2.06.2017 18:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Andy Kocher, lid
Viehzucht
Jongleur Elisa: Eine Ausnahmekuh
Es gibt kaum einen Züchter oder Aussteller, der in den letzten 20 Jahren so konstant vorne an den Schauen anzutreffen war wie die Familie von Adrian und Andrea Arpagaus. Der aktuelle Star ist ausser Frage Jongleur Elisa. Sie wurde an der Bruna 2017 zum siebten Mal in Folge zur Champion gekrönt.

Der Viehzüchter aus Falera ist momentan omnipräsent. Egal von welcher Ausstellung gesprochen wird. Stellt Arpagaus seine Kühe zur Schau, braucht man ein absolutes Bijou um sie zu schlagen. Diese Erfolgswelle begann im Jahr 1998 mit Starbuck Tina.

Danach folgten Sesam Leonie, Amaranto Etruschka, Jolden Musteila, Macario Murielle, Whiskey Malibu, Brookings Elsa, Blooming Elsi, Astro Lucinda und natürlich "la grande dame", wie sie Arpagaus' nennen: Jongleur Elisa.

"Fantastische Kuh"

Jongleur Elisa Ex 96 (Euter Ex 97) ist eine Ausnahmekuh. Wenn man Preisrichter und Chefexperte Stefan Hodel zuhört, widerspiegelt Elisa genau das Zuchtziel der modernen Braunviehkuh. Mit den Worten: "Fantastische Kuh, welche europaweit gewinnen kann", wurde Elisa der siebte Championtitel in Folge zugesprochen. Doch was steckt hinter diesen Erfolgen?

Elisas Mutter, Wurl Elke Ex 93 (Euter Ex 94), kaufte der Viehhändler Arpagaus an einem Viehmarkt in Casis als zweijähriges Rind. Elisa war das zweite Kuhkalb dieser rahmenstarken und mit einem hervorragenden Euter ausgestatteten Kuh, welche schon über 78'000 kg Milch geleistet hat. Sie wurde nach einem erfolglosen ET- Versuch bei der ersten Besamung mit x-Blooming wieder trächtig und steht zum heutigen Zeitpunkt trocken.

Gute Genetik züchten

Elisas ältere Schwester Agio Emilia Ex 93 (Euter Ex 96) hat ihre 5. Laktation mit 13'101 kg soeben abgeschlossen. Blooming Elsi konnte man dieses Jahr schon mehrere Male an Ausstellungen bestaunen. Ihr grösster Titel war der Schöneutersieg anlässlich des Bündner Braunviehtags bei den jungen Kühen. Weitere Schwestern von Present und Jenor bestechen durch ihre enorme Leistungsbereitschaft und hervorragenden Euteranlagen.

Elisas Vollschwester, Jongleur Erika, wurde anlässlich der IGBS- Auktion im Jahr 2016 ins Toggenburg verkauft. Ein Verkauf, welchen Andrea noch heute schmerzt. Adrian wollte mit dieser Geste aufzeigen, dass es sich lohnt, gute Genetik zu züchten und auch zu verkaufen. Als Rind hätten sie Elisa mehrmals verkaufen können, erzählt Andrea. Die Freude an diesem Spitzenrind war aber zu gross. Sie zu behalten, war guter Entscheid, wie sich heute zeigt.

Elisas Erfolge

Die speziellsten Siege waren wohl die anlässlich der Swiss Classic 2015 und der IGBS- Ausstellung im Jahr 2017. Beide Male kalbte Elisa erst rund drei Wochen vor der Schau. Eine Kuh nach so kurzer Zeit in Topform zu präsentieren, ist fast unmöglich. "Elisa ist für die Schauen gemacht. Sie fühlt sich jedes Mal sofort wohl, frisst gut und präsentiert sich im Ring wie eine Diva." Zur Schauvorbereitung wird den Kühen zusätzlich zur Mischration viel Heu gefüttert. Somit können sie ihr Körpervolumen behalten. Ansonsten müssen sich die Kühe jeden Tag in der grossen Herde, ohne Spezialbehandlung, behaupten.

Elisa wurde bei ihrem letzten Sieg an der BRUNA lediglich 9 Stunden vor dem Einmarsch in die Abteilung gemolken. Dies beweist, wie leistungsstark sie ist. Mit einer durchschnittlichen Leistung aus vier Laktationen von 10'342 kg und einer Lebensleistung von 48'407 kg wäre die selber gezüchtet Kuh möglicherweise eine Stierenmutter. Deshalb begann Adrian diese fruchtbare Linie genomisch zu testen.

Ihre Nachkommen

Elisas Grischa Star-Tochter Enya weist bezüglich den Eutern einen DGZW (direkter genomischer Zuchtwert) von 135 auf. Das Kalb ist für sein Alter sehr gut entwickelt und besticht durch einen sehr feinen Knochenbau. Das Testresultat der Biver-Tochter Enissa wartet Arpagaus noch ab. Die älteste Elisa-Tochter ist die wunderschöne Astro Escada G+84. Die Anpaarung mit Astro stammt von Andrea wie Adrian betont.

Escada startete nach einem Überwurf nicht sehr gut in die Laktation und wurde daher noch nicht ausgestellt. Da sie sich jedoch sehr gut erholt hat, haben schon einige Landwirte ihr Kaufsinteresse bekundet. Ein nächstes Ziel der Familie Arpagaus ist, Elisa als Stierenmutter zu nutzen. Daher wird ihre Genetk über Embryotransfer mit Bender (Biver x Payssli) vermehrt.

Den Fokus auf die gesunde Kuh legen

Da die Ausstellungen sehr viel Aufwand geben, ist Adrian froh, dass er junge Helfer im Hintergrund hat, welche die Tiere während der Schau immer hervorragend umsorgen. Spricht Adrian von den Jungzüchtern, treibt es ihm das Wasser in die Augen. "So beherzt wie Jungzüchter von heute die Tiere vorbereiten und an den Ausstellungen präsentieren, waren die Jungen zu meiner Jugendzeit nicht". Es ist sicher nicht der gute Milchpreis oder das politische Umfeld, welche den jungen Landwirten eine vielversprechende Zukunft in der Branche aufzeigen. Es ist die Freude und der Enthusiasmus, welcher ein junger Landwirt mitbringen muss, um im harten Preiskampf durchzuhalten.

Und diese Freude merkt man Andrea und Adrian an, sobald sie von der Viehzucht sprechen. In der Züchterstube über dem Kälberstall sind alle vier Wände mit Trophäen, Preisen und Fotos tapeziert. Das grosse Fenster, welches einen Blick in den wunderschönen Laufstall ermöglicht, widerspiegelt auch die Philosophie der Viehkenner. Der Fokus muss trotz grossen Erfolgen auf die gesunde und leistungsfähige Kuh im Stall gelegt werden.

Betriebsspiegel


Arpagaus Adrian, Via Fuorns 53, 7153 Falera

Bergzonen 2 + 3 

Lage: 1220 Meter über Meer

Betriebsgrösse: 

56 ha landw. Nutzfläche, davon 1,8 ha Mais, 0,7 ha Kunstwiese

Tierbestand: 

50 Kühe, 60 Stk. Jungvieh

Lieferrecht: 

Mooh 400'000 kg zu 57 Rp. 

Alpkäse ca. 1000 kg welcher zu 15 bis 16 Franken pro kg selber verkauft wird (ein Teil wird auch über Coop vermarktet)

Fütterung Kühe:

TMR: 1/3 Grassilage, 1/3 Maissilage,1/3 Heu

Ausgleichsfutter Soja/Raps und Getreidemischung

Im Roboter: Leistungsfutter max. 4 Kg

Betriebsdurchschnitt:

Ø 48 Kühe, 9'127 kg 

Aktuelle Besamungsstiere:

Alino, Biver, Blooming, Salomon, Vileno, Calvin, Grischa Star, Lennox, Phil, Haegar, Sinatra, Benno, Blüem Boy

Aufstallungssystem Kühe:

Boxenlaufstall mit Lely-Melkroboter

Spezielles

• Adrian ist seit 25 Jahren Alpmeister auf der Rinderalp Dado in Falera

• Viehhandel Rund 100 Stk./ Jahr

• Viehverkauf aus eigener Zucht rund 15 Stk. / Jahr

• Ausmastkühe im alten Stall

• Photovoltaik 100 KW

Arbeitskräfte:

Adrian und Andrea Arpagaus

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