holstein Switzerland ist Ru Ro We Spock Sandra mit über 170'000 Kilo. 

Das Besamen der Kühe und die Klauenpflege übernimmt Fredi Rüssli, seine Frau Regula betreut das Jungvieh – ein reiner Familienbetrieb. Trudi Rüssli ist, seit sie nicht mehr sechs Stunden pro Tag melken muss, für die Überwachung der Roboter zuständig. «Ich kenne alle Kühe mit Namen», versichert sie, «auch wenn sie am Transponder eine Nummer tragen.» Und auch Alfred Rüssli kann den Namen jeder Kuh nennen.

Weide Tag und Nacht

Tagsüber und in der Nacht können die Kühe auf die Weide. Dank dem Selektionstor können sie jederzeit den Roboter aufsuchen. So kommt die Herde im Schnitt auf 2,5 Melkungen pro Tag – was genug Milch ergibt für den 20'000-Liter-Milchtank. Abgesogen wird die Milch alle zwei Tage, sie geht zu Emmi. Ein Teil der Milch wird für die Mast der Stierkälber gebraucht. Die Kuhkälber werden alle aufgezogen für die Remontierung und für den Verkauf. 

Abkalbebox für zehn Kühe

Gross dimensioniert ist auch die Abkalbebox, die mindestens zehn Kühen Platz bietet. Auf der anderen Seite des Melkzentrums ist ein Separationsraum  für Kühe, die zu besamen sind. Daneben steht der Klauenstand.

«Wenn eine Kuh nur leicht hinkt, kann ich sie auf dem Handy markieren, und wenn sie das nächste Mal den Roboter passiert, wird sie separiert. Dann gibts einen Alarm auf dem Handy, und man kann sie behandeln», beschreibt Alfred Rüssli den Ablauf. «So gibt es viel seltener lahme Kühe.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE