20.03.2015 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchmarkt
Keine Verkehrsmilch, wenn Kalb saugt
Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau fördert die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht. Doch laut dem Gesetz darf Milch von Kühen, an denen das Kalb saugt, nicht in Verkehr gebracht werden.

Immer mehr Bauern stellen um auf die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht. Das heisst, dass sie junge Kälber an der eigenen Mutter saufen lassen, bevor diese gemolken wird. Ältere Kälber teilen sich zu zweit oder zu dritt eine Amme. Diese wird nicht gemolken.

Interpretationsspielraum

Das  Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) möchte die Methode verbreiten. Es unterhält seit vergangenem Jahr eine Plattform für Milchviehhalter, die bereits mit mutter- und ammengebundener Kälberaufzucht arbeiten oder daran interessiert sind. Angeboten werden Exkursionen und Weiterbildungstagungen, zudem will das FiBL die Bauern vernetzen und so den Wissensaustausch fördern.

Nun besagt die Milchhygieneverordnung, dass nur Milch abgeliefert werden darf, wenn deren Gehalt unverändert ist. Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht werden die Kälber aber gesäugt vor dem Melken. So kann der Milchfettgehalt vom üblichen Wert abweichen. Das ist auch dem FiBL bewusst, wie Claudia Schneider, beim FiBL verantwortlich für die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht, in einem Interview mit dem LID sagt: «Die Bauern liefern alle ihre Milch ab, auch, weil nur ein Teil der Kühe in der Herde die Kälber säugt. Aber es ist richtig, dass Interpretationsspielräume bestehen. Wir sind am FiBL daran, hier eine abschliessende Klärung zu erreichen, damit Betriebe, die diese Kälberaufzucht praktizieren, keine Probleme bekommen.»

Nicht zulässig

Für Nathalie Rochat vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) besteht allerdings kein Interpretationsspielraum: «Die Praxis, dass  die Kälber direkt an der Kuh die Milch saugen und anschliessend die im Euter verbleibende Milch gemolken und der Verkehrsmilch zugeführt wird, ist sowohl nach den lebensmittelrechtlichen Vorgaben als auch nach den Bestimmungen der Verordnung über die Hygiene bei der Milchproduktion nicht zulässig.»

Gemäss der Verordnung über Lebensmittel tierischer Herkunft ist Milch das ganze Gemelk einer oder mehrerer Kühe, die regelmässig gemolken werden. «Wenn nun die Kälber einen Teil der Milch saugen, kann somit nicht mehr das ganze Gemelk als Verkehrsmilch gewonnen werden», so Rochat.

Die Bestimmungen in der Verordnung über die Hygiene bei der Milchproduktion verbietet das kombinierte Säugen/Melken laut Rochat zwar nicht explizit, doch werde aus den kumulierten Bestimmungen klar ersichtlich, dass diese Praxis nicht vereinbar sei mit den Anforderungen an die hygienische Milchproduktion: «Abgeliefert werden darf nur einwandfreie Milch mit unverändertem Gehalt.»

Tiere räumlich trennen

Hingegen ist es laut BLV möglich, auf demselben Betrieb Milch- und Mutterkühe zu halten. «Es muss sichergestellt sein, dass die Kühe, die als Mutter- oder Ammenkühe funktionieren, jeweils während der gesamten Laktation ausschliesslich als Mutter- oder Ammenkühe gehandhabt werden», betont Rochat. «Die Tiere müssen räumlich von den Milchkühen abgetrennt sein, oder es wird mit anderen Massnahmen sichergestellt, dass ihre Milch unter keinen Umständen in die Verkehrsmilch gelangt.»

Eric Meili vom FiBL beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage der Milchqualität bei der mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht. Dazu hat er auf einem Praxisbetrieb Daten gesammelt: «Aus Sicht der Hygiene und des Gehaltes ist die Milch einwandfrei.» Meili will nun einen runden Tisch einberufen, um die rechtlichen Belange zu klären.

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