29.05.2018 07:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
USA
Kein Antibiotika bei 13712 kg Milch
Dank einem ausgefeilten Behandlungskonzept ist es möglich, während der Laktation keine Antibiotika einzusetzen.

Auf Rosy-Lane Holsteins LLC in Wisconsin (USA) beträgt die durchschnittliche Milchleistung 13'712 kg Milch (ohne Einsatz des Wachstumshormons BST). Mit 1000 Kühen liegt die Lebensleistung bei 54'000 kg Milch. Alleine diese Zahlen schliessen unvermeidlich auf bestes Kuhmanagement. Dass zudem keine Antibiotika bei den laktierenden Kühen eingesetzt wird, klingt schon fast unmenschlich. Nachfolgend wird aufgezeigt, wie das bei Rosy-Lane umgesetzt wird.

Hohe Futteraufnahme 

Wie Lloyd Holterman von Rosy-Lane dem Magazin Elite sagte, verzichtet er aus Kostengründen auf Antibiotika. Die Vorteile seien, dass die gesamte Milch abgeliefert werden kann und die Medikamentenkosten gering sind. Bei der Fütterung, die zu 53 Prozent aus Kraftfutter und zu 47 Prozent aus Luzerne- und Maissilage besteht, wird auf maximale Futteraufnahme und Futtereffizienz gepocht. 

26 Kilogramm Trockensubstanz frisst die Kuh pro Tag, welche in Sandliegeboxen gehalten wird. Aus jedem Kilogramm TMR sollen die Kühe 1,7 kg Milch produzieren. Die Fütterung wird streng überwacht, so lassen sich die täglichen Abweichungen auf unter zwei Prozent drücken. Bei den Trockensteher wird die Ration angesäuert (saure Salze). 

Kontrollierte Abkalbung 

Die Galtphase der Kühe dauert 60 Tage. Die Kühe werden erst kurz vor der Geburt aus der Vorbereitungsgruppe in die Abkalbebox umgestallt. Dort dürfen die Angestellten sie acht Stunden lang nicht berühren! Nur wenn die Geburt länger dauert, ist Geburtshilfe erlaubt. Ältere Kühe erhalten einen Kalzium-Bolus. Die frischgekalbten Kühen werden 15 bis 21 Tage in der gleichen Gruppe gehalten, die bewusst unterbelegt ist. Die Kühe erhalten ein Kilogramm Heu pro Tag über die Ration. 

Drei Mal täglich


Gemolken wird drei Mal täglich im Doppel-12-er-Side-by-Side-Melkstand und bei voller Melkroutine (vordippen, reinigen mit zwei Tüchern pro Euter, vormelken, ansetzen, dippen). Im Melkstand hat Holtermann neben einer Vernebelung für die Kühlung der Kühe auch ein Lichtband einsetzen lassen, damit die Melker die Zitzen besser erkennen. 

Allein durch diese Massnahme sei die Zellzahl von 170'000 auf 130'000 Zellen/ml gesunken. Das wöchentliche Klauenbad und die Klauenplege am 90. Laktationstag sowie zum Zeitpunkt des Trockenstellens sorgen dafür, dass die Kühe gut zu Fuss sind. Ein Teil der Kühe wird in belüfteten und geschlossenen Stallungen gehalten, der von Holtermann gegenüber dem freibelüfteten Laufstall bevorzugt wird.

Die Genomik nutzen

Sowohl in der Klauengesundheit als auch in der Fruchtbarkeit setzt Holtermann als langfristige Lösung auf Genomics. Seit den 90er-Jahren züchtet er nicht mehr auf Typ, sondern auf funktionale Merkmale wie Lebensleistung, Kalbeverlauf oder Inhaltsstoffe. Seit der Einführung  der genomischen Selektion vermeidet Holtermann schon bei der Anpaarung kritische Haplotypen, die Missbildungen oder Aborte hervorrufen würden. 

«Ohne geht nicht»

«Ohne antibiotisches Trockenstellen geht es nicht», sagt Holtermann. Die Neuinfektionsrate sei zu hoch gewesen, als sie es ausprobiert hätten. Selektives Trockenstellen sei für sie keine Option. Das Beispiel aus den USA zeigt, dass der Antibiotikaeinsatz auf Hochleistungsbetrieben auf ein Minium reduziert werden kann. Auch wenn einige der eingesetzten Mittel (Kasten) in der Schweiz nicht zugelassen sind, lohnt es sich, von dem Betrieb zu lernen.

So wird behandelt

Die Behandlung der erkrankten Kühe basiert auf folgendem Prinzip: «Dehydrieren, rehydrieren». Kühe mit Mastitis erhalten innerhalb von ein bis zwei Stunden nach der Diagnose eine Infusion mit hypertoner, d.h. höher konzentrierter Kochsalzlösung (2 l, 7,2 Prozent). Diese mobilisiert die Flüssigkeit im Körper, damit Toxine ausgeschwemmt werden. Anschliessend muss(!) die Kuh mit genügend Wasser versorgt werden, um den Stoffwechsel zu stabilisieren. Auf Rosy-Lane werden die Kühe dann zwei Mal gedrencht (18l Wasser mit 250 g Hefepulfer sowie Mineralstoffen; 36 l Wasser pur). Die Behandlung wiederholt sich drei Tage lang. Kühe mit einer akuten Euterinfektion erhalten am ersten Tag der Behandlung zusätzlich einen Elektrolytmix ins Blut und einen weiteren Drench. 75 Prozent der Kühe genesen innerhalb weniger Tage. Zeigt sich nach drei Tagen keine Besserung, wird die Kuh mit Elektrolyten stabilisiert und geschlachtet. Ein fast identischer Behandlungsplan besteht für Kühe mit einer Gebärmutterentzündung. hal

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