20.02.2015 10:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Aargau
«Jeder Fehler reduziert die Leistung»
Von der Praxis – für die Praxis. So lautet der Slogan der Villstar GmbH. Keine leeren Worte, denn Firmenchef Paul Villiger und seine Mitarbeitenden haben einen nahen Bezug zur Tierhaltung – und sind schon zehn Jahre im Geschäft.

«Kühe füttern ist eine Präzisionsarbeit», so die klare Botschaft von Paul Villiger. Er weiss das, denn wie er selbst müssen seine Kühe fit sein, um den harten Anforderungen des Alltags genügen zu können. Schon seit Jahren weist seine Herde einen 10'000er-Schnitt auf. Die Leistungsfähigste, eine Bolton-Tochter, peilt gerade die 20'000-kg-Grenze an.

Praxisnah muss es sein

Was aber, wenn der Wurm drin ist? Das war vor zehn Jahren der Auslöser, dass Paul Villiger begann, Ergänzungsfutter nach eigenen Rezepten zu mischen. Nach einem Fachartikel in dieser Zeitung hatte er plötzlich einen neuen Job. Andere Züchter, die hochleistende Kühe im Stall haben,  fragten nach seinem Rat, setzten die Villstar-Produkte ein, die zu einem wichtigen Standbein seines Betriebs wurden. 

An seinen Kühen habe er ausprobiert, was funktioniert. «Tierernährung muss man immer ganzheitlich sehen. Es geht nicht darum, möglichst viel aus einer Kuh zu pressen, sondern ihr genetisches Potenzial möglichst optimal abzurufen. Jeder Fehler, den ich mache, sei es in der Fütterung, beim Tierwohl oder im Management, reduziert die Leistung», ist er überzeugt.

Die Villstar-Herde

Der Betrieb Kleinmatt befindet sich in der vierten Generation der Familie Villiger. Er umfasst rund 75 Hektaren Nutzfläche. Im  umgebauten und erweiterten Laufstall stehen rund 120 Kühe und 150 Aufzuchtrinder der Rasse Holstein. Der Herdenschnitt beträgt rund 12'360 kg Milch. Die durchschnittliche Tagesmilchleistung liegt bei knapp 40 kg bei dreimaligem Melken. Die Fütterung erfolgt in Leistungsgruppen mit ganzjähriger Totalmischration. Bewährte Stiere sind Outside, Sanchez, Bolton und Shottle. ral

Häufig gemachte Fehler

Das beginne schon mit der Grundfutterqualität. Sauber arbeiten, genügend Strukturanteil, den Boden nicht aushungern. «Die Mischration dient dazu, die Ration zu optimieren, und nicht dazu, schlechte Ware zu verstecken.» Oft beobachte er, dass die Energiedichte in der Startphase nicht stimme, der Pansen überfordert werde, sei es mit Zucker oder Eiweiss. Häufig würden in der Galt- und Transitphase Fehler gemacht.

«Die Laktation beginnt mit der Galtphase», ist er überzeugt. Oft würden Galtkühe zu gut und nicht in Gruppen gehalten. Auch zu restriktiv sei gefährlich. «Eine Kuh darf dann nicht abmagern.» Wichtig sei, den Appetit zu erhalten. Kurz vor dem Kalben breche der TS-Verzehr zusammen. «Die Ketose ist oft schon vor dem Kalben da», stellt er fest.

Jeder Viehhalter müsse eine Strategie für seine Herde festlegen. «Dann heisst es entscheiden, beobachten, Geduld haben, es durchziehen, mit einem klaren Ziel im Fokus. Das dauert sicher fünf Jahre, bis man alle Ergebnisse sieht. Viele haben aber die Geduld nicht und stellen vorher schon wieder um. Das bringt nichts», so Villigers klare Worte.

Noch viel Potenzial da

Die Kuh von heute sei funktional besser geworden, stellt er fest. Villiger ist überzeugt, dass die hochleistende Kuh besser rentiert. Er rechnet vor: «Wenn ich die Leistung einer Kuh bei einem Milchpreis von 50 Rappen von 6'000 kg auf 12'000 kg steigern kann, davon 1000 Franken in die Leistungssteigerung investiere, bleibt mir immer noch ein Mehrertrag von 2000 Fr. Oder wenn ich die Lebensleistung von 25'000 kg verdoppeln kann, halbiert dies die Aufzuchtkosten.»

10 Jahre Erfolg

Am 1. März feiert die Villstar GmbH ihr 10-Jahre-Jubiläum. Sie betreibt für ihre auf den Betrieb abgestimmten Produkte keine Aktivwerbung, sondern hat praxiserfahrene Berater im Aussendienst. An der Tier& Technik in St. Gallen ist Villstar in der Halle 2.1 Stand-Nr. 55 präsent. Villstar Golden Dream Maria (geboren 17. 9. 2014) wird verlost. Sie stammt aus Villstar Shottle Magdalena und Stormatic Miranda mit 76'006 kg Lebensleistung Mutter Miranda weist in der 2. Laktation 14'077 kg Milch, 4,11% Fett, 3,03% Eiweiss und ist mit VG 87 eingestuft. ral

Das Leistungspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. 15'000 kg Laktationsleistung sind möglich, mit nach oben offener Grenze. Doch nur eine gesunde Kuh kann viel leisten – und sie hat immer recht, nicht wir.» Die genetischen Fortschritte überholten jedoch oft das Wissen der Bauern. «Das kann teuer werden, und die Motivation geht verloren.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE