11.04.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Forschung
Kälbermast mit Mehrwert
Kälbermast an Müttern und Ammen bringt gemäss einem Forschungsprojekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) Mehrwerte für Tiere und Landwirte. Die Resultate sollen weitere Betriebe dazu ermutigen, auf dieses System umzusteigen. -> Mit Videos

Biobauer Gregor Blattmann äussert sich positiv zur Kälbermast an Müttern und Ammen. «Es stimmt für die Kälber, es stimmt für die Kühe, es ist wirtschaftlich. Wir haben Freude an diesem System, und es passt für uns», lässt er sich in der Mitteilung des FiBL zitieren. Blattmann bewirtschaftet einen Betrieb mit dreissig Hektaren Grünland in Sihlbrugg ZG. Gut vierzig Kühe sind in seinem Stall. Sechs davon sind Ammen, die seine Kälber säugen.

Gute Fleischqualität

«Das System hat uns zusätzliche Lebensqualität gebracht, weil der Aufwand abgenommen hat», hält der Biobauer fest. Auch das gegenseitige Besaugen der Kälber und Rinder habe aufgehört, erklärt er. Diese Entwicklungsstörung kann zu bleibenden Euterschädigungen führen, herrührend aus Zitzenverletzungen im Kälberstadium.

Metzgermeister Christian Rogenmoser aus Baar ZG, der Kälber von Blattmanns Betrieb entgegennimmt, zieht ein postives Fazit: «Fett- und Fleischqualität sind super. Wir merken, dass ein Kalb von Anfang an das bekommt, was es braucht – Milch.» Zwanzig Biobetriebe mit Kälbermast an Müttern und Ammen hat Projektleiterin Claudia Schneider vom FiBL-Departement für Nutztierwissenschaften in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des gemeinsamen Projektes mit Coop untersucht. «Diese Haltungsform hat grosses Potenzial», ist sie sich sicher.

Haltungssystem individuell einrichten

«Mit der Biokälbermast an Müttern und Ammen erzielen wir grosse Fortschritte beim Tierwohl», zeigt sich auch Lukas Müller, Projektverantwortlicher seitens Coop, überzeugt. «Das entspricht mitunter dem Wunsch von Kunden. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass es möglich ist, in diesem tierfreundlichen System qualitativ hochwertiges Fleisch zu produzieren», so Müller.

Ammengebundene Kälbermast und -aufzucht  

Auf dem Gemischtbetrieb der Familie Blattmann in Sihlbrugg/ZG wird Biokäsereimilch produziert. Alle Kälber bleiben auf dem Betrieb und werden durch Ammen aufgezogen. Die nicht zur Nachzucht benötigten Kälber werden gemästet. Die Ammen laufen in der Milchviehherde mit, werden aber nicht gemolken, sondern treffen zweimal am Tag die Kälber.

«Die grundlegenden Fragen der Bäuerinnen und Bauern zu diesem Haltungssystem werden nun in einem Leitfaden beantwortet», erläutert Claudia Schneider das weitere Vorgehen. «Die Bäuerinnen und Bauern können das Haltungssystem individuell einrichten, je nach ihrem Betrieb, ihrem Stall und ihren Tieren», erklärt sie weiter. Eine wichtige Voraussetzung für dieses System ist das Beobachten der Tiere. «Zum Beispiel, ob die Euter der Mütter und Ammen nach dem Säugen geleert sind und ob die Kälber nach kurzer Zeit bereits wieder nach Milch verlangen», sagt Claudia Schneider.

Breites Interesse

Auch Bio Suisse sowie Mutterkuh Schweiz zeigen Interesse an den Resultaten. «Wie dieses Haltungssystem, das vor gut zwei Jahren noch eine Nische darstellte, in Zukunft noch stärker gefördert werden und Verbreitung finden kann, wird derzeit abgeklärt», erklärt FiBL-Beraterin Claudia Schneider.

Kälbermast und Remontenaufzucht an Ammenkühen 

Die Familie Kobel aus Trubschachen/BE bewirtschaftet auf dem Betrieb «Alpetli» in Trubschachen im Emmental einen 17 Hektaren grossen Biobetrieb mit Ammenkühen. Zu den eigenen Kälbern werden Kälber von Partnerbetrieben zugekauft und mittels Ammenkühen gemästet oder als Mastremonten aufgezogen. Durch die Kombination der Mast mit der Remontenproduktion kann auf die Marktnachfrage reagiert werden, und die Milch kann flexibel eingeteilt werden.

«Wichtig ist eine angepasste Genetik, ein gutes Management und genügend Milch für die Kälber», folgert Lukas Müller. Er sagt: «Mit den positiven Erfahrungen der Bio-Betriebe, die am Projekt teilgenommen haben, und den gewonnenen Informationen haben wir jetzt eine gute Grundlage, um weitere Betriebe über mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht zu informieren.»

Muttergebundene Kälberaufzucht und -mast 

Die muttergebundene Aufzucht und Mast der Kälber wird auf dem biodynamischen Milchbetrieb der Familie Huber aus Renan/BE so organisiert, dass die Kälber den halben Tag bei den Kühen sind, auf der Weide oder im Winter im Laufhof. In der Nacht sind die Kälber separat im Kälberstall untergebracht. Die Kühe werden am Morgen gemolken und nur bei Bedarf auch am Abend.

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