5.07.2016 09:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Milchvieh
«Kühe haben immer recht»
Das Stallklima beeinflusst das Wohlbefinden der Kühe massiv. Wer Anpassungen umsetzen will, kann dies meist einfach und kostengünstig tun – allerdings muss man zuerst wissen, wo den Hebel ansetzen.

Das Wetter machte es in diesem Jahr den Milchbauern bisher in Bezug aufs Stallklima einigermassen leicht. Die kühlen Temperaturen und die häufigen Winde brachten in der Regel genug frische Luft in ihre Ställe.

Wärme abführen

Mit den derzeit steigenden Temperaturen aber kann sich die Situation schlagartig ändern. Wird die Wärme nicht mehr abgeführt und steigt zudem die Luftfeuchtigkeit, so leiden die Tiere. Christian Manser vom Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen (LZSG) betonte deshalb an der Tagung «Stallklima optimieren – kostengünstige Lösungen»: «Klima findet nicht nur an den heissesten, sondern dieses Jahr sogar an 366 Tagen statt. Das Stallklima müssen wir darauf ausrichten.»

Die Ställe auf dem Betrieb des LZSG kommen diesem Ziel sehr nahe. Im Bereich der Kälber ermöglichen aufklappbare Bretterwände die Luftzufuhr. Für die 50 bis 55 Kühe gibt es keine geschlossenen Räume. Fress- und Liegebereich sind wohl überdacht, aber nicht von frischer Luft abgetrennt. Der Versuch mit Rauchpulver im Liegebereich zeigte, dass der Rauch, respektive die Luft, wie gewünscht seitlich wegzieht und nicht direkt nach oben.

Das bedeutet, dass die frische Luft zu den liegenden Kühen gelangt. Die verbrauchte Luft wird somit ersetzt. Das ist entscheidend. «30 Prozent einer Kuh sind eine Heizung, die immer läuft», erklärte Manser. «20 bis 40 Liter Wasser produziert sie an einem Tag. Diese Wärme und diese Feuchtigkeit müssen weg.»

Kostengünstig ändern

Dafür hielt Christian Manser einfache und kostengünstige Lösungen bereit. Er schlug vor, die Stallwände zu öffnen, wo dies nur geht, vor allem nach Süden: «Das ist die gute Seite, weil dort viel Licht in die Ställe flutet.». Er empfahl zudem, Beton- und andere Wände in den Ställen drinnen und im Anbindestall zusätzlich die meist hohe Abgrenzung zwischen Fress- und Liegebereich zu entfernen.

Die notwendige Querlüftung sei mit hohen Hindernissen schlecht möglich. Zu den immer häufiger eingesetzten Grossraumlüftern erklärte er, dass diese immer in Betrieb sein sollten, nicht nur an heissen Tagen. Oblichter sollen abgedeckt werden, weil sie die Stallluft unnötig aufheizen. Wände auf der  Westseite kann man vollständig schliessen.

Positive Auswirkungen

Die Wettereinwirkungen und vor allem die starke Abendsonne schaden einem guten Stallklima. «Viele der Anpassungen sind mit wenig Aufwand möglich. Wichtig dabei ist die Beobachtung der Tiere. Sie haben immer recht und sagen uns klar, wo sie sich wohlfühlen.»

Wie wahr das ist, zeigen die Untersuchungen von Nathalie Roth von der Hochschule Hafl. Sie stellte in bestehenden Haltungssystemen zwar in den Bereichen Raum, Luft und Licht ein hohes Optimierungspotenzial fest. Dort, wo aber Veränderungen angepackt wurden, seien die Auswirkungen auf die Kuh eindeutig: «Die Tiergesundheit sowie natürliche Verhaltensweisen wie Aufsteh- und Abliegeverhalten verbesserten sich. Liegedauer und Leistungen stiegen» Besonders freute sie sich, dass die begleiteten Bauern mit gesunden Tieren mehr Freude erlebten.

Luftströme simulieren

Zu den etwas aufwendigeren Lösungen gehört das Schlauchbelüftungssystem, das es von verschiedenen Anbietern gibt. Einen eigenen Weg geht dabei «vetsmarttubes», eine Gruppe aus Tierärzten, Beratern und Technikern. «Wir bilden im Computer einen Stall nach und simulieren in einem 3D-Verfahren die Luftströme bei verschiedenen Belüftungssystemen», sagte Jakob Neumayer von «vetsmarttubes».

«So können wir bereits vor einer Investition für verschiedene, isolierte Stallbereiche analysieren, wie sich die Luft in welche Richtung und wie schnell bewegt.» Seine Animationen zeigten, dass dabei das Schlauchbelüftungssystem die Frischluft optimal zum Beispiel an die Liegeboxen bringt.

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