26.04.2017 12:38
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Japan
Im Test: Kühlbody für Kühe
Es handelt sich um keinen Aprilscherz. Forscher einer japanischen Uni haben ein Hightech-Gewebe für Kühe entwickelt, dass die Hitze absorbiert und zugleich kühlend wirkt. Eine deutsche Forscherin ist hingegen skeptisch. Was halten Sie von dieser Tierkleidung? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Kühe fühlen sich in der Hitze unwohl. In Japan wird es aber im Sommer heiss und schwül. Alles andere als ein optimales Klima für die Rinder. Forscher des Agrar-, Forst- und Fischereizentrum in Kyoto haben zusammen mit dem Bekleidungsunternehmen Gunze ein Experiment gestartet, um hier Abhilfe zu schaffen.

Heisse Region

Kühlende Hightech-Unterwäsche wird in Japan bereits von Menschen verwendet. Nun soll auch für Kühe eine solche Funktionskleidung entwickelt werden. «Kyoto ist eine sehr heisse Region im Sommer», sagt Toshiyuki Yamaoka vom Livestock Technology Department gegenüber der deutschen Presse-Agentur dpa.

Mit dem Klimawandel werde es immer wärmer. Für die Holsteinrinder seien hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit eine Qual, so der Forscher. Zusammen mit Gunze, Bauern und dem Forschungsinstitut wurde der «Ushiburu» entwickelt. Das Textilgewebe mit kühlender Wirkung wurde mit Sensoren versehen, die die Temperatur, Blutdruck und andere Parameter messen.

Überdimensioniertes T-Shirt

Mit dem angeschlossen Befeuchtungssystem wird der Stoff benetzt. Das soll eine Kühlung bewirken. Gesteuert wird das System durch die implementierten Sensoren. Der Kühlbody sieht aus wie überdimensioniertes T-Shirt. Gemäss den Forschern soll das Gewebe bei den Kühen keinen Stress auslösen.

Aber weshalb wurde überhaupt ein solcher High-End-Produkt entwickelt? «Die Bauern setzen Ventilatoren und Vorhänge ein, um die Tiere vor der Hitze und der Sonne zu schützen. Doch das reicht nicht mehr aus», so Yamaoka. Die Milchbauern würden in den Kühlbody viel Hoffnung setzen, so der Forscher weiter.

Anwendung wohl kaum praxistauglich

Weniger überzeugt vom Kühlbody ist Nicole Kemper, Leiterin vom Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. «Ich glaube nicht, dass sich das sehr zum Tierwohl auswirken wird», sagt sie der dpa. Das Shirt bedecke nur einen kleinen Teil des Körpers, der Effekt sei daher bescheiden. Besser sei es, die Temperatur im Stall zu senken.

Sie spricht dem Kleidungsstück die Praxistauglichkeit ab. «Bei der Anwendung ist es im Bereich Quatsch einzuordnen», macht Kemper deutlich. Die Forschung dahinter sei aber interessant. Vor allem Sensoren, die am Tier direkt Körperfunktionen messen und teilweise medizinische Massnahmen ersetzten, könnten sinnvoll sein.

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