20.08.2017 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchproduktion
Immer öfter: Hochleistung und GMF
Eine Top-Milchleistung ist nicht mit der graslandbasierten Milchproduktion vereinbar. Diese Meinung gilt es zu revidieren. Denn immer mehr Betriebe beweisen: Einem 9000er-Stallschnitt und GMF steht nichts im Weg.

Was bringt das Programm der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF), welches mit der AP 14–17 eingeführt worden ist? Dieser Frage ging das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nach und gab eine entsprechende Studie bei Agroscope in Auftrag. Die Resultate wurden nun publiziert.

Berggebiet und Bio

Die Auswertung zeigt teils wenig Überraschendes. Zum Beispiel, dass im Jahr 2015 die GMF-Beteiligung mit über 90 Prozent im Berggebiet viel höher war als im Tal mit 57 Prozent. Auch wenig erstaunt die Tatsache, dass fast alle Biobetriebe an GMF teilnehmen. Bei 95 Prozent liegt hier die Quote. Gar fast 100 Prozent aller Mutterkuhhalter erfüllten 2015 GMF. Über alle Betriebe gesehen erfüllten in den Jahren 2014 und 2016 durchschnittlich rund 75 Prozent die Anforderungen an eine graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion.

Besonderes Augenmerk legt das BLW auf die ausgewerteten Zahlen von Milchviehbetrieben. Sie waren es, die sich seit 2014 im Besonderen bewegen mussten, um den Beitrag auslösen zu können. 2015 beteiligten sich gut 87 Prozent der Verkehrsmilchbetriebe an GMF. Dies sind allerdings leicht weniger als 2014. Naturgemäss erfüllen dabei Betriebe mit einer niedrigen Milchleistung (kleiner als 6000 kg/Kuh und Jahr) zu über 90 Prozent die GMF-Bedingungen.

Kaum weniger Silomais 

Ebenfalls bemerkenswert: Zwar beteiligen sich Milchviehbetriebe mit einer Durchschnittsleistung von über 9000 kg klar unterdurchschnittlich am GMF-Programm (2014 rund 26%). Doch sind es ausgerechnet solche Betriebe, die sich anteilmässig immer besser an die entsprechenden Bedingungen anzupassen scheinen. 2015 erfüllten bereits rund 45 Prozent der Hochleistungsbetriebe GMF. Gemäss Studie haben Milchbetriebe das Wiesen- und Weidefutter in der Ration aber kaum erhöht, um GMF zu erfüllen. Eher schränkten sie ihren Kraftfuttereinsatz zunehmend ein. Kaum angepasst wurde der Anteil Silomais.

Und so urteilt das BLW, dass mit dem Beitrag die professionelle Graswirtschaft effektiv unterstützt und der Einsatz von Kraftfutter in der Wiederkäuerhaltung begrenzt wird. Als allgemeine Erkenntnis zu erwähnen bleibt, dass eine grosse Mehrheit der Landwirte die jüngst eingeführten Programme gar nicht versteht. Unabhängig, ob sie sich an GMF beteiligen oder nicht, gaben fast drei Viertel der befragten Betriebsleiter tatsächlich an, dass die Neuerungen im Zuge des Gesamtpakets Agrarpolitik 2014–2017 schwer verständlich sind.

Kontrollen im Fokus

Ein uneinheitliches Bild zeigt sich bei der Einschätzung der benötigten Büroarbeiten. Je nachdem, ob sich ein Betrieb an GMF beteiligt oder nicht, wird der administrative Aufwand für das Programm unterschiedlich eingeschätzt. Betriebe, die teilnehmen, schätzen den Aufwand als viel tiefer ein als solche, die sich nicht beteiligen. 

Aufgrund des Berichtes soll nun das Programm weiterentwickelt werden. Das BLW beruft dazu eine Arbeitsgruppe ein. Dabei auch in Fokus geraten dürften die Kontrollen von Futter- und Nährstoffbilanzen, welchen in den Studien kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. «Als grossen Schwachpunkt des GMF-Programms führt die Evaluation die Kontrollierbarkeit der Auflagen und insbesondere des deklarierten Kraftfuttereinsatzes auf», so das BLW. 

«GMF führt zu höherem Milchpreis»

Die durch das BLW in Auftrag gegebene und durch Agroscope durchgeführte Studie untersuchte unter anderem auch den Zusammenhang zwischen der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF) und dem Milchpreis. Dabei kommt die Forschungsanstalt des Bundes zum Schluss, dass das GMF-Programm tatsächlich zu einer verlangsamten Zunahme der Milchleistung je Kuh und damit zu einer Reduktion der vermarkteten Milchmenge führt. «Diese Effekte wirken sich vor allem mittel- bis langfristig positiv auf den Milchpreis in der Schweiz aus», schreibt Agroscope. Das BLW seinerseits kommentiert diese Aussage umgehend kritisch. «Die Einflüsse auf den Milchpreis sind vielfältig und unterstehen einem ständigen Wandel, welche sich nur vage modellieren lassen.» rab

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