15.04.2019 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälbermast
IP-Suisse setzt auf Freiluftkalb
Mit dem Freiluftkalb-Konzept – der Mast in überdachten Grossraumiglus – können Antibiotikaverbrauch und Sterblichkeit reduziert werden. IP-Suisse will das Konzept ab 2020 umsetzen – wenn der Markt mitmacht.

Den Antibiotikaeinsatz in der Kälberhaltung verringern – das ist ein Ziel, das auch IP-Suisse verfolgt. Die Vetsuisse-Fakultät Bern hat dazu den Versuch «Freiluftkalb» durchgeführt.

Von 75 auf 15 Prozent

«Wir haben über 1900 Kälber untersucht», erklärt Jens Becker von der Vetsuisse-Fakultät, der die Studie zusammen mit Mireille Meylan durchgeführt hat. «Auf 19 Betrieben wurden die Mastkälber ein Jahr lang direkt vom Geburtsbetrieb zugekauft und nach einer Quarantäne in Einzeliglus für die Mast in Zehner-Gruppeniglus eingestallt. Der Auslauf dieser Iglus war überdacht.» Die Haltung wurde mit 19 IP-Suisse-Betrieben mit Stallhaltung und unüberdachtem Auslauf verglichen. 

Becker zu den Ergebnissen: «Dank dem Freiluftkalb-Konzept konnte der Antibiotikaeinsatz in den Freiluftbetrieben im Vergleich zu den Kontrollbetrieben von 75 auf 15 Prozent der Kälber reduziert werden, und die Sterblichkeit wurde um das Zweifache auf noch 3 Prozent gesenkt. Bei den Tageszunahmen sahen wir keinen Unterschied.» Damit habe man das Ziel erreicht, ein Managementkonzept für die Kälbermast zu entwickeln, das den Antibiotikaeinsatz um die Hälfte reduziere, ohne die Tiergesundheit zu gefährden. Hauptgrund für Antibiotikabehandlungen von Mastkälbern sind Lungenentzündungen. 

Nur bei Entschädigung von Markt

IP-Suisse will das Freiluftkalb nun in die Richtlinien aufnehmen. Niklaus Hofer von IP-Suisse: «Wir sind überzeugt, dass das System die Kälbermast der Zukunft ist.» Bezüglich Zeithorizont spricht Hofer vom IP-Suisse-Kalb 2020+. Er betont aber: «Da es sich aber nicht nur um eine neuartige Stalleinrichtung handelt, sondern um ein System, braucht es für die Umsetzung mehrere Schritte.»

Dazu gehörten die Einführung eines Punktesystems zur Bewertung von gesünderen Kälbern. Klar sei: «IP-Suisse setzt das Freiluftkalb-Konzept nur um, wenn es eine Entschädigung vom Markt für diesen Mehrwert gibt.» Und Hofer nimmt den Bund mit der AP22+ in die Pflicht: «Das Freiluftkalb-Konzept ist nicht Raus-berechtigt. Das muss sich ändern.» Andreas Schmidli vom Migros-Genossenschafts-Bund ist offen: «Die Erkenntnisse sollen nun genutzt und in die Praxis implementiert werden.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE