4.02.2019 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz
Milchproduktion
Käsereimilch vom Roboter – das geht
Melkroboter melken nicht nur schonend, sondern sie unterstützen den Landwirt dabei, die Milchqualität und die Gesundheit der Kühe zu überwachen. Ausschlaggebend ist schliesslich das Management.

Die Betriebsgemeinschaft Brühlmann-Brunner in Zihlschlacht TG hat Anfang 2017 einen neuen Stall mit 90 Liegeboxen und mit zwei Lely-Melkrobotern bezogen. Die tierindividuelle Analyse der Milch durch den Roboter bietet den Betriebsleitern eine gute Kontrolle sowohl der Milchqualität als auch der Tiergesundheit.

Keine schlechtere Milch

Seitdem die Sortenorganisation Le Gruyère AOP beschlossen hat, nur noch die Milch der aktuellen Lieferanten mit Melkroboter anzunehmen und auch deren Verträge auf Mitte des Jahres 2022 zu kündigen, sind die Milchbauern mit Käsereimilch vorsichtig beim Erwerb eines Melkroboters. So waren es auch die beiden Landwirte, deren Milch von drei kleineren Käsereien zu Müller-Thurgau-Käse, Emmentaler und Tilsiter verarbeitet wird. 

Es ist jedoch nicht so, dass Melkroboter eine Milch von schlechterer Qualität melken. Dies ergab sich aus Studien von Agroscope, welche die Milchqualität bei Melkrobotern, Melkständen und Rohrmelkanlagen miteinander verglichen. «Ich bin überzeugt, dass sich mit  Melkroboter hervorragende Käsereimilch produzieren lässt», sagt Ernst Jakob von Agroscope. Die Qualität hänge wie bei anderen Melkanlagen von der Hygiene und der Wartung der Anlage ab. Bei Landwirten, die, um Arbeitszeit einzusparen, mit einem Melkroboter melkten, bestehe die Gefahr, dass Hygiene und Tierüberwachung zu kurz kämen. 

7,5 oder 8 Stunden

Allerdings kommt beim Melken mit dem Melkroboter hinzu, dass die Zwischenmelkzeiten nicht zu kurz sein dürfen. Denn bei kurzen Zwischenmelkzeiten kommt es zur Fettspaltung. Die Haut um die Fettkügelchen wird ungenügend ausgebildet. Das Fett ist für die milcheigene Lipase besser angreifbar; der Käse wird ranzig. 

Um dies zu vermeiden, verlangen die Sortenorganisationen eine minimale Zwischenmelkzeit bezogen auf die Einzeltiere. Bei Emmentaler Switzerland sind das 8 Stunden, bei Tilsiter aus Rohmilch und bei Appenzeller Käse 7,5 Stunden. Bei diesen beiden gibt es noch eine zweite Beschränkung. Die durchschnittliche Anzahl Melkungen aller Kühe innerhalb 24 Stunden darf nicht über 2,5 liegen, was einer durchschnittlichen Zwischenmelkzeit von 9,6 Stunden entspricht. 

Saubere Euter

Die Sortenorganisation Tilsiter Switzerland verlangt, dass der Melkberater neu installierte oder umgebaute Roboter prüft, ob sie den Branchenstandard erfüllen. Ausserdem muss der Lieferant des Roboters dem Milchproduzenten die Käsereitauglichkeit der Milch schriftlich garantieren, und die Milchproduzenten müssen im ersten Betriebsjahr die Milch monatlich auf ihre Käsereitauglichkeit untersuchen lassen.

Die beiden Landwirte machten den Kauf von der Käsereitauglichkeit abhängig. «Das Wichtigste ist, dass die Kühe mit sauberen Eutern kommen», betont Brunner. Sie legen grossen Wert auf die Sauberkeit der Liegeboxen. Auch die Laufgänge müssen sauber sein. Dafür sind die Schieber mindestens alle zwei Stunden in Betrieb. 

Viele Daten werden gesammelt


Nach jedem Melken reinigt  der Roboter die Zitzenbecher mit Wasserdampf. Die Leitungen spült er drei Mal täglich während jeweils 15 bis 20 Minuten.   Rotierende Bürsten übernehmen die Reinigung des Euters und die Stimulation der Milchabgabe. Eine Düse besprüht die Bürsten nach jedem Melken mit Peressigsäure, um sie so gut als möglich zu desinfizieren. Ausserdem wechseln die Landwirte die Bürsten regelmässig aus.

«Mit dem Melkroboter haben wir die Tiere im Griff», sagt Brunner. Der Melkroboter misst die Leitfähigkeit der Milch bei jedem Viertel sowie Zellzahl,  Temperatur und  Milchmenge im ganzen Gemelk, was wichtige Rückschlüsse auf die Milchqualität gibt. Die Milch von kranken Kühen wird separiert. Ausserdem erheben Transponder am Hals der Kühe deren Wiederkautätigkeit und Aktivität. All diese Daten kommen im Server des Melkroboters zusammen, werden dort ausgewertet und am PC dargestellt. Das hilft den Tierhaltern, die Gesundheit ihrer Tiere zu überwachen.  

Management entscheidet

Voraussetzung ist, dass sie die Auswertungen zwei Mal täglich ansehen und bei Bedarf schnell handeln. «Das Management gibt den Ausschlag», ist Brunner überzeugt. Nicht nur bei der Tiergesundheit, sondern auch bei der Milchqualität. «Robotermelken und Käsereimilch erweisen sich als perfektes Miteinander, da die freie Wahl der Kühe, wann sie die Milch abgeben wollen, keinen Stress aufkommen lässt und sich positiv auf die Milchqualität  auswirkt»,  sagt  Marcel Schwager, Verkaufsleiter Lely. 

Das Robotermelken komme der natürlichen Milchabgabe der Kühe am nächsten, und nicht zuletzt biete der Roboter dem Landwirt viele Hilfsmittel, um frühzeitig Krankheitssymptome bei den Kühen zu erkennen.

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