3.11.2015 06:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
TVD
Immer mehr Ersatzohrmarken
Innerhalb von nur zwei Jahren ist die Zahl der benötigten Ersatzohrmarken für Rinder um 30 Prozent gestiegen. Das kostet die Bauern mehr als eine Million Franken pro Jahr. Der Bauernverband fordert, dass Ersatzmarken gratis sind.

252'898 Ersatzohrmarken für Rinder, jeweils für ein Ohr, wurden im Jahr 2014 nachbestellt. Zwei Jahre früher waren es mit 192'609 noch deutlich weniger gewesen. Das kommt die Schweizer Bauern teuer zu stehen. Weit mehr als eine Million Franken müssen sie jährlich dafür auslegen. Denn jede Ersatz-Einzelohrmarke kostet 2.50 Fr. für Material und  die Tierverkehrsdatenbank (TVD) plus diesselbe Summe für den Versand im gepolsterten Couvert.

Identitas: Liegt in der Norm

Für die Identitas AG, welche die TVD betreibt, ist die Anzahl der nötigen Ersatzohrmarken nicht hoch. Sie liege im Bereich der geforderten Norm, erklärt sie auf Anfrage. Bis 2012 seien für das Ausrottungsprogramm der Bovinen Virusdiarrhoe (BVD) Gewebeprobeohrmarken eingesetzt worden. Per Ende 2012 sei der Lieferant gewechselt worden, von Allflex zu Caisley.

Bei einer Umfrage im Jahr 2014 stellten laut Identitas zwei Drittel der befragten Tierhalter beim Material keinen Unterschied fest. Aber es zeigte sich, dass ein Drittel der Tierhalter nach wie vor die Allflex-Zange einsetzt. «Dies kann zur Beschädigung der Ohrmarke oder zu einer nicht korrekten Position des Dornteils im Lochteil führen», so die Identitas.

Tierfreundliche Systeme erhöhen Risiko

Als zweiten Grund vermutet sie, dass die von 2009 bis 2012 eingesetzten Gewebeprobeohrmarken durch das Stanzwerkzeug im Dornteil etwas schwächer gebaut seien und dies nun nach vier bis fünf Jahren im Rahmen der Materialalterung zu einer Erhöhung der Ausfallrate führe. «Dass die Ohrmarken mit dem Stanzwerkzeug leichter als die Standardohrmarke herausfallen, war bei der Produktwahl 2007 nicht absehbar», heisst es. 

Drittens verweist die Firma auf die heutigen tierfreundlichen Haltungssysteme, die das Risiko erhöhen, dass das Tier mit der Ohrmarke hängen bleibt. In diesem Fall müsse die Ohrmarke brechen. 

SBV: Ohrmarken kostenlos abgeben

Für Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband sind die Ausfallraten der Ohrmarken zu hoch. Mit dem Wechsel des Lieferanten habe sich die Situation noch verschlechtert. Das Thema sei in der Fachkommission Viehwirtschaft traktandiert. «Bereits vor fünf Jahren haben wir gefordert, dass Ersatzohrmarken kostenlos abgegeben werden», so Rufer.

Die Identitas verweist darauf, dass das Bundesamt für Landwirtschaft über die Vergabe des Ohrmarkenlieferanten entscheide und der Preis für die Ohrmarken in einer Verordnung des Bundes geregelt sei.

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