14.04.2017 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Bio Suisse
Kein Eiweisskonzentrat für Bio-Kühe
Bio Suisse will bei der Fütterung von Wiederkäuern (vor allem den Kühen) die Schraube anziehen und alten Grundsätzen zum Durchbruch verhelfen. Am Donnerstag wurde an der Bio-Suisse-DV in Olten informiert. Der «Schweizer Bauer» zeigt auf, was Bio Suisse genau vorhat.

Der Vorstand der Bio Suisse hat im Januar 2016 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Thema Wiederkäuerfütterung umfassend analysiert, Ziele diskutiert und Massnahmen vorschlägt. Die Arbeitsgruppe Wiederkäuerfütterung ist zum Schluss gekommen, dass die Richtlinien, Kapitel „4.2 Fütterung“ angepasst werden sollen, wie in den Unterlagen zur DV der Bio Suisse nachzulesen ist.  

Alte Grundsätze

Laut der Arbeitsgruppe müssen die beiden seit langem in den Richtlinien verankerten Grundsätze präzisiert werden, damit diese auf allen Betrieben auch umgesetzt werden:

1. Die Fütterung der Nutztiere soll die menschliche Ernährung nicht direkt konkurrieren. 
2. Grundsätzlich erfolgt die Fütterung der Tiere mit betriebseigenem Knospe-Futter.

Bio Suisse schreibt: «Das Füttern von Getreide und Eiweisskonzentrat ist nicht nur eine Konkurrenzierung der menschlichen Ernährung, sondern eine Abweichung der wesensgemässen Fütterung der Wiederkäuer.» Bereits vor 30 Jahren sei diesem Umstand in den Grundsätzen und Zielen der Bio Suisse-Richtlinien Rechnung getragen worden.

Die Arbeitsgruppe stellte an der DV den untenstehenden Vorschlag (Richtlinienänderung) zur Diskussion).

1. 80% Futter vom Betrieb

4.2 Fütterung

Spezifische Fütterungsgrundsätze für Wiederkäuer

Die Fütterung erfolgt zu mindestens 80 Prozent aus betriebseigenem Knospe-Futter. Arbeiten mehrere Knospe-Betriebe bei der Futterproduktion zusammen, sind Ausnahmen möglich. Zugeführte Futtermittel müssen aus biologischem Anbau stammen.

(Bemerkung in Unterlagen der Bio Suisse: Diese Zusammenarbeitsform muss noch eingehender diskutiert werden. Es wurde noch nicht definiert, welche Formen der Zusammenarbeit akzeptiert würden, damit ein einzelner Betrieb von der Regelung abweichen könnte)

2. Hoher Grasanteil

Ab 1.1.2018 müssen die Wiederkäuer einen minimalen Grasanteil (frisch, siliert oder getrocknet), gerechnet auf die Jahresration, fressen. Dieser beträgt im Talgebiet 75% und im Berggebiet 85%.

(Bemerkung Redaktion: Das ist heute schon Teil der Richtlinien und entspricht dem Bundesprogramm GMF. Beschlossen dies wurde vor einem Jahr an der Frühlings-DV 2016. Der Antrag kam von den Bärner Bio Bure, treibende Kraft dahinter war Res Bärtschi, der Bruder von Bio-Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi).  

3. Übriges Grundfutter

Der restliche Teil der Ration kann aus übrigem Grundfutter bestehen.

Als übriges Grundfutter für Bio-Suisse-Betriebe gilt dabei:

 

  • Verfüttertes Stroh und verfütterte Streue
  • Ackerkulturen, bei welchen die ganze Pflanze geerntet wird: frisch, siliert oder getrocknet (Maisganzpflanzen werden zum Grundfutter gezählt; jedoch wird z. B. Maiskolbenschrot bereits in die Kategorie Kraftfutter eingeteilt). 
  • Zuckerrübenschnitzel 
  • Futterrüben unverarbeitet 
  • Kartoffeln unverarbeitet 
  • Abgang aus Obst-, Früchte- und Gemüseverarbeitung (Äpfel, Trauben, Karotten, Randen etc.) 
  • Biertreber (Malztreber): Es muss ein unterschriebenes InfoXgen-Formular vorliegen (Formular kann unter www.infoXgen.com heruntergeladen werden) 
  • Spelzen von Dinkel, Gerste, Hafer, Reis 
  • Sojabohnen-, Kakao- und Hirseschalen 
  • Mühlennachprodukte 
  • Auswuchsdinkel und Auswuchshafer, sofern Körner und Spelzen ungetrennt verfüttert werden

 

Die Aufzählung ist abschliessend.

4. Kraftfutter: Nur 5% (Getreide), Eiweisskonzentrate verboten

An Stelle von übrigem Grundfutter kann bis maximal 10 Prozent Kraftfutter eingesetzt werden. 

Kraftfuttereinsatz ab 1.1.2022: Der maximale Anteil an konzentrierten Energiekomponenten (Getreide) beträgt 5 Prozent. Konzentrierte Eiweisskomponenten (wie z.B. Ölsaaten, Körnerleguminosen und deren Nebenprodukte, Bierhefe und Maiskleber) sind in der Wiederkäuerfütterung nicht zulässig. 

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