10.05.2015 06:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Holstein
Illens Atwood Australia nach Schottland verkauft
Illens Atwood Australia, amtierende Grande Championne der Junior Bulle Expo, ist nach Schottland ausgewandert. Sie ist ein typisches Beispiel für die wenigen Tiere, die heute noch exportiert werden können.

Eine der besten jungen Schweizer Holstein-Kühe hat vor etwas mehr als einer Woche die Schweiz in Richtung Britische Inseln verlassen. Illens Atwood Australia wurde nach Schottland verkauft, wie deren Züchter Jacques Rouiller aus Rossens FR bestätigt. Der Käufer heisse Colin Laird von der Blyth Farm in West Linton (Peeblesshire).

Bereits eingestuft

Seit ihrer Ankunft vor einer Woche sei sie bereits neu eingestuft worden. Nachdem die Zweitlaktierende in der Schweiz bereits VG 88 eingestuft worden war, hat sie in Schottland nun neu die Note VG 89. «Eigentlich ist Australia in allen Einzelpositionen exzellent eingestuft. Da aber in der 2.Laktation noch keine exzellente Gesamtnote möglich ist, hat sie die maximal mögliche Note VG 89 erhalten», betont Rouiller. Bereits im Juni werde Australia an der Nationalschau teilnehmen.

Zweite Atwood-Kuh

Zusammen mit Australia verliess noch eine weitere Kuh, Chollet-Star Atwood Tatiana von François und Frédéric Chollet, Vaulruz, die Schweiz. Tatiana hatte ebenfalls einige recht gute Rangierungen an Ausstellungen erreicht. Eine weitere, wenn auch schon etwas ältere Holstein-Zuchtkuh wird die Schweiz in der nächsten Zeit verlassen. Allenbach Marker Jamaika von Ruedi Allenbach aus Wiedlisbach BE wird zu Familie Scholten nach Holland exportiert. 

Allenbach: «Im Februar war eine Gruppe von Schülern bei uns. Ich wurde gefragt, ob ich Jamaika, die ehemalige Miss Junior Oberaargau, als Spülkuh zur Weiterzucht verkaufen wolle.» Da die Red-Marker-Tochter der bekannten Rubens Ingrid bei ihren zwei bisherigen Spülungen 24 und 16 Embryonen gehabt habe, könne er sie mit gutem Gewissen verkaufen. Die Holländer seien besonders an der roten Genetik, die die Rotfaktorträgerin Jamaika weitergeben könne, interessiert.

Erst kürzlich machte mit Jomagro Goldwyn Jasmin, die von Alex Gobeli, Saanen, nach Italien verkauft wurde, eine exportierte Holstein-Kuh Schlagzeilen. Bei der European Open Holstein Show 2015 im italienischen Montichiari wurde Jasmin Siegerin Alt.

Lebt Viehexport auf?

Wenn man diese Beispiele von teuer exportierten Schaukühen hört, könnte man also fast meinen, der bereits tot geglaubte Viehexport sei wieder am Kommen. Peter Bosshard von der Züchter-Service ZS AG, der unter anderen auch den Export von Atwood Australia abgewickelt hat, winkt ab: «Das sind alles nur Einzeltiere. Ich exportiere zwar jede Woche etwas. Aber es sind keine grossen Mengen.» Und es seien praktisch immer züchterisch gute Tiere, was man auch an den entsprechend hohen Preisen sehe.

Genau das Gleiche gelte auch für die Fleischrinderrassen: «Bei den Fleischrindern können nur absolute Spitzentiere exportiert werden, oftmals im Austausch mit Importtieren.»

AP wirft Schatten

Nur bei teuren Spitzentieren könne die Schweiz preislich mithalten. Bei durchschnittlicher Handelsware sei die Schweiz nach Abschaffung der Exportsubventionen preislich schlicht nicht mehr konkurrenzfähig. Dies, nachdem die öffentliche Hand hierzulande im Gegensatz zu anderen Ländern wie etwa Deutschland oder Österreich auch keine indirekten Hilfen in Form von Beiträgen für die Exportinfrastruktur und die Exportnebenkosten bezahle.

Laut Bosshard rückt neben den hohen Preisen ein weiteres Problem immer mehr in den Vordergrund: «Wir haben auch die Ware nicht. Neben dem Preis fehlt auch das Angebot.» Als Ursache ortet er hier die neue AP 14–17. «Die Abschaffung der Tierbeiträge und die generelle Extensivierung der Landwirtschaft führen dazu, dass weniger Vieh auf dem Markt ist», betont er.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE